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Breezy Johnson spricht offen über ihre Verletzung. © AFP / JEFF PACHOUD

Die Leiden der Breezy Johnson

Sie gehörte in der abgelaufenen Saison zu den konstantesten Fahrerinnen des Ski-Weltcups, wurde dann aber von einer Verletzung ausgebremst, deren Ausmaß erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangt. Die Rede ist vom US-amerikanischen Speed-Ass Breezy Johnson.

Drei Abfahrten, drei zweite Plätze: Dominierte Sofia Goggia im letzten Ski-Winter die Königsdisziplin nach Belieben, so war Johnson hinter der Italienerin ganz klar die Nummer zwei – und damit auch ihre größte Widersacherin bei den Olympischen Spielen in Peking. Kurz bevor diese begannen, stürzten und verletzten sich jedoch beide. Während Goggia wie durch ein Wunder doch noch in China starten konnte, verpasste Johnson das Saisonhighlight. In einem Interview mit Ski Racing Media gab die US-Amerikanerin nun einen tiefen Einblick, was ihr genau widerfahren ist – sowohl physisch als auch im mentalen Bereich.


„Als ich in Cortina gestürzt bin, zog ich mir eine schwere Knorpelverletzung zu: Ein großes Stück Knorpel hat sich teilweise abgelöst“, erzählt die 26-Jährige aus Wyoming, die hinzufügt: „Wenige Wochen zuvor musste das Kreuzband daran glauben.“ Dennoch sei sie weitergefahren – in der Hoffnung, die Olympischen Spiele nicht zu verpassen. Und so bestritt sie das erste Abfahrtstraining in Cortina mit einem lädierten Kreuzband (sie wurde Vierte), ehe es im zweiten Testlauf zum Unglück kam. Neben schweren Knorpelschäden riss sie sich auch die Meniskuswurzel.

Stillschweigen
„Der Grund, warum ich nicht über meinen Kreuzbandriss gesprochen habe, ist, dass ich das Gefühl habe, dass es in unserem Sport eine Menge Vorurteile über diese Verletzung gibt“, meint Johnson. „Die Leute denken: 'Glaubst du wirklich, dass du das ohne Kreuzbandriss schaffen kannst?’ Ich habe diese Frage mit einem Ja beantwortet.“ Sie habe versucht, ohne das so wichtige Band bei Olympia zu starten. „Was ich tue und wozu ich fähig bin, ist meine Sache. Du steckst nicht in meinem Körper, du steckst nicht in meinen Schuhen“, betont sie.

Feierte große Erfolge: Breezy Johnson © AFP / PATRICK T. FALLON


Nach der Verletzung in Cortina habe sie aber sich gegen einen Olympia-Start entschieden, „weil ich gefühlt habe, dass ich nicht um eine Medaille mitkämpfen konnte“. Stattdessen unterzog sich Johnson einer komplizierten Operation, in der das Kreuzband des rechten Knies rekonstruiert, Knorpelersatz von einem Kadaver eingesetzt und die Meniskuswurzel repariert wurde. Die US-Amerikanerin peilt eine vollständige Genesung innerhalb von acht Monaten an.
Olympia von zu Hause
Das schwerste sei es gewesen, die Winterspiele von der Couch aus zu verfolgen. „So sollte es nicht enden. Ich hätte dort sein sollen. Aber wir sind hier nicht im Kino. Es gibt keine Garantie für ein Happy End“, bedauert die Atomic-Fahrerin, die schon oft von schweren Verletzungen zurückgeworfen wurde, sich aber nie aufgegeben hat.

2017 riss sie sich den Schienbeinkopf, 2018 folgte ein Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie. Im Jahr darauf erwischte es das hintere Kreuzband im linken Knie. Trotz dieser Historie stand ihr in der letzten Saison nur Goggia vor der Nase. „Ich bin eine gute Heilerin“, gesteht sie: „Aber Ich wünschte, ich wüsste das nicht so genau.“ Denn psychisch seien diese vielen Verletzungen „sehr anstrengend“. Nichtsdestotrotz habe sie nie ans Aufhören gedacht: „Ich liebe das Gefühl, Rennen zu fahren. Deshalb ist es immer noch wert. Es war ein Lebenstraum von mir, die kleine Abfahrtskugel zu gewinnen. Das werde ich nicht aufgeben.“

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