
Giovanni Franzoni lässt sich von seiner Mannschaft feiern. © ANSA / ANNA SZILAGYI
Franzoni verblüfft sich selbst: „Meine Koffer waren schon gepackt“
Giovanni Franzoni hat am Samstag in Kitzbühel Ski-Geschichte geschrieben. Der neue Streif-König sowie Teamkollege Florian Schieder standen SportNews Rede und Antwort.
24. Januar 2026
Aus Kitzbühel

Von:
Christoph Niederkofler
Vor sieben Jahren saß Dominik Paris auf dem Thron von Kitzbühel, damals sammelte Giovanni Franzoni noch seine ersten Erfahrungen auf FIS-Niveau. Am Samstagnachmittag tat es der 24-Jährige seinem prominenten Teamkollegen gleich, zähmte die berüchtigte Streif – und mutierte wie sein Idol zum Mythos. „Er ist so ein bisschen ein emotionaler Typ“, beschrieb Florian Schieder im Interview mit SportNews den Shootingstar aus Manerba am Gardasee. Als sich der Sieg allmählich abzeichnete, verdrückte Franzoni so manche Träne. Schieder stand ihm mit einem breiten Grinsen bei und freute sich mit ihm.
„Giovanni ist ein feiner Bursche, immer freundlich – und schaut den Domme immer so an, als wäre er ein Heiliger“, führte Schieder weiter aus. Umso passender, dass Franzoni in die Fußstapfen seines Vorbildes folgte und nach Paris (2013, 2017, 2019), Peter Fill (2016) und Kristian Ghedina (1998) als vierter Azzurro die Abfahrt in Kitzbühel gewann. „Jetzt fährt er uns um die Ohren. Es ist doch auch mal schön, wenn unsere Leute ganz vorne sind und nicht immer nur die Schweizer“, so Schieder.
Franzoni dachte gar nicht an den Sieg
Spätestens seit Samstag ist sein Name in aller Munde, für Aufsehen sorgte Franzoni aber bereits eine Woche zuvor in Wengen. Beim Klassiker in der Schweiz entschied der Italiener zuerst beide Trainings für sich, ehe er im Super-G seinen Premierensieg im Weltcup feierte. Einen dritten Platz in der Lauberhornabfahrt gab es als Schmankerl zum Abschluss. In Kitzbühel leuchtete erneut in beiden Trainings die Nummer eins neben seinem Namen auf. Sollte sich das Kunststück wiederholen? Nein – im Super-G wurde es nur Platz zwölf.„Wenn ich ehrlich bin: Meine Koffer waren schon gepackt, ich dachte, dass ich direkt nach dem Rennen abreisen würde.“ Giovanni Franzoni
„Gestern hat er den Preis für die Bestzeiten im Training gezahlt, der Rummel um ihn war enorm groß“, ordnete Schieder ein. „Ich hatte das Gefühl, dass er zu viel an sich rangelassen hat. Heute hat er es aber umso besser gemacht.“ Franzoni hatte mit dem Double aus Goldener Gans und eigener Gondel am Hahnenkamm übrigens nicht mehr gerechnet. „Wenn ich ehrlich bin: Meine Koffer waren schon gepackt, ich dachte, dass ich direkt nach dem Rennen abreisen würde. Jetzt schauen wir mal, was noch geht. Eine Sache nach der anderen.“
Franzoni zittert – Schieder mischt ganz vorne mit
Seinen Triumph vor rund 45.000 Zuschauern konnte er im Anschluss noch nicht so richtig realisieren. „Es ist ein Traum, ich zittere vor Emotionen“, meinte Franzoni. Das Ergebnis im Super-G habe Druck von seinen Schultern genommen. „Bis zum Brückenschuss habe ich ein paar kleine Fehler gemacht, ab dort bin ich aber meiner Meinung nach unglaublich Ski gefahren.“ Besondere Motivation gab ihm auch der Gedanke an den verstorbenen Matteo Franzoso, einen seiner besten Freunde. „Matteo war in meinem Kopf, weil wir letztes Jahre das Zimmer geteilt haben. Das war der richtige Moment, ihm das Rennen zu widmen – denn das will jeder gewinnen.“Florian Schieder mischte wieder einmal vorne mit. © APA/afp / JOE KLAMAR
Das Spiel der Hundertstel war an diesem Tag auf seiner Seite, denkbar knapp hinter Franzoni folgte Marco Odermatt (0,03 Sekunden). Mit Schieder (4./+0,67) träumte sogar ein zweiter Azzurro vom Podest, der Franzose Maxence Muzaton (+0,39) verhinderte aber mit Startnummer 29 das dritte Kitz-Stockerl des Kastelruthers. „Im Lärchenschuss habe ich etwas liegengelassen, dann nimmt man den Speed nicht so mit, wie es sein sollte. Vielleicht bin ich auch etwas zu rund gefahren. Und wenn es eine so einfache Piste ist, ist alles zu viel“, analysierte der 30-Jährige. Nachgetrauert hat er der verpassten Gams jedoch nicht. „Die Platzierung ist gut, ich kann mit den Besten mithalten. Ich freue mich schon auf die nächste Woche“, blickte er bereits auf den Weltcup in Crans Montana voraus (28. Jänner bis 1. Februar).
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