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In der Welt des Ski Alpin entbrannte eine Debatte über Sicherheitsmaßnahmen. © APA/GETTY IMAGES NORTH AMERICA / CHRISTIAN PETERSEN

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In der Welt des Ski Alpin entbrannte eine Debatte über Sicherheitsmaßnahmen. © APA/GETTY IMAGES NORTH AMERICA / CHRISTIAN PETERSEN

Kritik nach Todesfall: „90 Prozent der Pisten zu gefährlich“

Der tragische Tod von Matteo Franzoso im chilenischen La Parva hat für große Bestürzung in der Welt des Ski Alpin gesorgt. Mit Sepp Brunner hat sich nun ein österreichischer Erfolgstrainer zu Wort gemeldet – und Alarm geschlagen.

„Wenn ich sehe, in welche Richtung sich der Skisport entwickelt, bin ich froh, dass ich nichts mehr damit zu tun habe“, erklärte der sich mittlerweile im Ruhestand befindende Brunner. Damit bezog er sich auf die jüngste Tragödie rund um den italienischen Abfahrer Matteo Franzoso, der Mitte September nach einem schweren Trainingssturz in Chile gestorben ist. „Ich habe mit meinen Athleten während vielen Jahren in La Parva trainiert. Weil diese Strecke fast ausschließlich von veralteten B-Netzen abgesichert ist, weiß ich, wie gefährlich Speed-Fahrten hier sind“, führte er weiter aus.


Der Todesfall hatte eine neue Debatte über konsequentere Sicherheitsmaßnahmen entfacht. Für Brunner längst überfällig. „Auf 90 Prozent der Trainingsstrecken abseits vom Weltcup-Zirkus musste ich als Trainer vor jeder Einheit befürchten, dass etwas Schlimmes passiert“, erinnerte sich der Österreicher, der einst unter anderem Beat Feuz, Carlo Janka und Vincent Kriechmayer zu Top-Athleten formte. „Genau genommen gibt es weltweit nur eine permanente Alpin-Trainingspiste, die den höchsten Sicherheitsvorkehrungen gerecht wird - die Strecke in Copper Mountain.“

FIS-Boss warnte seine Tochter

Der ehemalige Skirennfahrer Marco Büchel brachte im Zuge dessen bereits einen Vorschlag ein. „Es würde der FIS gut zu Gesicht stehen, wenn sie einen Fonds einrichten würde, bei dem sich Skigebiete und Verbände melden können, um die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen zu finanzieren“, so der Riesenslalom-Vizeweltmeister von 1999. Ein Vorschlag, welcher beim Weltverband für Ski- und Snowboardsport mit Wohlwollen aufgenommen wurde. Die Umsetzung ist jedoch alles andere als simpel.

„Wenn man zwei Dutzend Trainingsstrecken im Weltcup-Standard absichert, werden die Kosten einen Millionenbetrag beinhalten. Deshalb müsste man sicher darüber diskutieren, wer sich alles an den Kosten beteiligen muss“, gab der frisch ernannte FIS-CEO Urs Lehmann zu bedenken. Mit der schicksalhaften Piste in La Parva verbindet den Schweizer übrigens eine persönliche Geschichte. Immerhin hatte er die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen auf dem Hang nur einige Wochen mit eigenen Augen gesehen.

Urs Lehmann sah die Mängel in La Parva mit eigenen Augen. © APA/EXPA/JOHANN GRODER / EXPA/JOHANN GRODER

Urs Lehmann sah die Mängel in La Parva mit eigenen Augen. © APA/EXPA/JOHANN GRODER / EXPA/JOHANN GRODER


„Ich bin mit meiner 21-jährigen Tochter Nina, welche FIS- und Europacup-Rennen bestreitet, nach Südamerika gereist. Nina wollte ebenfalls in La Parva trainieren“, erzählte er. Davon konnte er sich aber abhalten. „Aber letztendlich einigten wir uns darauf, dass diese mässig abgesicherte Piste für eine junge, eher unerfahrene Athletin nicht die Richtige ist.“

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