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Atle Lie McGrath hat einen tiefen Einblick gegeben. © APA/afp / STEFANO RELLANDINI

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Atle Lie McGrath hat einen tiefen Einblick gegeben. © APA/afp / STEFANO RELLANDINI

„Tiefpunkt meines Lebens“: Slalom-Star offen über Leidenszeit

In den technischen Disziplinen mischt Atle Lie McGrath im laufenden Weltcup-Winter ganz vorne mit. Hinter dem Norweger liegt jedoch eine Leidenszeit, über welche er nun offen sprach.

Wenige Tage vor Weihnachten machte sich Atle Lie McGrath selbst das schönste Geschenk: Beim Weltcup in Alta Badia schwang sich der 25-Jährige im Slalom zum Sieger auf und feierte den vierten Weltcuperfolg seiner Karriere. Die Entscheidung war ein waschechter Krimi, immerhin lag er nach dem ersten Durchgang neun Hundertstelsekunden hinter Clement Noel. Der Franzose verlor aber fast vier Zehntel auf McGrath und fiel somit hinter seinen Konkurrenten zurück.


„Das hat mich viel Kraft gekostet. Dort zu stehen und zu wissen, dass ich eine Chance hatte. Zu scheitern, wie ich es in dieser Saison immer wieder getan habe, und es dann endlich zu schaffen, ist unglaublich“, erklärte McGrath anschließend. Eine Befreiung für den Vizeweltmeister von Saalbach – auch mit Blick auf seine Vergangenheit.

McGrath warf ein Kreuzbandriss weit zurück

Bei den Weltmeisterschaften 2023 in Courchevel wurde der kometenhafte Aufstieg des Skandinaviers abrupt auf Eis gelegt: Im Super-G erlitt McGrath einen Kreuzbandriss. „Der schlimmste Fall ist eingetreten“, erinnerte er sich im Podcast Alpine Pulse an die Verletzung. „Weil alles so schnell war, weiß ich gar nicht mehr, wie es passiert ist. Ich kann mich aber daran erinnern, wie ich mit etwa 100 km/h in dieses Netz gekracht bin. Ich spürte sofort, dass etwas nicht stimmt.“
„Da zu sitzen und zu wissen: 'Ja, ich bin am Ende.' Das war wahrscheinlich der Tiefpunkt meines Lebens.“ Atle Lie McGrath

Zwar hatte McGrath bereits Erfahrungen mit verletzungsbedingten Zwangspausen, dieses Mal war es jedoch etwas anderes – vor allem mit Hinblick auf sein Potenzial in seinen Paradedisziplinen. Von 100 auf 0 innerhalb weniger Augenblicke. „Das war einer der größten Rückschläge meiner Karriere. Da zu sitzen und zu wissen: 'Ja, ich bin am Ende.' Das war wahrscheinlich der Tiefpunkt meines Lebens“, schilderte McGrath. „In dieser Zeit war ich allein. Physisch habe ich gekämpft, aber auch mental war es sehr, sehr hart.“

McGrath: „Das hat an mir genagt“

In den ersten drei bis vier Monaten musste sich der Youngster damit abfinden, den Weltcup nur von zu Hause verfolgen zu können. „Ich habe die Rennen verfolgt und gesehen, wie meine Teamkollegen Henrik Kristoffersen und Lucas Braathen Titel gewinnen“, meinte er. „Vielleicht hätte ich sie nicht selbst gewonnen, aber ich konnte die Momente nicht mit ihnen teilen. Und genau dieses Gefühl hat an mir genagt. Ich habe für viele Monate damit gekämpft.“

McGrath hat den Weg zurück in die Spitze gefunden. © ANSA / ANDREA SOLERO

McGrath hat den Weg zurück in die Spitze gefunden. © ANSA / ANDREA SOLERO


Neun Monate später feierte er sein Comeback auf der großen Bühne, bis zu seinem ersten Sieg nach der Verletzung musste er sich jedoch bis Jänner 2025 in Wengen gedulden. Mittlerweile zählt McGrath wieder zu den besten Skifahrern der Welt und präsentiert sich wenige Wochen vor den Olympischen Spielen (6. bis 22. Februar) in Bestform. Neben seinem Sieg in Alta Badia feierte er zwei weitere Podestplätze in dieser Saison: Sowohl im Slalom von Gurgl als auch im Riesentorlauf in Sölden eroberte er jeweils den dritten Rang.

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