
Die Grödner Cracks sind Meister in der Alps Hockey League. © matthaeus kostner
Ein Tal steht Kopf! Die Wunder-Grödner sind Meister
Unglaublich, aber wahr: Der HC Gröden hat sich am Samstagabend vor heimischer Kulisse zum Champion der Alps Hockey League gekürt. An einem denkwürdigen Eishockeyabend schrieben die Furie gegen ein aufopferungsvoll kämpfendes Meran Geschichte.
18. April 2026
Aus dem Pranives in Wolkenstein

Von:
Thomas Debelyak
Der Südtiroler Sport hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten so manches Sportmärchen geschrieben. Seit Samstag, 18. April gilt eines dieser Kapitel auch dem HC Gröden. Die Furie haben die Überraschung, die Sensation, ja das Wunder tatsächlich vollbracht und sich nach einer völlig verrückten Saison erstmals in der Geschichte zum Champion in der Alps Hockey League gekürt.
Im vierten Finalspiel feierten Kapitän Simon Pitschieler & Co. gegen den anderen Sensationsfinalisten HC Meran den vierten Sieg. 4:3 leuchtete es am Ende auf der Anzeigetafel auf. Als um 21.42 Uhr die Schlusssirene ertönte, wurde das kleine, aber doch so charmante Pranives-Stadion in seinen Grundfesten erschüttert. Der Großteil der mehr als 2.100 Fans in der aus allen Nähten platzenden Arena flippte aus, ein ganzes Tal steht Kopf. Der schlafende Riese Gröden, der einst zu den Größen in Italiens Eishockey zählte, ist aus dem Reich der Träume erwacht – und wie!
Vlastimil Dostálek (ganz links) war der überragende Grödner Akteur. © matthaeus kostner
Für den HC Gröden ist es der erste Titel seit dem Serie-B-Triumph 1997. Den letzten „großen“ Pott, sprich den Serie-A-Pokal, durften die Furie vor 45 Jahren (also 1981) in die Höhe stemmen. Der erstmalige Triumph in der internationalen Alps Hockey League ist mindestens gleich schön wie die vier Scudetti, die in der Grödner Vitrine stehen. Warum? Weil er eigentlich als unerreichbar galt.
Gröden ein mehr als würdiger Meister
Als der Grunddurchgang der AlpsHL am 31. Jänner zu Ende ging, stand das Team von Marcel Skokan auf dem drittletzten Platz der Tabelle – eine Position hinter dem HC Meran. Dass sich diese beiden Teams nun im Finale gegenüberstanden, beweist, wie unberechenbar, wie faszinierend der Eishockeysport sein kann.Gröden – so viel steht fest – ist ein würdiger Meister. Vor allem, weil die Truppe um Star-Goalie Claes Endre im Viertelfinale den Grunddurchgangssieger Salzburg und im Halbfinale den Topfavoriten Zell am See ausgeschaltet hat. In der Finalserie gab es gegen tapfere, aber letztendlich chancenlose Meraner kein Halten mehr.
Meran zeigt riesiges Herz
Wobei: Am Samstag machten es die Meraner – die in den drei vorherigen Matches jeweils untergingen – bis zur letzten Sekunde spannend. Das hatte einerseits mit dem großen Herz der Adler, andererseits aber mit Goalie Andy Bernard zu tun. In seinem letzten Karrierematch spielte der Kalterer Goalie noch einmal ganz groß auf und hielt sein Team mit mehreren Monster-Saves bis zur letzten Sekunde in der Partie.Schlussendlich waren die Grödner Wunder-Männer – angeführt vom überragenden Playoff-Topscorer und Doppeltorschützen Vlastimil Dostálek – aber zu stark. Nach den Rittner Buam (2017 und 2024) sowie Asiago (2018 und 2022) kommt der Meister der AlpsHL nun also zum fünften Mal aus Italien.
Grödens Meister-Abend im Zeitraffer
| Wie verwandelt | In den ersten drei Partien der Serie lief bei Meran nichts zusammen, doch plötzlich sind die Adler wie ausgewechselt. Die Belohnung ist das 1:0 durch Sherbinin: Nach einem Wechselfehler der Grödner gelangt die Scheibe zum Kanadier, der Endre mit einem Hammer unter die Latte keine Chance lässt (5.). |
| Entfesselte Furie | Nach dem Tor dauert es aber nicht lange, da ist der Meraner Zauber verpufft. Plötzlich spielt im Pranives nur mehr ein Team: Der HCG. Und dieser hat mit Dostalek den überragenden Mann dieser Playoffs in seinen Reihen. Zunächst trifft der Tscheche nach einem Rebound (20.), dann bekommt er im Powerplay im Slot zu viel Platz – und lässt die Arena in Wolkenstein beben (23.). Noch im Mitteldrittel erhöht Schiavone auf 3:1 (36.). |
| Gänsehaut pur | Das Schlussdrittel ist an Spannung nicht zu überbieten. Zuerst verkürzt Trivellato aus dem Getümmel heraus zum 2:3 (45.), dann zieht Deluca nach einem Konter so lange Richtung Torlinie, bis Bernard zu Boden geht – und es steht 4:2 (47.). Tomasini gelingt bei einem Gestochere noch das 3:4 für Meran, und die letzten Sekunden sind Nervenkitzel pur. Doch Gröden lässt sich den Sieg nicht mehr nehmen. Dann brechen alle Dämme. |
HC Gröden – HC Meran 4:3
HCG: Endre (Rindone); Guimond-Senoner, Buono-Brighenti, Vozovik-Soracreppa, Lindner-Greci; Biondi-Schiavone-Dostalek, Pitschieler-Moncada-Deluca, Kasslatter-Castlunger-Luisetti, Delucca-Esposito-MoroderCoach: Skokan
HCM: Bernard (Vezzali); Rein-Larcher, Sherbinin-Golser, Beber-Frick, Curti-Carissimi; Gellon-Egger-Claesson, Cruseman-Tomasini-Stefanson, Marinovich-Trivellato-Fuchs, Mandruzzato-Laimer-Kuppelwieser
Coach: Borgatello
Tore: 0:1 Brayden Sherbinin (4.14), 1:1 Vlastimil Dostalek (19.11), 2:1 Vlastimil Dostalek (22.27), 3:1 Davide Schiavone (35.13), 3:2 David Trivellato (44.07), 4:2 Stephan Deluca (46.12), 4:3 Patrick Tomasini (50.26)
Zuschauer: 2.107 (ausverkauft)
Endstand in der Best-of-7-Serie: 4:0
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