
Der HCG träumt vom Titel in der AlpsHL. © Matthäus Kostner
HC Gherdëina: Der schlafende Riese erwacht
Einst Aushängeschild des italienischen Eishockeys, dann geprägt von einem Stadionunglück, Krisen und Rückschlägen: Der Hockey Club Gherdëina steht heute im Finale der Alps Hockey League – und vor einem Comeback, das ein ganzes Tal bewegt.
11. April 2026
Von: sn
Über 1.800 Fans verwandelten das Pranives am Dienstag in ein Tollhaus, als die Sirene ertönte und der 6:1-Sieg des HC Gherdëina gegen den EK Zell am See feststand. Das zweite Liga-Schwergewicht war aus dem Weg geräumt, das Finale gegen den HC Meran perfekt.
Sprechchöre hallten durch das in die Jahre gekommene, aber doch charismatische Stadion, das an diesem Abend 14 Jahre nach dem letzten Serie-A2-Finale wieder zum Epizentrum des Tals avancierte. Alteingesessene Fans wurden nostalgisch, erinnerten sich an frühere Glanzzeiten zurück. Kinder und Jugendliche freuten sich, erstmals Zeuge eines Erfolgs ihres Herzensvereins sein zu können.
Volle Ränge in Gröden: Der HCG ist in der AlpsHL plötzlich Südtirols Zuschauer-Hochburg. © Giacomo Rossi
Allein der Umstand, dass in Abwesenheit der Wintertouristen 1.800 Zuschauer dem Spiel an einem Donnerstag beiwohnten, zeigt: Im Tal der Holzschnitzer lodert seit jeher das Feuer fürs Eishockey – es fehlte nur noch ein zündender Funke. Um den Ursprung dieser brennenden Leidenschaft zu verstehen, ist ein Blick in die Geschichtsbücher vonnöten. Denn der HC Gherdëina ist nicht nur einer der ältesten Vereine Italiens, sondern mit vier Italienmeistertiteln auch einer der erfolgreichsten.
Aufstieg zur Großmacht
Die Anfänge gehen zurück in die 1920er-Jahre. Fremde, die zum Skifahren nach Gröden kamen, legten den Einheimischen diesen damals noch unbekannten Sport nahe. Es dauerte nicht lange, ehe das Eishockey großen Anklang fand. Und so gründeten Josef Anton Senoner, Leo Demetz und Franz Comploj 1927 den Hockey Club Gherdëina. Noch im selben Jahr wurde das erste Freundschaftsspiel gegen den HC Bozen organisiert – eine Rivalität, die das heimische Eishockey jahrzehntelang prägen sollte.Das Stadion in St. Ulrich wurde völlig zerstört. © sch
Der HCG wurde zu einem festen Mitglied der italienischen Meisterschaft, Erfolge waren bis zu den 60er-Jahren aber rar gesät. Als Wendepunkt erwies sich das Jahr 1967, wurde doch in St. Ulrich das erste Eisstadion erbaut. Die Zeiten, in denen auf vereisten Pfützen gespielt und trainiert werden musste, waren passé. Titel und Triumphe stellten sich schnell ein. 1969 gewannen die Ladiner die ersten von insgesamt vier Meisterschaften in Italiens höchster Spielklasse.
Nach diesem goldenen Zeitalter, in dem in Gröden unvergessene Figuren wie Lasse Oksanen, Ken Lockett und Jim Corsi ihre Spuren hinterließen, brachen die schwierigsten Jahre seit dem Bestehen des Vereins an. Nach der Ausrichtung der B-Weltmeisterschaft im Jahr 1981 hatten die Furie zusehends mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, die 1986 den Abstieg aus der Serie A zur Folge hatten. Aus diesem Loch befreite sich der HCG mit den Zweitligatiteln in den Jahren 1992 und 1997 – es sind die letzten Triumphe des Traditionsvereins.
Fatales Unglück
Dieser stand 1999 vor dem Ruin, da das Stadion in St. Ulrich von einer Mure verschüttet und vollkommen zerstört wurde. Als Konsequenz übersiedelte der Verein ins 1989 errichtete Pranives nach Wolkenstein. Zudem fusionierte der Klub mit dem HC Sëlva, damals in der Serie A2 aktiv. An die ruhmreichen Zeiten schlossen die Furie in ihrer neuen Wirkungsstätte trotz dreier Finalteilnahmen in der Serie A2 jedoch nicht mehr an. Und auch die frühere Begeisterung flackerte im Pranives nur noch selten auf. Vorschläge, im eishockeybegeisterteren St. Ulrich ein neues Stadion zu erbauen, gab es zwar, konkrete Pläne jedoch nie.Hannes Kasslatter & Co. reiten auf einer Erfolgswelle. © Matthäus Kostner
Mit dem Einzug in das AlpsHL-Finale haben die Furie nun aber den schlafenden Riesen erweckt. Plötzlich wird in den Gasthäusern wieder über Eishockey diskutiert, im ansonsten meist ruhigen Pranives die Stimmung angeheizt und über den ersten Titelgewinn seit knapp 30 Jahren geträumt. Das 100-jährige Vereinsjubiläum, es kann kommen.
Das Finale der Alps Hockey League
HC Meran – HC GherdëinaSpiel 1: Samstag, 20 Uhr in Meran
Weitere Termine: 14., 16., 18. April, eventuell 21., 23., 25. April
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