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Alex Frei sagt Servus: Der Top-Stürmer beendet überraschend seine Karriere. © Rittner Buam / Max Pattis

Paukenschlag im Südtiroler Eishockey: Alex Frei hört auf

Alex Frei ist einer der besten Stürmer, den das heimische Eishockey je hervorgebracht hat. Nun aber der Paukenschlag: Im zarten Alter von 29 Jahren muss der Kalterer, der jahrelang in den Diensten der Rittner Buam stand, seine Karriere beenden.

Von:
Thomas Debelyak

Von einer großen Zuschauerkulisse noch einmal bejubelt werden, eine Ehrenrunde vor den geliebten Fans drehen, diesen einen Moment genießen, in dem man zum letzten Mal ganz alleine im Rampenlicht steht: Wenn sich große Spieler von der großen Bühne verabschieden, dann wird die passende Zeremonie in der Regel von langer Hand geplant – und fällt nicht selten tränenreich aus. Bei Alex Frei ist das – leider Gottes – anders.


Letztmals schien der 29-jährige Stürmer am 26. Dezember 2021 auf dem Spielerbogen einer offiziellen Begegnung auf. Jetzt ist klar: Dieses banale Grunddurchgangsmatch der Rittner Buam gegen die Wipptal Broncos war die letzte Partie seiner Karriere. Frei hat nämlich seinen Rücktritt aus dem Eishockeysport verkündet.

Ein Knipser, wie er im Bilderbuch steht: Alex Frei. © Rittner Buam / Max Pattis


Eine hartnäckige Rückenverletzung sorgt dafür, dass der Ritten-Stürmer nie wieder Eishockey spielen kann. „Es war für mich nicht leicht, diese Entscheidung zu treffen. Aber die Gesundheit geht vor“, sagt Frei im Gespräch mit SportNews. Somit hört einer der besten, vor allem treffsichersten Stürmer der Südtiroler Eishockeygeschichte auf. Die Zahlen des Alex Frei sind beeindruckend: In 235 Spielen in der Alps Hockey League erzielte er 138 Tore, dazu gesellen sich 114 Assists. Der Sniper aus Kaltern hat also mehr Punkte erzielt, als Spiele gemacht. Dazu kommen 156 Matches (90 Punkte, davon 48 Tore) in der Serie A sowie 115 Begegnungen (50 Punkte, davon 28 Tore) in der Serie B. Auch in der Nationalmannschaft war der Überetscher aktiv gewesen.
Zwischen Hoffen und Bangen
Eigentlich hätten sich noch viele Tore und Spiele dazugesellen sollen, denn mit 29 Jahren befand sich Frei im besten Eishockeyalter. Doch der Rücken machte ihm schon länger zu schaffen. Beim eingangs erwähnten Match seiner Buam gegen die Broncos im Dezember 2021 hatten die Schmerzen ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Wenige Tage später bekam er die Diagnose: Zwei Bandscheibenvorfälle auf einmal. Es folgte das Saisonende und eine Operation, die das Problem – so schien es – gelöst hat. Im Sommer absolvierte Frei ein intensives Aufbautraining und stieg mit den Buam Anfang August ins Eistraining ein. Zunächst verlief alles super, „dann sind die Schmerzen aber schleichend wieder gekommen. Eine Untersuchung vor wenigen Tagen zeigte, dass die alte Verletzung wieder aufgebrochen ist.“

Mit den Rittner Buam holte Alex Frei vier „Scudetti“.


Eine Schocknachricht für den Überetscher, der wusste: „So hat es keinen Sinn, weiterzumachen. Auch die Ärzte legten mir das Karriereende nahe.“ Vor kurzem hat Frei schließlich diesen bitteren, aber notwendigen Entschluss gefasst. „Hätte ich weitergespielt, hätte ich Folgeschäden davongetragen. Jetzt stehen die Chancen gut, dass ich in Zukunft keine Einschränkungen habe“, so Frei.
Viele Titel und denkwürdige Feiern
In seiner Karriere hat der Stürmer vieles erlebt – Positives wie Negatives. So stand seine Karriere schon einmal auf der Kippe, als er mit einer schweren Kopfverletzung ein Jahr lang aussetzen musste. Damals kämpfte sich Frei aber zurück und ging anschließend ab wie die Post: Nach seinem Wechsel von Heimatverein Kaltern zu den Rittner Buam im Sommer 2015 rockte er die Serie A und die Alps Hockey League. Fünf Italienmeistertitel stehen ihm zu Buche, vier davon mit den Buam, einer mit Asiago, wo er ein einjähriges Intermezzo einlegte. Zudem gewann er mit Ritten 2017 die Alps Hockey League. „Das waren unbeschreibliche Erlebnisse, auch die Feierlichkeiten mit den Jungs danach“, erinnert sich Frei.
„Ich weiß bis heute nicht, wie ich das gemacht habe.“ Alex Frei über sein Tor beim Serie-A-Debüt

Besonders in Erinnerung ist ihm aber ein Spiel mit dem HC Pustertal geblieben: „Ich war ein junger Bursche und spielte für Kaltern, das damals Farmteam von Pustertal war. Da bekam ich am Vormittag – mitten in der Erntezeit – den Anruf, dass ich am Abend mein erstes Serie-A-Spiel machen sollte. 2000 Leute im Rienzstadion gegen Pontebba – und es kam noch besser. Ich schoss nämlich zwei Tore, eines davon mit der Rückhand vom Bullykreis aus. Ich weiß bis heute nicht, wie ich das geschafft habe“, schwelgt der Eishockeycrack in Erinnerungen.
Obstbauer und Fußball-Tormann
Wie es für ihn jetzt weitergeht? „Wir haben zu Hause in Kaltern landwirtschaftliche Flächen, die ich in den letzten Jahren schon bearbeitet habe. Das wird jetzt meine Haupttätigkeit werden. Wenn es der Rücken zulässt, dann möchte ich ein bisschen Fußball spielen. In der Freizeitmannschaft von Kaltern kicken viele Freunde von mir, das würde mir gefallen.“ Ob er da auch wie am Fließband knipsen wird? „Eher nicht“, schmunzelt Alex Frei. „Beim Fußball bin ich nämlich lieber selbst im Tor.“

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