
Mike Halmo genießt das Leben in Südtirol. © Jan Palma
Zwölf verrückte Monate: Der neue Mike Halmo
Mike Halmo ist eine der schillerndsten Figuren im Südtiroler Eishockey – und seit einem Jahr Trainer bei den Rittner Buam. Wie findet sich der kanadische Kult-Spieler in seiner neuen Rolle zurecht? Mit uns hat er ausführlich gesprochen.
27. Mai 2026

Von:
Thomas Debelyak
Dass Mike Halmo ein waschechter Südtirol-Liebhaber ist, daraus machte der Kanadier noch nie ein Geheimnis. Während es der typische Eishockey-Gastarbeiter nach dem letzten Saisonspiel kaum erwarten kann, in den Flieger nach Hause zu steigen, genoss Halmo schon als Spieler des HC Bozen noch wochenlang das schöne Südtiroler Wetter und die noch schönere Landschaft. Das hat sich auch nach seinem Jobwechsel nicht geändert: Seit einem Jahr ist der ehemalige NHL-Spieler als Trainer bei den Rittner Buam tätig. Und auch Ende Mai findet man „Miky“ noch immer in Südtirol.
„Für mich ist es die schönste Zeit des Jahres“, sagt er im SportNews-Gespräch mit einem Lachen. „Zu Hause in Kanada ist es noch recht frisch, hier schon fast Sommer. Die beste Zeit also, um mit meinem Fahrrad ein paar Runden zu drehen.“ Erst Anfang Juni fliegt der 35-Jährige nach Nordamerika zurück, allzu lange wird er jedoch nicht dort bleiben. Am Ritten beginnt im August nämlich sein zweites Trainer-Abenteuer.
Das bittere Ende einer großen Karriere
Rückblick. Eisarena in Salzburg, März 2025. Aus der Gästekabine dringt am späten Abend eine gespenstische Stille. Soeben ist der HC Bozen nach einer wahren Eishockey-Schlacht im Halbfinale der ICE Hockey League ausgeschieden. Die Enttäuschung, der Frust, ja die Trauer bei den Foxes – sie ist riesig. Ein Mann schreitet mit besonders roten Augen aus der Kabine. Interviews will er keine geben. Der Schmerz ist einfach zu groß. Es ist Mike Halmo, der an jenem Abend wusste: Das war das letzte Spiel meiner Eishockeykarriere.Mike Halmo ließ in seiner Karriere auch des Öfteren die Handschuhe fallen. © GEPA pictures / GEPA pictures/ Mathias Mandl
Er, der einst in der NHL mit den New York Islanders spielte; er, der den HC Bozen zum bislang letzten Titel in der ICE geführt hat; er, der wegen seiner harten Spielweise von den Gegnern gefürchtet, von den eigenen Fans vergöttert wurde.
Die große Frage: Wie geht es nun weiter?
„Ich hatte in jener Saison schon früh gemerkt, dass das mein letztes Jahr wird. Mein Körper konnte einfach nicht mehr“, so Halmo, dem besonders der Rücken Probleme bereitete. „Mein Plan wäre eigentlich immer gewesen, noch irgendwo ein Jahr in der Alps Hockey League zu spielen, in Gröden oder so. Doch das ließ mein Rücken einfach nicht zu.“ Somit stand Halmo vor einer Frage, die sich jeder Eishockeycrack am Ende seiner Karriere stellt – und die bei manchen für Kopfzerbrechen sorgt: Wie geht es nun weiter?„Ich hatte in meiner Karriere gute und schlechte Trainer: Wichtig ist, von jedem etwas mitzunehmen.“ Mike Halmo
„Ich war mir nicht sicher, was ich nun tun werde. Eines wollte ich aber unbedingt: In Südtirol bleiben. Ein guter Freund hat schließlich den Kontakt mit den Rittner Buam hergestellt – und nach einigen guten Gesprächen hat meine Trainerkarriere begonnen“, so Halmo. Von einem ruhigen ersten Jahr zur Einarbeitung in das neue Metier kann jedoch keine Rede sein: Die Saison, die Halmo erlebte, war abenteuerlich.
Plötzlich ist Halmo Cheftrainer
Der 35-Jährige war zunächst als Assistenztrainer der Ersten Mannschaft und als Trainer der U19 vorgesehen. Doch plötzlich stieg Halmo auch für das AlpsHL-Team in die Cheftrainerrolle auf. Dave MacQueen wurde Anfang Februar entlassen, der Trainer-Novize rückte nach. „Es war auf jeden Fall eine intensive Zeit, da ich zeitgleich auch die U19 betreut habe. Es hat aber viel Spaß gemacht, auch, weil mich die Jungs vom ersten Tag an respektiert haben. Ich hatte in meiner Karriere viele gute, aber auch einige schlechte Trainer: Das Wichtigste ist, von jedem etwas mitzunehmen“, so Halmo.Mike Halmo hinter der Bande der Rittner Buam. © Max Pattis
Was für eine Art Trainer Halmo ist? „Ich würde mich als fairen und ehrlichen Trainer beschreiben. Ich glaube, das Zeitalter der Trainer, die Angst verbreiten und wild herumschreien, ist vorbei. Ich versuche, immer die richtigen Worte zu finden. Aber natürlich werde auch ich mal laut, ich spiele ja schon seit jeher gerne mit den Emotionen. Und in der einen oder heißen Szene während eines Matches würde ich am liebsten selbst noch aufs Eis laufen.“
Die Rittner Saison endete überraschend früh, sprich bereits in den Pre-Playoffs. Heuer wollen Halmo & Co. einen neuen Anlauf starten. Der ehemalige Bozen-Crack rückt dafür wieder in die zweite Reihe zurück, denn Teemu Virtala übernimmt bei den Buam. „Ich hätte mir zu Beginn meiner Karriere nie gedacht, dass ich mal Trainer werde. Jetzt ist es passiert, und es macht mir extrem viel Spaß. Auch mit der U19, die ich in der kommenden Saison weiterhin betreuen werde. Ich bin voll motiviert“, so Halmo.
Profil bearbeiten
Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.



Kommentare (0)