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Sehen sich Marco Insam und Simon Berger schon im Herbst in der ICE Hockey League? Das Interesse des HC Pustertal ist enorm. © Optic Rapid / I. Foppa

5 Klubs wollen in die ICE: Wer hat die besten Chancen?

Noch einmal will die ICE Hockey League nicht mit einer ungeraden Teilnehmerzahl in eine Saison starten. Deshalb wird im Hintergrund emsig an einer Aufstockung gearbeitet. An Interessenten mangelt es nicht. Wer hält die besten Trümpfe in der Hand? SportNews hat recherchiert.

Auch wenn es von den Verantwortlichen noch keiner bestätigen will, wird die ICE Hockey League im Sommer wohl aufgestockt. Eine ungerade Anzahl von Teams, wie es in den letzten beiden Jahren gab, soll es nicht noch einmal geben. Zwar sind die Bratislava Capitals im Sommer neu dazugekommen, doch mit Zagreb und Znojmo haben sich in den vergangenen zwei Jahren auch zwei Klubs verabschiedet.


Die Tschechen stellen die Liga jetzt vor eine Herausforderung. Znojmo ist nämlich einer jener Vereine, die in der kommenden Saison wieder in der ICE spielen möchten. Normalerweise müssen Neuankömmlinge eine Summe von 150.000 Euro, die für Administrationsaufgaben hergenommen werden, für den Beitritt hinterlegen. Für Znojmo könnte es eine Ausnahme geben. Der Verein entschied sich vor einem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie für eine Pause. Innerhalb der Liga soll es Befürworter und Gegner geben. Die einen wollen Znojmo nicht noch einmal zur Kasse bitte, die anderen schon. Ausgang der Diskussion: offen.

Verträgt Südtirol zwei ICE-Vereine?
Sein Interesse hinterlegt hat auch der HC Pustertal, was unweit bekannt ist. Viel zu hören ist aus Bruneck im Moment nicht, doch der Verein strebt mit aller Macht in die ICE. Die Klubbosse tüfteln seit Monaten daran, den Verein in eine ideale Ausgangslage für das Aufnahmeverfahren zu bringen. Dafür wurde eine ganze Liste an Anforderungen abgearbeitet. Der Stadionbau schreitet – trotz Corona – plangemäß voran. Erste Budgetverhandlungen sind abgeschlossen und auch im Prüfungsverfahren der Liga ist man gut im Rennen. In den nächsten Tagen sollte dem HC Pustertal der offizielle Kandidatenstatus zugewiesen werden.
Ein Südtiroler Derby in einer internationalen Liga, in der Metropolen wie Wien oder Bratislava mit dabei sind, das hätte schon was.

Das Manko der Wölfe: Bruneck ist keine Großstadt. Dazu kommt die schwelende Frage, ob Südtirol aus finanzieller Sicht zwei Eishockeyvereine in dieser Größenordnung verträgt? Bisher war der HC Bozen in allen Belangen die klare Nummer 1 im Land. Daran dürfte sich auch bei einem ICE-Einstieg der Wölfe wenig ändern, denn die Bozner sind auch vielen ICE-Konkurrenten einen Schritt voraus und haben starke Sponsoren hinter sich. Es ist kein Zufall, dass die Foxes eine der wenigen Mannschaften sind, die trotz Corona stärker aufgestellt ist als im Vorjahr.

Für die Eishockeyfans im Land sind zwei Eishockeyvereine in der ICE Hockey League eine traumhafte Vorstellung. Ein Südtiroler Derby in einer internationalen Liga, in der Metropolen wie Wien oder Bratislava mit dabei sind, das hätte schon was.
In Linz brennt’s noch immer lichterloh
In Linz hat die Eishockey-Rivalität neue Dimensionen erreicht und ist in einen handfesten Streit ausgeufert. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Christian Perthaler, dem Ex-Manager der Black Wings und Initiator des neuen EHV Linz. Die Vorwürfe wiegen schwer, sie lauten Betrug: Perthaler soll seinen ehemaligen Verein um über 100.000 Euro geprellt haben. Allen Ungereimtheiten zum Trotz peilt der EHV Linz den Einstieg in die ICE an. Im vergangenen Jahr wurde der Antrag der Stahlstädter von den Klubs abgelehnt. Der EHV Linz versuchte es durch das Hintertürchen (man wollte den freien Platz von Znojmo) und bekam von den Ligachefs einen Riegel vorgeschoben. Fraglich, ob sich die ICE-Mannschaften den Linzer Streit in die Liga holen wollen.

Streit gibt es in Feldkirch und Ljubljana keinen, dafür haben die beiden Alps-Hockey-Ligisten ein anderes gemeinsames Problem: das Geld. Die Vorarlberger wollten sich schon vor Jahren einen Investor ins Boot holen, damit es mit der Rückkehr in die Premium-Liga des Landes klappt. Funktioniert hat das nicht, doch ohne Geldgeber scheitert droht das Projekt ICE in Feldkirch erneut zu scheitern.
Ljubljana als idealer Standort
Ähnlich sieht es in Ljubljana aus, wo der HK Olimpija raus aus der AlpsHL möchte. Die Slowenen haben einen gewichtigen Befürworter für den ICE-Einstieg: die Stadtverwaltung. Nach der Pleite vor vier Jahren hat die Stadt dem Verein mehrmals unter die Arme gegriffen, ein „Aufstieg“ in die ICE würden zahlreiche Politiker als Erfolg sehen.

HCP gegen HK Olimpija: Beide Vereine spielen in der AlpsHL und möchten in die ICE. © Optic Rapid / I. Foppa


Der Standort Ljubljana ist für die Liga sehr interessant, im Grunde ideal. Es ist kein Geheimnis, dass die Verantwortlichen eine slowenische Mannschaft – im besten Fall den Hauptstadtklub – für sich gewinnen möchten. Ein Einstieg von Olimpija würde diese Baustelle schließen. Die ICE würde dann Vereine aus fünf Ländern (Österreich, Ungarn, Italien, Slowenien und der Slowakei) beherbergen.

Wer in die ICE aufgenommen wird, hängt noch von einem weiteren wichtigen Faktor ab. Wie groß soll die Liga in den nächsten Jahren sein? Bleibt die traditionelle 12er-Meisterschaft bestehen, oder wird auf 14 Teilnehmer aufgestockt? Diese Frage werden die ICE-Vereine und die Offiziellen in den nächsten Wochen beantworten müssen. Bisher scheiterte die Aufnahme von neuen Mitgliedern oft daran, denn mehr Teams in der Liga heißt auch, dass der Einnahmenkuchen öfters geteilt werden muss. Nur wenn die Einkünfte steigen, werden sich finanzschwache Vereine wie Villach oder Innsbruck nicht dagegen wehren. Ansonsten drohen in den nächsten Wochen lange Gesichter, bei vier von fünf Bewerbern.

Autor: christian.staffler/af

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