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Ale Trivellato (l.) avancierte bei Västerås rasch zum Leistungsträger. Ein Verbleib ist deshalb möglich. © Västerås IK

Alex Trivellato: „Ich war in Schweden erstmal völlig baff“

Vergangene Woche ging für Nationalspieler Alex Trivellato eine völlig verrückte Saison zu Ende, die ihn über drei Klubs quer durch Europa geführt hat. Er selbst beschreibt sie als „Achterbahnfahrt der Gefühle“, wobei die Tiefen durchaus ihre Spuren hinterlassen haben.

Mit einem unglücklichen 0:1 von Västerås IK zuhause gegen Titelkandidat BIK Karlskoga verabschiedete sich Trivellato vergangene Woche aus den Playoffs der zweithöchsten schwedischen Liga. Es war die dritte Viertelfinalniederlage im vierten Spiel für den Verteidiger aus St. Jakob/Leifers und seine Mitspieler. „Mit dem Viertelfinaleinzug haben wir unser Soll erfüllt, doch insgeheim hatte man sich bei Västerås aber vielleicht ein bisschen mehr erwartet“, resümiert Trivellato nach seiner Spielzeit in der 100.000-Einwohnerstadt in Südschweden.


Der 28-Jährige zählte seit seinem Wechsel im Februar zu den absoluten Leistungsträgern beim Zweitligisten. In 18 Spielen verbuchte er 13 Assists. „Ein Treffer blieb mir aber verwehrt. Das wurmt mich schon“, so der ehrgeizige Defensivspieler, für den es in Skandinavien in erster Linie darum ging, die „Freude am Eishockey“ zurückzugewinnen. Die Monate zuvor waren nämlich geprägt von einem außerordentlichen Tohuwabohu. Mit etwas Abstand fasst Trivellato nüchtern zusammen: „Zunächst war da die große Corona-Ungewissheit, dann die wunderschönen Wochen zuhause beim HC Bozen. Dort durfte ich mit mehreren Freunden am Eis stehen und in der Kabine erstmals seit langem eine gelebte Siegermentalität erfahren. Danach ging es zurück nach Krefeld, wo plötzlich nichts mehr so war, wie in all den Jahren zuvor.“

In Krefeld regierte das totale Chaos
Seit 4 Jahren war der Unterlandler am Niederrhein heimisch geworden, er hatte mit seiner Freundin eine Wohnung bezogen und war im DEL-Team regelmäßig der Spieler mit der meisten Eiszeit. „Ich muss aber einfach sagen, dieses Team war zu schlecht für die DEL. Da nehme ich in erster Linie das Management in die Pflicht. Immerhin war ich nur einer von insgesamt 14 Spielern, die binnen kurzer Zeit von Bord gegangen sind. Da muss ja was schieflaufen. Unter diesen Voraussetzungen, in diesem Umfeld, mit diesen Ergebnissen konnte man sich als Spieler auch gar nicht mehr anderen Vereinen präsentieren. Als dann das Angebot aus Schweden kam, habe ich keine Sekunde gezögert“, sagt Trivellato ganz ehrlich.

In Skandinavien begann von einem Tag auf den anderen ein völlig neuer Karriereabschnitt. „Ich war überglücklich, zu sehen wie hier Eishockey gelebt wird. Da ging ein richtiger Energieschub durch meinen Körper“, erinnert sich der Südtiroler, der auch abseits des Eises eine völlig andere Welt vorfand. „In Bozen und Krefeld wurden wir andauernd getestet, hatten ein strenges Hygieneprotokoll. Das war in Schweden alles anders. Von der Pandemie war hier nie viel zu spüren, die Leute hatten einen völlig anderen Umgang damit. Ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist, ich war jedenfalls bei meiner Ankunft richtig baff.“

Zwar ohne Zuschauer, aber dennoch ein geregelter Ligaalltag: Ein Heimspiel von Västerås IK. © Västerås IK


In Schwedens zweiter Liga grassierte bereits vor Saisonbeginn das Coronavirus, weshalb die entscheidende Saisonphase bisweilen ohne Spielverschiebungen über die Bühne gebracht werden konnte. Man habe deshalb auch kaum über die Pandemie gesprochen, so Trivellato, der sein Skandinavien-Abenteuer auch deshalb „in vollen Zügen genießen“ konnte und dem besonders die Auswärtsfahrten in Erinnerung bleiben, denn „die haben oft stundenlang durch atemberaubende Landschaften geführt.“
„Der HC Bozen ist für mich immer ein Thema“
Alex Trivellato
Ob das Abenteuer im Herbst eine Fortsetzung findet ist noch offen. „Västerås würde mich gerne behalten und ich kann mir einen Verbleib auch gut vorstellen“, lässt Trivellato durchblicken. Allerdings wolle er abwarten, ob ein Klub aus Europas Top-Ligen Interesse bekundet. Und eine Rückkehr zum HC Bozen? „Die ist für mich immer ein Thema. Allerdings muss ich sagen, dass mich die kurze Zeit in Schweden doch sehr geprägt hat. Hier hat Eishockey einen unglaublichen Stellenwert, der mit jenem des Fußballs zuhause vergleichbar ist“, schwärmt Trivellato.

Eine Rückkehr nach Südtirol steht demnächst aber dennoch an, spätestens vor Beginn der WM-Vorbereitung. „Wir haben vom Verband noch immer keine Termine genannt bekommen. Ich werde demnächst aber über Krefeld nach Südtirol reisen, dort ein paar Tage entspannen und dann meinen ganzen Fokus auf die WM richten.“ Und wer weiß, vielleicht kann Trivellato das Turnier in Lettland ja nutzen, um weiter Werbung in eigener Sache zu betreiben und zum Ende dieser Achterbahn-Saison nochmal ungeahnte Höhen erreichen.

Schlagwörter: Eishockey

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