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Insam, Giliati, Pitschieler & Co. zeigen aktuell vor leeren Rängen großes Eishockey. © Vanna Antonello

Dieter Knoll: „Der HCB bietet alles, außer ein fürstliches Gehalt“

Der HCB Südtirol Alperia eilt in der ICE Hockey League von Erfolg zu Erfolg. Doch auch abseits des frostigen Ovals liefern die Foxes zurzeit über die Landesgrenzen hinaus feurigen Gesprächsstoff. Jetzt ergreift Klub-Boss Dieter Knoll das Wort und sagt: „Um den HC Bozen muss sich niemand sorgen.“ Er äußerst sich außerdem zu viel diskutierten Personalien wie Mike Halmo oder Andy Bernard.

Vor den anstehenden Spitzenspielen gegen Fehervàr und Salzburg steht der HC Bozen souverän an der Tabellenspitze. Wollten Sie mit der Verpflichtung des NHL-erfahrenen Karl Stollery ein weiteres Signal an die Konkurrenz senden?

„Es geht hier nicht um Signale. Wir wollen ganz vorne mitmischen, das ist nach diesem Saisonverlauf doch klar. Das Wort Meistertitel werde ich aber nicht in den Mund nehmen, dafür kann in den Playoffs einfach zu viel passieren.“


Wie kam es zur Verpflichtung von Stollery?

„Wir hatten 3 Kandidaten für die Position am Transfermarkt ausgemacht, neben Stollery waren das noch die ebenfalls vertragslosen Brandon Gormley (wechselte nach Straubing, Anm. d. Red) und Paul Postma (jetzt in Klagenfurt). Wir standen mit Stollery bereits seit 3 Monaten in Kontakt, jetzt hat er sich schließlich für uns entschieden. Er schätzt unseren Trainer, hat Gutes über Bozen gehört und wollte mit seinem neuem Klub eine gewichtige Rolle in der Liga spielen. Vor allem aber wollte er endlich wieder Eishockey spielen. “

Dieter Knoll lässt nichts unversucht, um in dieser Saison den großen Coup zu landen. © V. Antonello

Müssen sich die Fans nicht sorgen, dass sich der HC Bozen mit Transfers wie jenen von Stollery in Coronazeiten finanziell übernimmt?

„Wir arbeiten auf einer soliden Basis. Zwar fehlen uns die Zuschauereinnahmen, doch der Großteil der Sponsoren steht uns weiter zur Seite. Und was die Spieler angeht, erkläre ich Ihnen etwas: In Bozen bekommt ein Spieler alles, außer ein fürstliches Gehalt. Wir zahlen gut und pünktlich, aber in erster Linie bieten wir in Eppan tolle Unterkünfte, die Spieler wohnen alle nah beisammen, sie haben die Natur vor der Haustür und sind zugleich nur eine kurze Fahrzeit von der Eiswelle entfernt. Wir sorgen für eine exzellente medizinische Betreuung, ihre Familien finden unzählige Freizeitaktivitäten vor, hier haben sie gutes Essen und besseres Wetter als an vielen anderen Eishockeystandorten.“
„So einen Kader wird es in Bozen nie mehr geben“
Dieter Knoll will die Gunst der Stunde nutzen
Mit diesen Argumenten stechen Sie Mitbieter am Transfermarkt aus?

„Das mag zwar alles kitschig klingen, aber Südtirol ist bei Spielern ein gern gesehener Ort, um Eishockey zu spielen. Wir haben uns hier einen guten Ruf erarbeitet. In Vergangenheit wurde über Gehaltsausstände in Bozen spekuliert, seit mittlerweile drei Jahren haben wir aber jede Zahlung pünktlich durchgeführt. Auch das spricht sich in Eishockeykreisen rum. Wir profitieren von der schwierigen Lage am Spielermarkt und können deshalb einen Kader zusammenstellen, den es so in Bozen nie mehr geben wird. Das ist die beste Mannschaft in meiner gesamten Amtszeit – und zugleich kostet sie uns weniger, als jene im vergangenen Jahr. Also um auf Ihre Frage von vorhin zurückzukommen: es braucht sich niemand um die Zukunft des HC Bozen sorgen.“


Hätte der HC Bozen aber in einer besonderen Saison wie dieser, in der einige Konkurrenten ab- anstatt aufgerüstet haben, nicht auch vermehrt auf Spieler aus Italien setzen können?

„Die Frage lässt sich mit einem einfachen Beispiel beantworten: Wir haben ganz gezielt nach einem Defensivverteidiger mit Führungsqualitäten gesucht und mit Stollery die perfekte Lösung gefunden. Nennen Sie mir nun einen einheimischen Defensivverteidiger aus der AlpsHL, der auf Anhieb das Zeug dazu hat, bei uns in den ersten drei Abwehrblöcken eine wichtige Rolle einzunehmen?“


Die Auswahl geht gegen Null…

„Genau! Jeder Südtiroler Eishockeyspieler kann auf uns zukommen und den Wunsch, in der ICE zu spielen, äußern. Doch zunächst muss er eine hohe Aufopferungsbereitschaft mitbringen, um den Traum vom höherklassigen Eishockey verwirklichen zu können, und dann auch auf dem Eis ein gewisses Level erreichen. Spieler wie Frank, Deluca, Tauferer oder jüngst Pitschieler erfüllen diese Anforderungen, sie haben den Sprung geschafft. Dahinter haben wir wenige Kandidaten, auch weil die jungen Südtiroler im Ausland zunächst dort ihr Glück versuchen wollen, ehe sie eine Rückkehr in Betracht ziehen. Glauben Sie mir, wir haben jeden jungen italienischen Spieler auf dem Radar, allein unser Assistenztrainer und langjährige Jugendnationaltrainer Fabio Armani kennt unzählige von ihnen persönlich. Wenn sich die Möglichkeit bietet, greifen wir zu.“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein Wiedersehen geben wird“
Knoll über die Zukunft von Andreas Bernard
Ein heimischer Spieler ist Ihr aktueller Goalie, Andreas Bernard. Hat er sich mit seinen Leistungen für einen neuen Vertrag aufgedrängt?

„Andy erfüllt die Erwartungen zur Gänze, er hat super Leistungen gezeigt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein Wiedersehen geben wird. Ob und wann es schlussendlich dazu kommt, hängt allerdings nicht nur vom HCB ab. Aktuell haben wir mit Leland Irving und Justin Fazio zwei hervorragende Torhüter unter Vertrag, die wir voraussichtlich bereits nächste Woche wieder in den Kader ziehen werden. Dann werden auch die nötigen Punkte für Karl Stollery frei sein, dem wir zunächst eine kurze Eingewöhnungszeit gewähren wollten. Er wird am Wochenende noch nicht zum Einsatz kommen.“


Auch Mike Halmo wird gegen Fehèrvar und Salzburg passen müssen. Wie stehen Sie zu dieser Personalie?

„Eines vorweg: Mike Halmo hat uns 2018 zum Meistertitel geführt, er ist für uns von ungeheurem Wert. Ich bin mir sicher, wenn beispielsweise ein Luca Frigo das Foul gegen Innsbruck begangen hätte, wäre er mit einer kleinen Bankstrafe davongekommen. Der Beschluss der Sportrichter ist, aufgrund des Strafmaßes im Spiel und Halmos Status als Wiederholungstäter, aber schlüssig. Halmo muss sich demnach an die eigene Nase fassen. Er weiß, wie er sich in hitzigen Momenten zu verhalten hat und er weiß auch, dass seine Physis wichtig für unser Spiel ist. Es muss aber alles im sportlichen Rahmen bleiben. Ich bin mir sicher, dass das in Zukunft der Fall sein wird und wir in dieser Saison gemeinsam noch viele tolle Momente erleben werden.“


Vielen Dank für das Gespräch, Herr Knoll.



Fragen: Alexander Foppa



Autor: fop

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