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Eine rappelvolle Eiswelle wird es so schnell nicht geben. © Vanna Antonello

HCB zeigt Kante: „Keine Fans, keine Meisterschaft“

Während im Fußball seit Wochen über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs diskutiert wird und Einzelsportler europaweit bereits wieder mit den Hufen scharren, droht das Eishockey als einer der größten Verlierer aus der Corona-Krise hervorzugehen – und mit ihr Südtirols erfolgreichster Verein.

Nur wenige Sportarten in Europa sind dermaßen von Zuschauereinnahmen abhängig, wie die großen Eishockeyligen. Dort machen die Fernsehgelder, anders als im Fußball, nur einen marginalen Wert in den Vereinsbudgets aus. Doppelt hart trifft es die länderübergreifenden Meisterschaften wie die (ehemalige) Erste Bank Eishockey Liga oder die Alps Hockey League, die von geschlossenen Grenzschranken sinnbildlich gestoppt werden könnten.

Während in der AlpsHL die Zukunft noch völlig in den Sternen steht und mittlerweile eine erste Saisonphase auf Länderebene diskutiert wird, wähnt man sich eine Liga höher einige Schritte weiter. „Obwohl die ganze Sportwelt im Moment stillsteht, haben wir konsequent weitergearbeitet“, so EBEL-Geschäftsführer Christian Feichtinger vergangene Woche. Er konnte mit den Bratislava Capitals einen zwölften Teilnehmer und zugleich mit bet-at-home auch noch einen neuen Hauptsponsor präsentieren. Doch auch hier stellt sich das Problem der geschlossenen Grenzen: Im tschechischen Grenzstädtchen Znojmo etwa bleiben österreichische Tagestouristen wohl noch länger aus. Dadurch brechen dem ohnehin bereits finanziell angeschlagenen HC Orli die Sponsoren weg. Ein Ausstieg aus der Liga droht – mal wieder.

Zuschauererlöse bilden ein Drittel der Budgets
Das Problem der beschränkten Reisefreiheit wurde am Dienstag auch bei einer Videokonferenz der EBEL-Klubs thematisiert. „Wir gehen stark davon aus, dass sich bis Herbst die Situation verbessert und auch die Teams wieder zu den Spielen reisen dürfen“, so Liga-Vize-Präsident und HCB-Geschäftsführer Dieter Knoll. Vielmehr bereiten den Klub-Bossen drohende Geisterspiele Kopfzerbrechen. Knoll stellt unmissverständlich klar: „Wir können vielleicht ein paar Wochen überbrücken, aber nicht monatelang vor leeren Rängen spielen. Deshalb gilt: Gibt es keine Fans in den Stadien, gibt es auch keine Meisterschaft. Die Meinung wird ligaweit geteilt.“ Ein Blick auf die Zahlen bestätigt diese Haltung: Bei vielen Klubs bilden die Einnahmen aus dem Ticketverkauf rund ein Drittel des gesamten Saisonbudgets. In Bozen dürfte dieser Anteil etwas kleiner ausfallen.

Abgesehen von der Schweiz, wo deutlich höhere TV-Gelder bezahlt werden, und dem in Sachen Corona-Maßnahmen deutlich liberaleren Schweden, teilen alle Ligen in Europa das selbe Schicksal. Nicht zuletzt deshalb werden vielerorts verringerte Stadionkapazitäten, spätere Saisonstarts, angepasste Spielmodi oder gar Gehaltsobergrenzen ins Auge gefasst. „Auch wir müssen innovativ denken. Allein die gute Basis, die wir in den vergangenen Tagen legen konnte, reicht nicht aus“, so Knoll.
„Die Kaderplanung ist das letzte aller Probleme“
HCB-Sportdirektor Dieter Knoll
Aufgrund dieser Problematiken kümmert sich der HCB-Boss zurzeit vielmehr um das Abstecken der Rahmenbedingungen, als um das eigentliche Tagesgeschäft im Vereinssitz. „Die Kaderplanung ist das letzte aller Probleme. Viele der Vertragsabschlüsse können bis Juli warten, bis dahin wird am Transfermarkt ohnehin alles anders sein“, prophezeit Knoll. Hinter den Kulissen wird derweil allerdings anderweitig ordentlich Hand angelegt. So laufen in der Eiswelle die Arbeiten an einer neuen Beleuchtung, der Einbau flexibler, hochmoderner Banden, sowie Verbesserungen in der Außendarstellung und im Merchandising sollen folgen. Damit wird ein klares Signal gesendet: Der HC Bozen rüstet sich für die Zukunft.

Denn auch wenn vieles noch unklar ist und beim HCB, wie Knoll selbst sagt, „erst ein Sponsorenvertrag für die kommende Saison unterschrieben ist“, wird am Projekt der grenzüberschreitenden Meisterschaft auch in diesen Zeiten festgehalten. „Es gibt keine Alternative zu dieser Liga. Wir werden den Betrieb am Laufen halten, auch wenn zumindest für kommende Saison einiges anders wird“, gibt sich der Bozner Vereinsboss entschlossen.


Autor: fop

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