h ICEHL

Dieter Knoll und der HCB treffen künftig auf Max Oberrauch, Raphael Andergassen & Co. © V. Antonello/I. Foppa

„Mein Herz ist geteilt“: Dieter Knoll und die Hilfe für den HCP

Seit Mittwoch steht fest, dass der HC Pustertal in der ICE Hockey League aufgenommen wird. Einer, der seine Finger dabei entscheidend mit im Spiel hatte, ist ausgerechnet der Präsident des großen, im Fanlager sogar verhassten Lokalrivalen, nämlich HCB-Boss Dieter Knoll. Bahnt sich da etwa eine Tauzeit im Südtiroler Eishockey an?

Hört man sich in Bruneck um, so fallen in Bezug auf den Namen Dieter Knoll seit geraumer Zeit immer wieder wohlwollende Worte. Erst am Mittwoch hatte Jochen Schenk, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Wölfe, im großen SportNews-Interview verraten: „Er ist sehr partnerschaftlich aufgetreten und stand uns jederzeit bei Fragen zur Seite.“ Knoll ist nicht nur HCB-Geschäftsführer und -Sportdirektor, sondern darüber hinaus als Liga-Vize-Präsident das Sprachrohr der nicht-österreichischen ICE-Klubs. Deshalb war den Verantwortlichen des HC Pustertal früh klar: Viel hängt davon ab, ob Knoll beim Aufnahmeverfahren seinen Daumen hebt oder senkt. Wir wollten wissen, wie groß sein Einfluss wirklich war und haben deshalb beim Macher in Bozen nachgefragt.


Obwohl Knoll gewöhnlich kaum ein Blatt vor den Mund nimmt, wählt er seine Worte in dieser Thematik mit Bedacht: „Ich habe mich sehr dafür stark gemacht, drei internationale Vereine in die Liga zu holen. Ich bin stolz, dass das gelungen ist.“

Finanzielle Abstriche bei Znojmo
Besonders hebt er dabei die Causa HC Orli Znojmo hervor, denn die Tschechen seien stets eine sportliche Bereicherung gewesen und würden aufgrund ihrer einjährigen ICE-Auszeit einen Sonderfall darstellen. „Deshalb sind wir ihnen bei der Eintrittsgebühr von 150.000 Euro deutlich entgegengekommen“, so Knoll, der dem Thema HC Pustertal zunächst geschickt ausweicht.

Explizit auf den Brunecker Liganeuling angesprochen, verrät er dann aber doch, „gewisse Türen geöffnet zu haben.“ Knoll hat dem Lokalrivalen immer wieder Infos gegeben, Abläufe und Zeitpläne erklärt und ihm wichtige Kontakte vermittelt. „Die Arbeit haben die Pusterer aber ganz alleine gemacht. Sie haben die vergangenen Wochen alle Hebel in Bewegung gesetzt und viele von ihrem Projekt überzeugt“, so Knoll, der allerdings hinzufügt: „Mein Herz ist geteilt. Wenn ich an die Bedeutung für das heimische Eishockey denke, geht mir eine Herzhälfte regelrecht auf. Die anderen allerdings schmerzt, denn durch die Pustertal-Aufnahme wird die Situation für den HC Bozen nicht einfacher.“
„Jetzt liegt der Ball bei der sportlichen Leitung“
Knoll über die Vorbereitungen in Bruneck
Der Chef der Foxes spielt dabei auf die Konkurrenz am Spielermarkt an. Die Auswahl an ICE-tauglichen und -willigen Cracks aus Italien ist begrenzt, jene an ausländischen Spielern könnte durch eine Statutenänderung zusätzlich beschnitten werden. Bis Ende März wollen die Klubs der länderübergreifenden Liga nämlich über eine Reform der zuletzt heftig diskutierten Punkteregelung für Doppelstaatsbürger abstimmen. Sollten künftig etwa nur mehr eine gewisse Anzahl an Italos als italienische Spieler gewertet werden, würden nicht nur die Kaderplaner in der Landeshauptstadt, sondern zugleich auch jene im Osten Südtirols vor neuen Hürden stehen.

Den Verantwortlichen in Bruneck prophezeit Knoll ohnehin eine Mammutaufgabe in den kommenden Monaten: „Im Pustertal ist Eishockey als Sport nahezu konkurrenzlos, hinzu kommt ein neues Stadion, eine starke Wirtschaft im Tal – jetzt liegt der Ball bei der sportlichen Leitung. Da wartet viel Arbeit und auch Lehrgeld, das es im ersten Jahr zu bezahlen gilt“, so Knoll, der sich einen kleinen Seitenhieb dann doch nicht verkneifen kann: „In Bruneck wird gut gearbeitet werden, keine Zweifel. Ein Meisterstück, wie wir es in unserer Premierensaison gelandet haben, wird ihnen aber sicher nicht gelingen.“

Aus diesen Worten ist klar zu lesen: An Brisanz wird es dem Wiedersehen der alten Rivalen nicht fehlen, wenngleich zwischen beiden Klubhäusern längst ein guter Draht gespannt wurde. Von Tauzeit auf dem eisigen Oval ist jedenfalls keine Spur.

Autor: alexander foppa

Empfehlungen

Kommentare (0)

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen..

© 2021 Sportnews - IT00853870210