
Fanliebling und Buhmann zugleich: Daniel Frank hat ein spezielles Standing. © HCB
Daniel Frank: „So werde ich nicht gehen!“
Gut drei Wochen sind seit dem Viertelfinal-Aus des HC Bozen vergangen. Es war genügend Zeit, den bitteren Saisonabschluss sacken zu lassen und den Blick nach vorne zu richten. Auch beim viel gescholtenen Kapitän. Jetzt spricht Daniel Frank über Selbstkritik, schwindendes Vertrauen – und darüber, wo und wie er seine Zukunft plant.
12. April 2026

Von:
Alexander Foppa
Eines vorweg: Es war gar nicht so einfach, einen Interviewtermin mit Daniel Frank zu finden. Nicht etwa, weil der dienstälteste HCB-Profi – wie so viele seiner Teamkollegen – nach der Saison in den Urlaub verschwunden ist, sondern weil er anderweitig ausgelastet ist. „Das brauche ich, um den Kopf frei zu bekommen“, entschuldigt er sich schließlich, als er SportNews zum Kaffee-Plausch in eine Bar in Sinich bittet. Vor den Toren seiner Heimatstadt Meran hat er mit einem Freund ein Unternehmen gegründet, ist dort aktuell von frühmorgens bis spätabends im Einsatz.
Der Einstieg ins Interview war anders geplant, doch die Frage drängt sich auf: Haben Sie mit Eishockey abgeschlossen?
„Ganz und gar nicht! Ich bin einfach jemand, der nicht Ruhe geben kann, der Beschäftigung braucht. Ich will irgendwas schaffen, was bewegen. Das gelingt mir hier bei der Arbeit. Es tut auch ganz gut, mal nicht an Eishockey zu denken.“
An die verkorkste letzte Saison denken Sie also nicht mehr?
„Doch, immer wieder. Allerdings haben wir nach unserer letzten Niederlage als Mannschaft noch einiges zusammen unternommen, das hat beim Aufarbeiten geholfen. Außerdem habe ich im Grunde nie mit dem Training aufgehört, bin weiter ins Fitnessstudio gegangen, habe an meiner Kondition gearbeitet – auch das ist ein Ventil.“
Zurück zur Ausgangsfrage: Werden Sie beim HC Bozen weitermachen?
„Diese Entscheidung liegt nicht bei mir, aber ich hoffe es sehr. Der HC Bozen ist mein Herzensverein, die Eiswelle meine Heimat. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, irgendwo anders Eishockey zu spielen. Ich bin jetzt 32 Jahre alt, da macht man sich natürlich Gedanken. Doch für mich ist klar: Ich will nochmal eine gute Saison spielen. So werde ich nicht gehen!“
Daniel Frank blickt auf eine verkorkste Saison zurück. © HCB
Woran lag es, dass Sie in der zurückliegenden Spielzeit nie Ihre Bestform erreicht haben?
„Wenn ich hier jetzt Gründe aufliste, würde das klingen, als suchte ich nach Ausreden. Die gibt es aber nicht. Das war punktemäßig meine schlechteste Saison, auch ansonsten lief es nicht rund. Es kamen über die Monate einfach mehrere Faktoren zusammen. Da gibt es nichts schönzureden.“
Was wären diese Faktoren?
„Ich habe nie richtig Tritt gefasst, das muss ich mir ankreiden. Wenn du dann allerdings auch noch merkst, dass das Vertrauen in dich auf und abseits des Eises schwindet, wird’s nochmal schwieriger. Irgendwann war’s so weit, dass wir als vierte Linie kaum mehr ein Bully in der Offensivzone spielen durften und stattdessen immer zum Wechsel gerufen wurden. Das nagt an einem – nicht nur an mir, sondern auch an meinen Mitspielern. Einige von ihnen wurden irgendwann überhaupt nicht mehr eingesetzt.“
„Ich wünsche mir, dass junge Spieler mehr Chancen bekommen“ HCB-Kapitän Daniel Frank
Sie richten Ihre Kritik an die Trainer?
„Die Coaches haben Fehler gemacht, die Klubführung hat Fehler gemacht, vor allem aber wir Spieler auf dem Eis haben Fehler gemacht. Was ich vorhin gesagt habe, soll keine Entschuldigung für schlechte Leistung sein. Womöglich ist es aber eine Erklärung für diejenigen, die nicht so nah dran sind, aber trotzdem heftig draufhauen. Besonders im Internet ist da die letzten Wochen einiges auf uns eingeprasselt.“
Nerven Sie die Stimmen von außen?
„Ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich versuche, weder Lob noch Kritik zu sehr an mich heranzulassen. Jeder darf seine Meinung äußern – vor allem Fans, die jede Woche ins Stadion kommen. Es nervt nur dann, wenn die Kritik unter die Gürtellinie geht und sie irgendwie an dich herangetragen wird. Wenn etwa meine Mama oder meine Oma damit konfrontiert werden und sich darüber Gedanken machen müssen.“
„Nein. Wenn die Saison in Bozen vorbei ist, interessiert mich der Rest nicht mehr.“ Frank auf die Frage, ob er sich das Pusterer Finale anschauen wird.
War die Kritik sportlich gesehen berechtigt?
„Ja, zum Teil schon. Man muss ehrlich sagen: Wir waren nicht diese Supermannschaft, für die man uns gehalten hat. Aber wir hatten genug Qualität im Kader. In der ersten Runde so rauszufliegen, darf einfach nicht passieren.“
Was wünschen Sie sich für die kommende Saison?
„Zunächst einmal, dass es für mich in Bozen weitergeht (lacht). Und ich wünsche mir, dass junge Spieler mehr Chancen bekommen – sowohl Einheimische als auch hungrige Importspieler. Und ich hoffe, dass sich Bozen wieder auf seine Defensive besinnt. Die Vergangenheit hat gezeigt: Wir sind nur erfolgreich, wenn wir vor dem Tor wie eine Wand stehen, wenn alle nach hinten arbeiten.“
Daniel Frank ist der einzige im HCB-Kader, der zwei Mal die ICE gewann, 2014 und 2018. © HCB
Mehr Junge einzusetzen, könnte aber auch bedeuten, weniger erfolgreich zu sein. Kann das in Bozen gutgehen?
„Vielleicht hätte man den Mut schon vor ein paar Jahren aufbringen sollen. Man muss aber auch sagen: Es war und ist nicht einfach, Nachwuchsspieler auf ICE-Niveau zu finden. Eine Kursänderung jetzt könnte meiner Meinung nach langfristig Früchte tragen. Aber ich bin Spieler – in der Klubspitze sitzen Leute, die wissen besser als ich, was jetzt zu tun ist.“
Also haben Sie auch keinen Trainer-Tipp parat?
„Nein. Wo wir aber schon beim Wünschen waren: Ein Headcoach à la Glen Hanlon und ein charismatischer Assistent hier aus dem HCB-Umfeld, das wäre meine Idealbesetzung (schmunzelt).“
Wagen wir einen abschließenden Blick in den Ostendes Landes. Werden Sie sich das Finale zwischen Pustertal und Graz anschauen?
„Nein. Ich liebe Eishockey über alles, doch wenn die Saison in Bozen vorbei ist, interessiert mich der Rest nicht mehr. Dann nutze ich meine Zeit anders.“
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