
Jakob Rabanser im Gespräch mit SportNews. © I. Foppa / HC Pustertal
„Das hat mich sehr berührt“: Rabansers leiser Abschied
Jakob Rabanser ist kein Mann, der große Töne spuckt. Entsprechend leise fiel auch sein Abschied von der Eishockey-Bühne aus. Gegenüber SportNews spricht der letztjährige Torhüter des HC Pustertal offen über seinen Rücktritt mit nur 26 Jahren, die Gründe dahinter, schwere Zeiten bei den Wölfen – und auch über einen nostalgischen Blick in die Vergangenheit.
16. August 2026
Von:
Leo Holzknecht
Die Lernkurve der Torhüter verläuft im Eishockey weniger steil als jene von Stürmern oder Verteidigern. So beträgt der Altersdurchschnitt aller Goalies in der ICE Hockey League (ICEHL) 29,7 Jahre. Mit seinen 26 Lenzen gilt Jakob Rabanser demnach als verhältnismäßig junger Schlussmann, dem die beste Phase seiner Karriere noch bevorsteht. Der Sport, den der Sterzinger über 20 Jahre ausübte, wird künftig jedoch eine kleinere Rolle in seinem Leben einnehmen. Letzte Woche erklärte Rabanser seinen Rücktritt.
„Ich habe gespürt, dass ich nicht mehr mit Herz und Seele dabei bin. Wenn ich etwas mache, dann gebe ich dabei immer hundert Prozent. Und das bin ich nicht mehr bereit zu tun“, erläutert der Südtiroler. „Es ist eine Entscheidung, die schleichend in mir gereift ist – und nicht von heute auf morgen.“
Schwieriges Gleichgewicht
Eine wichtige Rolle spiele dabei auch der Glaube, betont Rabanser. „Ich habe vor sechs Jahren bei mir zu Hause einen Schicksalsschlag erlitten. Seither bin ich in meinem Glauben gewachsen. Ich hatte das Gefühl, dass die Schere zwischen Leistungssport und Glauben immer weiter auseinanderging und ich es nicht mehr schaffe, beides unter einen Hut zu bringen.“ Durch seinen Achillessehnenriss im Juli 2024 und die daraus entstandene Pause habe er zudem die Möglichkeit gehabt, neue Leute kennenzulernen und sich in einem neuen Umfeld zu bewegen.Jakob Rabanser hat viel von Eddie Pasquale gelernt. © I. Foppa / HC Pustertal
Rabanser zeigt sich dem HC Pustertal dankbar, denn sein Traum, bei einer Profimannschaft zu spielen, wurde in der letzten Saison bei den Wölfen wahr. Er spricht aber auch über schwere Momente im schwarz-gelben Dress. „Nach meiner Achillesverletzung war es nicht einfach, in diesen hohen Rhythmus zu finden, zumal ich mir in der Vorbereitung auch noch einen Muskelfaserriss zuzog. Das hatte eine mehrwöchige Pause zur Folge. So ist es natürlich auch schwer, Selbstvertrauen aufzubauen“, erzählt Rabanser, der am 4. Oktober beim 5:4-Sieg nach Verlängerung bei den Vienna Capitals schließlich sein Debüt feierte. Im weiteren Saisonverlauf kamen sechs weitere Einsätze von Anfang an hinzu.
„Ja, es waren gute Spiele dabei, aber auch einige, in denen ich der Mannschaft nicht die nötige Sicherheit geben konnte.“ Jakob Rabanser
„Als Tormann muss man eine gewisse Routine finden. Und das war unheimlich hart, weil ich nicht regelmäßig zum Einsatz gekommen bin. Es hieß ab und zu, dass ich ein Spiel bekomme, ehe im letzten Moment dennoch anders entschieden wurde. Dabei hatte ich mich schon mental darauf vorbereitet. Das habe ich ganz schwer empfunden“, berichtet Rabanser, der sich aber auch selbstkritisch zeigt. „Ja, es waren gute Spiele dabei, aber auch einige, in denen ich der Mannschaft nicht die nötige Sicherheit geben konnte und ein frühes Tor kassierte.“
Große Anerkennung hat Rabanser für Eddie Pasquale übrig, der auch in der kommenden Saison das Tor der Wölfe hüten wird. „Zwischen uns gab es keine große Kommunikation, aber ich habe von ihm viele Dinge abgeschaut – vor allem seine Routinen abseits des Eises. Das Aufwärmen, die Mobilität. Einmal hatten wir auch ein längeres Gespräch, nachdem ich mich über eine Sache geärgert hatte. Er erzählte mir eine Geschichte aus seiner Vergangenheit, die mir sehr weitergeholfen hat“, bedankt sich der Zwei-Meter-Hüne.
Zeit für andere Dinge
Nach der Saison entschieden beide Parteien einvernehmlich, dass es für Rabanser das Beste wäre, zu einem Verein zu wechseln, bei dem er mehr Spielzeit erhält. Tatsächlich stand der 26-Jährige auch mit zahlreichen Vereinen in Kontakt – darunter mit den Wipptal Broncos, bei denen er seine Ausbildung genossen hatte. Letztendlich zog er jedoch aus den eingangs erwähnten Gründen einen Schlussstrich unter seine Laufbahn. „Ich habe in den letzten Tagen Fotos von meiner Jugend angeschaut, als man noch ohne Druck spielen konnte. Das hat mich sehr berührt, weil viele Erinnerungen hochgekommen sind“, meint Rabanser.Jakob Rabanser wurde mit der U14 der Wipptal Broncos Italienmeister. © Privat
Dass er bei seinem Heimatverein die Chance bekommen habe, erster Tormann zu sein, war für ihn genauso ein prägender Moment wie das Abenteuer beim HCP. Jetzt freut sich der Wipptaler über ein neues Kapitel in seinem Leben fernab der drei Torstangen. „Am Abend mit meinen Freunden zusammensitzen, wandern oder Rad fahren gehen – diese Dinge sind zuletzt zu kurz gekommen, weil ich so stark durch das Eishockey gebunden war. Jetzt kann ich sie wieder ausleben. Vom Sport halte ich mich aktuell ein wenig fern, auch wenn ich mir sicher bin, dass ich in einigen Monaten im Stadion sein werde, um meine ehemaligen Teamkollegen anzufeuern“, sagt Rabanser abschließend.
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