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Auf dem Eis wurde gewohntes Derby-Spektakel geboten, auf den Rängen dagegen kaum. © HCP/Iwan Foppa

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Auf dem Eis wurde gewohntes Derby-Spektakel geboten, auf den Rängen dagegen kaum. © HCP/Iwan Foppa

Derby ohne Stimmung: Dieser Sieg schmeckt halb so süß

Das erste Saison-Derby ist Geschichte! Pustertal und Bozen lieferten sich in der Intercable Arena ein wildes Duell – und doch schwappten in einer gespenstischen Atmosphäre kaum Emotionen über.

Aus der Intercable Arena in Bruneck

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa

Es ist Südtirols Sportereignis mit der größten Brisanz. Eines, das die Massen bewegt und zwei Eishallen viermal im Jahr zum Überkochen bringt. Das Aufeinandertreffen zwischen dem HC Pustertal und dem HC Bozen ist ein ganz spezielles. Doch von alledem war beim allerersten Duell in dieser Spielzeit nichts zu sehen, geschweige denn zu hören. Vor 2.000 Zuschauern lieferten sich die Erzrivalen beim Alperia Cup ein Derby ohne Stimmung. Daran konnte auch der Brunecker 6:4-Sieg nichts ändern.


Bereits im Vorfeld des Duells zeigten sich beide Fanlager ungewohnt geeint. Die Rienzkurve gab Tage vor dem Heimspiel bekannt, dass man auf jeglichen Support verzichten werde. Ihr schlossen sich die Bozner Ultras an. Der Grund? „Wir treffen unseren Rivalen bereits viermal in der Liga, ein zusätzliches, künstlich inszeniertes Spektakel wollen wir nicht“, heißt es in einem Statement. Kurzum: Ein Derby solle nicht zu einem Freundschaftsspiel aus Werbezwecken verkommen.

Freundschaftsspiel? Von wegen!

Ob man die Entscheidung nachvollziehen kann oder nicht – Fakt ist: Freundschaftlich war es bei diesem Alperia Cup nie. Die beiden Kontrahenten boten tolle Spielzüge, zehn Tore, Boxkämpfe, aber auch viele Schnitzer. Pustertal war im Startdrittel klar überlegen, Bozen hatte im Mittelabschnitt – begünstigt durch Überzahlsituationen – die Oberhand, ehe beide Teams im Schlussdrittel jegliche taktische Vorgaben über Bord warfen und sich ein munteres Scheibenschießen lieferten.

Die Wölfe überzeugten auch ohne die angeschlagenen Davide Farrance, Luca Zanatta und Luciano Zandegiacomo. Am auffälligsten waren dabei die Südtiroler. Ivan Deluca traf im Startdrittel zweimal den Pfosten, Doppeltorschütze Tommy Purdeller und Alan Lobis netzten im Schlussdrittel ein. Sie bauten die Brunecker Führung aus, die Cole Bardreau (Konter in Unterzahl) und Greg Di Tomaso (verdeckter Blueliner) gleich zu Beginn des Spiels herausgeschossen hatten. Isaac Ratcliffe (nach Gazley-Ablage) und Zac Leslie (aus der Distanz) glichen aber aus.

Zur Hälfte des Spiels brachte der frühere Grödner Luke Moncada den HCP mit einem Tap-in neuerlich auf die Siegerstraße. Diese sollten die Brunecker nicht mehr verlassen – auch nicht, als die Tore gegen Ende fast im Minutentakt fielen. Mehr als die Anschlusstreffer von Brad McClure und Dustin Gazley waren für Bozen nicht mehr drin. Die Foxes mussten übrigens in der 35. Minute den Goalie ersetzen. Gleich mehrere Spieler krachten in Marco Costantini, der daraufhin sichtlich benommen wirkte und für die etatmäßige Nummer eins Louis Domingue Platz machte.

„Boxer“ DiGiacinto in Derby-Laune

Den Schlusspunkt setzte schließlich Purdeller mit einem Empty-Net-Tor. Noch vor dem finalen 6:4 wurde zum ersten und einzigen Mal richtig laut in der Arena, nämlich als Bozens Cristiano DiGiacinto die Handschuhe fallen ließ, sich auf HCP-Neuzugang Gunnarwolf Fontaine warf und ihm weit mehr als nur die gewöhnlichen Derby-Gepflogenheiten ins Ohr flüsterte.

Nach dem kurzen Boxkampf hallten dann doch noch die gewohnten „Bruneck! Bruneck!“-Sprechchöre durch die Halle. Und endlich hatte es auch auf den Rängen etwas von gelebtem Derby. Jenes Derby, das am 29. November in Bruneck sicherlich einen passenderen Rahmen erhalten wird. Dann geht es nicht um den Alperia Cup, sondern in der ICE um die Vorherrschaft in Eishockey-Südtirol.



HC Falkensteiner Pustertal – HCB Südtirol Alperia 6:4

HCP: Pasquale (Furlong), Lauridsen-DiTomaso, Glira-Prast, Osmanski-Obexer; Rueschhoff-Fontaine-Purdeller, Lobis-Bardreau-Lipon, Bowlby-Fitzgerald-Ierullo, Deluca-Moncada-Mantinger.
Coach: Jason Jaspers

HCB: Costantini (ab 35.18 Domingue); Van de Leest-Leslie, Kivihalme-Larcher, Hillman-Buono, Frick; Schneider-Elson-McClure, Ratcliffe-Bradley-Gazley, Gellon-Mantenuto-DiGiacinto, Frigo-Misley-Remolato, Fuchs.
Coach: Antti Karhula

Tore:
1:0 Cole Bardreau (4.13), 2:0 Greg DiTomaso (4.54), 2:1 Isaac Ratcliffe (7.11), 2:2 Zac Leslie (24.41), 3:2 Luke Moncada (38.07), 4:2 Tommy Purdeller (40.15), 4:3 Brad McClure (45.12), 5:3 Alan Lobis (45.53), 5:4 Dustin Gazley (46.24), 6:4 Tommy Purdeller (59.24)

Zuschauer: 2.000

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