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Brett Pollock und der HCB langten gegen Villach nur kurzzeitig zu. © Manfred Mair

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Brett Pollock und der HCB langten gegen Villach nur kurzzeitig zu. © Manfred Mair

Eishockey-Harakiri: Bozen wirft alles weg

Was war denn das, liebe Foxes? Am Sonntagnachmittag verschenkte der HC Bozen vor Tausenden ungläubigen Fans einen sicher geglaubten Sieg. Schlimmer noch: Dem Krisen-Klub Villach wurde sogar beim Toreschießen geholfen.

Aus der Sparkasse Arena in Bozen

Alexander Foppa

Von:
Alexander Foppa

Laut offiziellen Klubangaben waren 3.912 Zuschauer – unter ihnen unzählige Kinder – beim Family Day in der Sparkasse Arena dabei. In Wirklichkeit dürften es aber viele mehr gewesen sein, die sich nach Spielende auf den vollen Rängen ungläubig die Augen gerieben haben. Der HCB Südtirol gab in den Schlussminuten eine 4:2-Führung aus der Hand und unterlag Villach in der Verlängerung mit 4:5.


Die Foxes punkteten zwar im neunten von zehn Spielen unter Neo-Coach Doug Shedden, doch die Kehrseite der Bilanz lautet: Zum dritten Mal in Folge verlor der HCB in der Overtime oder im Penaltyschießen. So ist Bozen kein ernst zu nehmender Titelkandidat – zumal der jüngste Stolperer gegen ein Team passierte, das aus den jüngsten 14 Partien gerademal zwei Siege mitnahm.

Eklatante Defensivschwächen

Doch selbst die kriselnden Kärntner legten Bozens Schwachstellen gnadenlos offen: Die wiedermal umgebauten Offensivblöcke produzierten mehr Zufallsprodukte als durchdachte Angriffszüge. Dutzende Torchancen blieben ungenutzt. Mittendrin war dabei auch Neuzugang Matteo Gennaro, der den Kaderplatz von Michele Marchetti einnahm und ab Hälfte des Spiels sporadisch zum Zug kam.

Die Abschlussschwäche wäre jedoch zu verschmerzen gewesen, hätte die Abwehr ihre Hauptaufgabe – das Toreschießen verhindern – auch nur annähernd zufriedenstellend ausgeführt. Stattdessen irrten die Defender phasenweise ohne Zuordnung übers Eis, sie blockten kaum Schüsse und räumten auch Goalie Sam Harvey nie die Sicht frei. Dem VSV reichten so 20 Torschüsse, um fünf Mal zuzuschlagen – und damit einmal mehr als der HCB bei seinen 46 Versuchen. Eine alarmierende Bilanz.

Das wilde Treiben im Detail

Villacher DoppelschlagZehn Torschüsse reichen den Gästen in den ersten 24 Spielminuten, um mit 2:0 in Führung zu gehen. Bei Strongs Weitschuss zum 1:0 hätte Bozens Samuelsson seinem Goalie die Sicht freiräumen müssen (16.). Beim 2:0 durch Hutchison verlieren der schwedische Verteidiger und Neuzugang Cairns völlig die Zuordnung (24.).
Brunner oder Cairns?Bozens Anschlusstor sorgt für fragende Blicke in der Halle: Cairns feuert von der blauen Linie ab, Brunner hält den Schläger hin und fälscht entscheidend ab (33.). Am Würfel scheint der Meraner als Torschütze auf, die Referees geben den Treffer aber Cairns. Erst nach Spielende wird klargestellt: Es war Brunners drittes Saisontor.
Special Teams stechenDer Torbann ist gebrochen – und plötzlich fällt ein Treffer nach dem nächsten, keiner jedoch im Fünf-gegen-Fünf. Bei Gildons 2:2 agiert der HCB in doppelter Überzahl (37.), bei Gersichs 3:2 mit einem Mann mehr. Und dann trifft auch Gazley noch mit einem eiskalten Konter in Unterzahl zum 4:2 (52.).
Wie kann das sein?Als es eigentlich nur mehr galt, den Heimsieg einzutüten, machen die Foxes genau das Gegenteil: Sie hören auf Eishockey zu spielen, laden Rebernig (52.) und Hutchison (59.) förmlich zum Toreschießen ein und lassen sich dann in der Overtime auch noch ganz billig auskontern. Scherbak schoss Villach zum nicht für möglich gehaltenen Sieg (62.).

Durch diesen Punktverlust verpasste es Bozen, näher ans Führungstrio heranzurücken. Die nächste Chance dazu bietet sich jedoch schon in drei Tagen: Bis Dienstag gewährt Shedden seinen Jungs trainingsfrei, dann geht es im Reisebus ins 700 Kilometer entfernte Székesfehérvár, wo am Mittwoch das nächste Punktspiel am Programm steht.


HCB Südtirol Alperia – Villacher SV 4:5 n.V.

HCB: Harvey (Gamper); Valentine-Samuelsson, Gildon-Seed, Miglioranzi-DiPerna, Cairns; Schneider-Bradley-McClure, Pollock-Gersich-Gazley, Frigo-Mantenuto-DiGiacinto, Frank-Misley-Brunner, Gennaro.
Coach: Shedden

VSV: Kulda-Vallant, Wall-MacPherson, Strong-Katic, Uschan, Hutchison-Helewka-Hughes, Scherbak-Hancock-Wallenta, Sintschnig-Maxa-Van Nes, Rebernig-Tschurnig-Prodinger.
Coach: Allard

Tore: 0:1 Steven Strong (15.14), 0:2 Nick Hutchison (23.36), 1:2 Pascal Brunner (32.43), 2:2 Max Gildon (36.29), 3:2 Shane Gersich (39.44), 4:2 Dustin Gazley (51.11), 4:3 Maximilian Rebernig (51.38), 4:4 Nick Hutchison (58.43), 4:5 Nikita Scherbak (61.42)

Offizielle Zuschauerzahl: 3.912

Die weiteren Sonntag-Spiele:

Olimpija Ljubljana – Black Wings Linz 4:1
1:0 Mahkovec (09.09), 2:0 Brennan (18.30), 3:0 Meyer (41.05), 4:0 Pance (56.02), 4:1 Pusnik (59.01)
Zuschauer: 2.317



Graz99ers – Vienna Capitals 4:0
1:0 Ganahl (09.38), 2:0 Kainz (33.38), 3:0 Haudum (36.37), 4:0 Bailen (48.44)
Zuschauer: 3.807


HC Pustertal – Red Bull Salzburg 4:1
1:0 Saracino (0.57), 1:1 Huber (04.33), 2:1 Di Tomaso (19.35), 3:1 Di Tomaso (55.45), 4:1 Rueschoff (59.25)
Zuschauer: 3.104


Die Tabelle

SPGUVTVP
1. EC Klagenfurt3625011126:8577
2. Graz99ers3625011119:7775
3. EC Salzburg3724013121:7669
4. HCB Südtirol3521014125:8866
5. Olimpija Ljubljana3823015139:10665
6. HC Pustertal3520015122:9760
7. Fehérvár361701986:11252
8. Ferencvárosi361402298:12747
9. Linz3617019114:11846
10. Vienna Capitals361502189:10846
11. EC Villach3514021108:12044
12. Vorarlberg351102485:14233
13. HC Innsbruck37802989:16522

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