
Nicolò Remolato in seinem Wohnzimmer: der Sparkasse Arena in Bozen Süd. © fop
Er kommt zu Fuß: Das ist Bozens neuer Eishockey-Liebling
Dieser junge Mann ist in der Südtiroler Eishockeywelt gerade in aller Munde: Nicolò Remolato. Seine Geschichte ist nicht nur wegen seines Traum-Debüts in der ICE Hockey League und seiner Verbundenheit zum HC Bozen eine ganz besondere.
22. September 2026

Von:
Alexander Foppa
Nicolò Remolatos Welt steht auf dem Kopf. Seit seinem Doppelpack im ersten Spiel für den HCB Südtirol Alperia feiern ihn die Fans, mit seinem neuerlichen Torerfolg am Sonntag gegen Red Bull Salzburg schoss er sich auch außerhalb des weiß-roten Eishockeykosmos ins Interesse vieler. Seitdem gibt er reihenweise Interviews, erzählt seine besondere Geschichte.
„Es ist völlig verrückt, was gerade passiert“, sagt Remolato, als er sich mit SportNews unterhält. Es ist Dienstagmorgen, unmittelbar vor der Abreise nach Graz, wo der HCB am Mittwoch (18.30 Uhr) auf den aktuellen Meister trifft. Es ist die erste Auswärtsfahrt des 21-Jährigen. Bislang spielte sich das ganze Verrückte, wie er es nennt, vor der eigenen Haustür ab. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Remolato wohnt nämlich im Bozner Süden, praktisch gegenüber der Sparkasse Arena. „Das sind vielleicht 300 Meter, ich komme zu Fuß zu den Spielen“, schmunzelt er. Und er kam auch schon als kleiner Bub zu Fuß zum Stadion, zusammen mit seinem Bruder Mattia und seinem Vater. „Remo“, wie er in der Bozner Kabine genannt wird, hat beim HCB mit dem Eishockey begonnen, an den Wochenenden saß er mit glühenden Kinderaugen auf der Tribüne. „Ich habe fast kein Spiel von Alex Egger, Stefan Zisser und Co. verpasst. Sie waren die Helden meiner Kindheit.“
Nicolò Remolato traf bei seinem Debüt gegen Wien gleich doppelt. © HCB/Loris Bregolato
Mit elf Jahren zog es ihn ins Unterland. „Auer und Neumarkt sind die besten Adressen im Jugendeishockey. Bei den Cavaliers bekommt der Nachwuchs eine Chance“, schwärmt er heute. Vor einem Jahr übersiedelte er dann zu AlpsHL-Konkurrent Cortina, „um erstmals meine Komfortzone zu verlassen, eigenständig zu werden“, wie er es nennt.
„Ich lag bis 4 Uhr nachts im Bett und konnte nicht einschlafen“ Nicolò Remolato
Nun, ein Jahrzehnt nach seinem Abschied im Kindesalter, ist Remolato zurück bei seinem Herzensverein. Und er schlägt ein wie ein Blitz. Zwei Spiele, fünf Torschüsse, drei Treffer – da sprangen selbst alteingesessene Bozner Fans auf den bequemsten Stadionsesseln in die Höhe, die Fankurve skandierte seinen Namen.
Seine Familie hat geweint
Was macht das mit einem 21-Jährigen, der vor einigen Monaten in Cortina noch vor wenigen hundert Zuschauern spielte? „Nach den Spielen lag ich bis 4 Uhr nachts im Bett und konnte nicht einschlafen. Ich war noch voller Endorphine, hatte tausend Gedanken im Kopf. Ich habe mich auch für meine Familie gefreut.“ Bruder Mattia, seine Eltern und Großeltern waren am Wochenende im Stadion. „Sie haben geweint“, verrät Remolato.Sie, die ihn einst zu unzähligen Jugendpartien gefahren haben, den jungen Nicolò zu Heimspielen der Foxes begleiteten. Jetzt läuft dieser Nicolò selbst mit der Rückennummer 27 für den HC Bozen auf. Diegehörte einst Stürmerikone Lucio Topatigh. „Das sind Legenden, die unerreichbar sind.“
Nicolò Remolato (r.) und sein älterer Bruder Mattia (l.) auf Lucio Topatighs Armen. Heute trägt er dessen Rückennummer 27. © privat
Remolato, der nebenbei ein Fernstudium in Sportwissenschaften absolviert, ist ein ruhiger, bescheidener Typ. Ein Ziel spricht er aber klar aus: „Ich will mit Bozen einmal Meister werden! Es wäre das Allergrößte für mich.“ Sätze wie diese klingen wie Floskeln, nicht jedoch bei Remolato. Er ist Spieler und Fan des HC Bozen.
So macht er seine Körpergröße wett
Der frühere Junioren-Nationalspieler weiß, dass sein Erfolgslauf nur eine Momentaufnahme sein kann. Er, der nicht nur der jüngste ICE-Torschütze der HCB-Geschichte, sondern mit 1,72 Metern Körpergröße auch der Kleinste im Kader ist. „Natürlich kann es mal weh tun, wenn dich ein kräftiger Gegenspieler auf die Bande drückt. Da fehlen mir ein paar Zentimeter. Aber das Eishockey hat sich weiterentwickelt, ist schneller geworden.“ Da kommen Remolatos Stärken ins Spiel. Er ist technisch beschlagen, unglaublich wendig und schnell. So kamen am Sonntag selbst Salzburgs Abwehrkolosse ins Schwitzen. Das dürfte auch in Graz nicht unbeobachtet geblieben sein. Die Meisterspieler sind vorgewarnt: Achtung vor dem neuen Bozner Hockey-Liebling!Die ICE-Spiele vom Mittwoch:
Graz 99ers – HCB Südtirol Alperia (18.30 Uhr)Pioneers Vorarlberg – Milano HC (19.15 Uhr)
RB Salzburg – HC Innsbruck (19.15 Uhr)
Black Wings Linz – Olimpija Ljubljana (19.15 Uhr)
Vienna Capitals – Féhérvar AV (19.15 Uhr)
Klagenfurter AC – Villacher SV (19.15 Uhr)
| SP | G | U | V | TV | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. EC Klagenfurt | 2 | 2 | 0 | 0 | 10:3 | 6 |
| 2. Olimpija Ljubljana | 2 | 2 | 0 | 0 | 11:5 | 6 |
| 3. HC Mailand | 2 | 2 | 0 | 0 | 7:1 | 6 |
| 4. HCB Südtirol | 2 | 2 | 0 | 0 | 9:5 | 6 |
| 5. EC Villacher SV | 1 | 1 | 0 | 0 | 2:1 | 3 |
| 6. HC Pustertal | 2 | 1 | 0 | 1 | 6:5 | 3 |
| 7. Vienna Capitals | 2 | 1 | 0 | 1 | 7:7 | 3 |
| 8. Graz99ers | 2 | 1 | 0 | 1 | 5:5 | 3 |
| 9. Fehérvár | 2 | 1 | 0 | 1 | 6:9 | 2 |
| 10. Linz | 2 | 0 | 0 | 2 | 3:8 | 1 |
| 11. Ferencvárosi | 1 | 0 | 0 | 1 | 3:5 | 0 |
| 12. HC Innsbruck | 2 | 0 | 0 | 2 | 5:8 | 0 |
| 13. Vorarlberg | 2 | 0 | 0 | 2 | 2:5 | 0 |
| 14. EC Salzburg | 2 | 0 | 0 | 2 | 4:13 | 0 |
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