
Henry Bowlby ließ sich von SportNews porträtieren. © det
In der Klasse mit Obamas Tochter: Pustertals hellstes Köpfchen
Endlich ist es so weit! Am Freitagabend beginnt die neue Saison in der ICE Hockey League. In Bruneck kommt es gleich zum Kracher zwischen dem Vize-Meister HC Pustertal und dem Champion Graz99ers. Passend dazu haben wir einen Crack der Wölfe unter die Lupe genommen, der eine ganz besondere Story mitbringt.
18. September 2026

Von:
Thomas Debelyak
Henry Bowlby ist eine Frohnatur. Ein Mensch, der gute Laune versprüht, sobald er den Raum betritt. Ein Bursche, der mit einem breiten Lächeln durch die große weite Welt marschiert. Bei einer Frage in unserem Gespräch wird sein Grinsen aber noch breiter, als es ohnehin schon ist. „Oh Gott, das ist hart“, antwortet der US-Boy, als wir von ihm wissen wollen: Was ist denn nun höher, sein normaler IQ oder sein Eishockey-IQ? „Ich bin nicht der smarteste Hockeyspieler, deshalb würde ich sagen: Der normale IQ!“
Eine solche Frage zählt bei einem Eishockeygespräch zweifellos zu der ungewöhnlicheren Sorte. Bei Henry Bowlby passt sie aber doch perfekt ins Bild. Denn: Der wieselflinke Angreifer und letztjährige Topscorer des HC Pustertal ist das wohl hellste Köpfchen seines Teams.
Henry Bowlby, wieselflinker Stürmer des HC Pustertal. © HCP / Iwan Foppa
Beispiel gefällig? Nun, wenn Bowlby gerade nicht im Eishockeyring für Furore sorgt, dann liest er gerne Bücher. Manchmal sogar fünf gleichzeitig. Am liebsten über Finanzen, Philosophie, generell Sachbücher. Bevor er seine Profikarriere startete, arbeitete der 29-Jährige aus Minnesota zwei Sommer lang in der Finanzmetropole New York City, und zwar im Bereich Investmentbanking und Vermögensverwaltung. „Das war eine intensive, aber sehr schöne Erfahrung“, sagt Bowlby.
Wie kommt man nach Harvard?
Und dann ist da seine Universität: Bowlby studierte in Harvard. Dort machte er einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften „mit einem Touch an Computer Science“, wie der Pusterer Stürmer auf seinem LinkedIn-Profil wissen lässt. Harvard ist nicht irgendeine Uni, es ist die renommierteste Hochschule der Welt. Ehemalige US-Präsidenten wie Barack Obama, John F. Kennedy oder George W. Bush wurden dort ausgebildet, genauso wie Tech-Milliardär Bill Gates oder Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg.„Als ich Harvard sah, war ich sofort verliebt.“ Henry Bowlby
Wenig verwunderlich, dass auch Bowlby in seiner Zeit dort auf einige Persönlichkeiten traf. „Mit mir in die Klasse ging beispielsweise die Tochter von Barack Obama“, erklärt der Pusterer. Wie aber kommt man auf so eine renommierte Universität? Bowlby erklärt: „Das war etwas Zufall. Ich hatte ein Jahr lang eine andere Uni besucht, mein dortiger Eishockeytrainer ist dann aber weggegangen. Also habe auch ich mich nach etwas Neuem umgesehen, und bin da auf Harvard gestoßen. Als ich mir die Uni anschaute, war ich sofort verliebt und wollte dorthin.“
25.000 Dollar für ein Semester
Nach einigen zum Teil sehr kniffligen Aufnahmetests landete Bowlby also auf dieser berühmten Uni, was auch einen beträchtlichen finanziellen Aufwand bedeutete. „Ich hatte in Harvard kein Sportstipendium, musste also alles selbst bezahlen. Ein Semester kostete damals rund 25.000 Dollar, das ist eine Menge Geld“, erklärt der Pusterer Topscorer, der in Harvard nicht nur mit den hellsten Köpfen studierte, sondern sich auch in der dortigen Eishockeymannschaft in den Fokus spielte. Und schließlich eine Profikarriere startete.Bowlby zählt zu den Leistungsträgern beim HC Pustertal.
Vier Jahre dieser Karriere verbrachte Bowlby in der American Hockey League, ehe er 2024 den Schritt nach Europa wagte und beim schwedischen Topklub Rögle BK anheuerte. Dort kam es für ihn auch privat zu einem einschneidenden Ereignis, da er seine Freundin Amalie Andersen kennenlernte. Die Dänin war damals ebenfalls Eishockeyspielerin und lief für die Frauenmannschaft von Rögle auf. „Auf der Weihnachtsfeier des Vereins hat es gefunkt“, lächelt Bowlby.
Mittendrin beim Stanley-Cup-Sieg
Das Kuriose: Bowlby und seine Freundin stammen beide aus Eishockeyfamilien. Henrys drei Schwestern jagten früher der Hartgummischeibe hinterher, Amalies drei Brüder sind ebenfalls auf der Eisfläche daheim. Mehr noch: Ihr ältester Bruder Frederik Andersen gilt als einer der besten Goalies der Welt.Ein besonderer Moment: Henry Bowlby (zweiter von links) mit Freundin Amalie Andersen (links) und NHL-Goalie Frederik Andersen (rechts) nach dem Gewinn des Stanley Cups. © Instagram
In der vergangenen Saison führte der Däne die Carolina Hurricanes zum Gewinn des Stanley Cups, also der NHL. „Das war ein wilder Sommer“, erinnert sich Bowlby. „Wir haben Frederik auf diesem Weg begleitet, sind mit ihm während der Playoffs durch die Staaten gereist. Als er das Finale gewonnen hat, schafften wir es irgendwie, aufs Eis zu kommen und mit ihm zu feiern. Das werde ich nie vergessen.“
Traum vom Titel mit Pustertal
Während seine Freundin Amalie mittlerweile ebenfalls in Bruneck wohnt und am Kronplatz arbeitet, will es Bowlby seinem Schwager nachmachen – und mit seinen Pusterern auf Pokaljagd gehen. In der vergangenen Saison entpuppte sich der US-Boy als eine der großen Überraschungen und avancierte mit 51 Punkten zum teaminternen Topscorer. 22 Tore und 29 Assists, so gut war Bowlby nicht mal zu College-Zeiten. Daran will der US-Boy heuer anknüpfen. Und wer weiß: Vielleicht wird Pustertals hellstes Eishockey-Köpfchen in absehbarer Zeit ja mal zur Abwechslung ein Geschichtsbuch lesen. Sollte Pustertal sich nämlich wirklich erstmals einen Meistertitel holen, dann wäre das etwas für die Annalen.ICE Hockey League, 1. Spieltag – Freitag
Ferencvárosi TC – Olimpija Ljubljana (18.30 Uhr)Red Bull Salzburg – Klagenfurter AC (19.15 Uhr)
HC Innsbruck – Milano Hockey (19.15 Uhr)
Fehervar AV19 – Black Wings Linz (19.15 Uhr)
Pioneers Vorarlberg – Villacher SV (19.30 Uhr)
HC Pustertal – Graz99ers (19.45 Uhr)
HC Bozen – Vienna Capitals (19.45 Uhr)
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