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Dieter Knoll, Chef des HC Bozen. © Vanna Antonello

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Dieter Knoll, Chef des HC Bozen. © Vanna Antonello

Kuriose Trainer-Bewerbung und mehr: Jetzt spricht Bozens Boss

Auf den letzten Metern des Transfersommers hat der HC Bozen seine Mannschaft komplettiert. Nun spricht Klub-Boss Dieter Knoll mit SportNews über die turbulenten letzten Monate.

Thomas Debelyak

Von:
Thomas Debelyak

Am 31. Juli wurde mit Louis Domingue der neue Bozner Goalie präsentiert, zwei Tage später mit Antti Karhula der neue Trainer: Es waren die letzten Etappen eines turbulenten Bozner Transfersommers. Nun nimmt Dieter Knoll gegenüber SportNews ausführlich Stellung – und spricht über die Trainersuche, eine Trendwende, die Abschiede von Daniel Frank und Pascal Brunner sowie den HC Pustertal.



Dieter Knoll, die Mannschaft ist komplett und im Trainingslager. Wie groß ist die Erleichterung darüber?

„Es ist schon eine große Freude, zumal es in dieser Transferperiode nicht immer leicht war. Zum einen gab es die finanziellen Hürden, sprich frühes Ausscheiden, neues Sportgesetz, das uns jährlich rund 400.000 Euro kostet, steigende Gehaltsvorstellungen der Spieler aus Nordamerika. Zum anderen war da die Trendwende, die wir nach der vergangenen Saison herbeiführen wollen.“


Sie meinen, dass mehr junge Spieler in den Kader eingebaut werden sollen?

„Richtig! Wir haben mit den Stürmern Nicolò Remolato (21) und Jakob Fuchs (22) sowie den Verteidigern Enrico Larcher (22) und Noah Frick (19) vier U24-Spieler im Kader. Mein Wunsch – und das habe ich auch unserem neuen Trainer klargemacht – ist es, dass im Sturm und in der Abwehr je ein Platz für diese vier Jungs reserviert ist. In den nächsten Jahren möchten wir diese Entwicklung forcieren, gleichzeitig ist aber auch klar: Wir müssen eine Mannschaft stellen, die in die Playoffs kommt. In Bozen kann man es sich schlicht nicht leisten, hinten herumzuspielen.“

Gibt in Bozen die Marschroute vor: Trainer Antti Karhula.

Gibt in Bozen die Marschroute vor: Trainer Antti Karhula.



Sie haben den Trainer angesprochen, der am 2. August als letzte Personalie präsentiert wurde. Warum hat sich die Suche nach dem Coach so in die Länge gezogen?

„Die Liste an Kandidaten umfasste 30 Trainer. Auch unsere ehemaligen Coaches Greg Ireland, Kai Suikkanen und Glen Hanlon wären an einer Rückkehr interessiert gewesen. Ich wollte aber auf dieser Position einen anderen Weg einschlagen, und einen jüngeren Coach verpflichten, der einen Großteil seiner Karriere noch vor sich hat. Es hat etwas gedauert, bis der Richtige gefunden war.“
„Trainer Karhula hat sich über WhatsApp bei mir beworben.“ Dieter Knoll

Schlussendlich fiel die Wahl auf den 50-jährigen Antti Karhula.

„Genau! Das ist auch eine schöne Anekdote: Karhula hat sich über WhatsApp bei uns beworben. Er schrieb mir eine nette Nachricht und zeigte sich sehr interessiert am Projekt HC Bozen. Ich habe sein Profil unter die Lupe genommen und finde, dass er gut zu uns passen könnte. Karhula war einverstanden damit, dass die Mannschaft schon steht und dass wir heuer die Jugend mehr fördern wollen. Außerdem ist er offen für unsere Ideen, er kennt die ICE noch aus seiner Zeit bei Fehérvár und Olimpija Ljubljana und lässt ein Eishockey spielen, das unseren Spielern mehr liegt als jenes in Vergangenheit.“


Mit Ex-NHL-Torhüter Louis Domingue ist Ihnen ein Bombentransfer gelungen.

„Man hat es beim HC Pustertal in der vergangenen Saison gesehen, als Eddie Pasquale in den Playoffs lange Zeit alles gehalten hat, was es zu halten gab und sein Team ins Finale geführt hat. Der Tormann ist einfach die wichtigste Personalie auf dem Eis. Domingue ist ein Goalie, der Sachen halten kann, die sonst keiner hält. Wenn er das bringt, was ich mir erwarte, sage ich: So ein Kaliber hatten wir in Bozen noch nie. Natürlich musste ich die Brieftasche hier weit öffnen, aber ihn haben auch andere Sachen überzeugt: Domingue spielte bereits mit Blake Hillman, Turner Elson und Cristiano DiGiacinto in einer Mannschaft, das hat ihn zusätzlich motiviert.“

Louis Domingue, Goalie des HC Bozen. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / LUKE HALES

Louis Domingue, Goalie des HC Bozen. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / LUKE HALES



Der HC Bozen geht heuer mit zwei Imports auf der Torhüterposition in die Saison. Was steckt dahinter?

„Leider ist Gianluca Vallini gegangen. Er wollte mehr Spielzeit, diese Garantie konnte ich ihm nicht geben. Andere junge Südtiroler und italienische Torhüter müssen sich meiner Meinung nach noch etwas entwickeln, und deshalb fiel die Wahl beim Backup auf Marco Costantini. Dadurch, dass Matt Bradley ab dieser Saison als Italiener zählt und das Ausländer-Kontingent nicht belastet, passt das für mich gut – zumal Costantini die Voraussetzungen erfüllt, in den nächsten ein, zwei Jahren zum Italiener zu werden.“


Mit Daniel Frank ist der Kapitän und das Urgestein des HC Bozen nicht mehr mit dabei. Wer wird neuer Kapitän?

„Mit Franky gab es sehr offene Gespräche, und wir möchten ihn früher oder später auf jeden Fall in Bozen wieder einbauen. Ich denke da daran, dass er womöglich als Bindeglied zwischen Mannschaft und sportlicher Leitung fungieren könnte. Das würde mich sehr freuen. Wer der neue Kapitän sein wird, das ist noch offen.“

Daniel Frank ist ab heuer nicht mehr dabei.

Daniel Frank ist ab heuer nicht mehr dabei.


Mit Pascal Brunner hat sich ein Spieler verabschiedet, der in Zukunft das Gesicht der Mannschaft hätte sein können…

„Ich hätte Pascal gerne in meiner Mannschaft gehalten, allerdings konnte ich seinen Wunsch – sprich einen Stammplatz – nicht garantieren. Jeder muss um seinen Platz kämpfen, und am Ende entscheidet immer der Trainer. Ich denke, dass ihm der Wechsel in die zweite Schweizer Liga in seiner Entwicklung gut tun wird.“
„Ich wünsche mir, dass das in Mailand keine Sternschnuppe ist.“ Dieter Knoll

Welcher Neuzugang hat das Potenzial zur Überraschung?

„Generell habe ich heuer versucht, mehr auf physische Präsenz zu setzen. Stürmer Isaac Ratcliff ist körperlich sehr stark, Verteidiger Jackson van de Leest mit seinen zwei Metern sowieso. Mein Tipp für die Überraschung ist Verteidiger Teemu Kivihalme, der wirklich viel Potenzial mitbringt und richtig einschlagen kann.“

Derbys zwischen Bozen und Pustertal sind immer heiß umkämpft.

Derbys zwischen Bozen und Pustertal sind immer heiß umkämpft.



Der HC Pustertal ist im vergangenen Jahr ins Finale gekommen. Provokante Frage: Haben die Wölfe dem HCB mittlerweile den Rang abgelaufen?

„Davon habe ich auch schon gehört und gelesen. Dazu muss ich sagen: Ja, in der vergangenen Saison war Pustertal die bessere Mannschaft, und Hut ab vor dieser Leistung. Aber wenn ich die Vergangenheit anschaue, haben wir mit 19 Italienmeister- und zwei ICE-Titeln doch noch etwas Vorsprung.“


Mit dem HC Mailand kommt ein neuer italienischer Player dazu. Wie schauen Sie auf diese Entwicklung in der Mode-Metropole?

„Wir haben für die Aufnahme von Mailand in die ICE gestimmt. Mein Wunsch ist es nur, dass dies keine Sternschnuppe ist, sondern dass sich Mailand mittel- bis langfristig in der Liga etabliert und finanziell auf gesunden Beinen steht. Mit den Mailändern gab es heuer ein Gentleman Agreement, dass sie keine Pusterer und Bozner Spieler abwerben. Daran haben sie sich gehalten und nur jene Spieler geholt, die in Bozen und Bruneck keinen Vertrag mehr bekommen haben.“

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