
Christof Leitner leitet eines der zurzeit spannendsten Projekte im europäischen Eishockey.
Mailand-Boss Leitner: „Wir zahlen nicht mehr als Bruneck und Bozen“
Vor wenigen Tagen war es der große Knall: Mailand steigt in die ICE Hockey League ein. Doch wie lange lebt das Konzept in der Millionenmetropole? Was hat es mit den Krypto-Investoren auf sich? Wohin will man sportlich – und mit welchen Spielern? Diese Fragen beantwortet uns der neue Klub-Boss Christof Leitner.
07. Juni 2026

Von:
Alexander Foppa
Es war nicht einfach, einen Interviewtermin mit Leitner zu bekommen. SportNews hat es zunächst über seine Firmenzentrale versucht, der Intercom Dr. Leitner in Freienfeld. Höfliche Sekretärinnen waren mehrfach bemüht, den Kontakt herzustellen, zunächst vergebens – bis Christof Leitner irgendwann selbst zurückgerufen hat. Von seinem Mobiltelefon, irgendwo auf der Autobahn zwischen Sterzing und Mailand. Jene Strecke, die er momentan fast in Dauerschleife abspult. Leitner ist ein gefragter Mann. Der Unternehmer leitet eines der spannendsten Projekte im europäischen Eishockey, die Wiederauferstehung des Milano Hockey Club.
Herr Leitner, wie sind Sie zum Eishockeysport gekommen?
„Der Weg war mir vorgezeichnet. Mein Vater war lange Zeit beim WSV Sterzing tätig, mein Bruder war aktiver Spieler, mittlerweile sitze ich selbst seit einiger Zeit im Vorstand der Broncos. Außerdem bin ich mit unserem Unternehmen, der Intercom Dr. Leitner, beruflich in dieser Branche tätig.“
Sind Sie dadurch mit Mailand in Kontakt gekommen?
„Genau. Wir waren beim Bau der Olympia-Eisanlagen beteiligt, standen deshalb bereits seit Jahren mit Entscheidungsträgern in Mailand in Verbindung – und ich habe von Beginn an enormes Interesse, eine wahre Begeisterung für diesen Sport gespürt. Nachdem im Februar die neue, provisorische Arena präsentiert wurde, ist man an mich herangetreten und hat um mein Mitwirken gebeten.“
„Wir wollen keine Krawallmacher in der Halle!“ Christof Leitner
Ein Südtiroler sollte das Eishockey zurück nach Mailand bringen?
„Ich war zunächst selbst verwundert, doch man hat mir gesagt, man wolle jemanden aus Südtirol, einen mit Erfahrung, der anpackt. Bürgermeister Giuseppe Sala und Attilio Fontana, der Präsident der Region Lombardei, waren da sehr überzeugend. Die Idee und ein vages Projekt standen damals bereits, wir haben das dann gemeinsam konkretisiert. Von Beginn an war klar: Die ICE Hockey League ist die einzige Option.“
Als Hauptinvestor firmiert das Krypto-Unternehmen House of Doge, das sorgt für Skepsis.
„Viele können mit Krypto noch nicht viel anfangen, dabei treten Unternehmen aus dieser Branche längst schon auf größeren Bühnen als Investoren auf, wie in der Fußball-Champions-League. Es stellt sich die Frage: Stemmen wir uns gegen den Trend oder versuchen wir, ihn als Chance zu nutzen. Wir haben uns für Zweites entschieden, auch weil wir mit Marco Margiotta, dem Geschäftsführer von House of Doge, einen professionellen Partner gefunden haben. Ihm vertraue ich. Er hat uns seine Konzepte vorgelegt – auch jenes, mit dem er den italienischen Fußballklub Triestina sanieren will. Da werden keine Luftschlösser gebaut.“
Die starken Männer in Mailand: Chris McSorley, Marco Margiotta und Christof Leitner (v.l.).
Die große Mailänder Eishockey-Fangemeinde reagiert aber bisweilen noch zurückhaltend. Bekommen Sie alle mit ins Boot?
„Wir haben uns die vergangenen Tage mit einigen Fanvertretern getroffen. Grundsätzlich spüren wir einen großen Rückhalt, viel Euphorie im Umfeld. Ich bin mir sicher, dass wir eine tolle Stimmung in der Halle haben werden. Aber ich sage es auch klipp und klar: Wir wollen keine Krawallmacher! Alte Rivalitäten wie jene zu Bozen dürfen kein Vorwand für Zündstoff, Gewalt und erhöhte Polizeipräsenz sein. Eishockey hat sich weiterentwickelt, wir wollen tollen Sport, eine Show und Unterhaltung für alle bieten.“
Apropos Rivalität: Der neue Milano HC soll alle Eishockeylager in Mailand einen. Wie gelingt das?
„Auch diese Denkweise ist veraltet. Von den Milano Devils übernehmen wir die Jugendabteilung bzw. schließen uns mit ihnen unter dem neuen Namen Milano Prospects zusammen. Das waren letztes Jahr immerhin an die 300 Nachwuchsspieler. Das frühere Saima Mailand ist dagegen der Nährboden der Eishockeybegeisterung in dieser Stadt. Und diese Stadt wird heute unter einem einzigen Label zusammengeführt: dem Milano Hockey Club.“
Werden Sie künftig zwischen Sterzing und Mailand pendeln?
„Wir wollen, dass sich Mailänder Persönlichkeiten und Unternehmen unserem Projekt anschließen. Deshalb werde ich die nächsten Monate viel Zeit in Mailand verbringen, um Gespräche zu führen und Kontakte zu knüpfen. Außerdem sind wir auch beim Thema Hallenbau direkt involviert.“
Wird die neue, temporäre Arena bis Saisonbeginn fertig?
„Daran habe ich keine Zweifel. Wir planen ganz fest, Anfang Oktober die ersten Heimspiele auszurichten. Und es wird sicherlich kein Eishockey im Zelt geben, wie ich es mancherorts gelesen habe. Wir haben zwar ein mehrschichtiges Membrandach, doch das ist eine fixe Stahlstruktur für immerhin 4.000 Besucher – und kein Spielzeugstadion. Gleichzeitig läuft im Hintergrund die Planung einer hochmodernen Arena, die später mal unser festes Zuhause werden wird.“
So soll die Mailänder Arena in wenigen Monaten aussehen.
Wie hoch ist Ihr Budget?
„Ich sage es mal so: Wir geben in Mailand nicht mehr Geld aus als in Bozen und Bruneck. Ich schätze, wir spielen diese Saison finanziell irgendwo im Mittelfeld der Liga, also im mittleren einstelligen Millionenbereich.“
Sie haben Bozen und Bruneck angesprochen. Dort fürchten Fans, der Liganeuling könnte das Kräfteverhältnis auf dem Transfermarkt kippen. Ist dem so?
„Nein! Natürlich sind wir ein neuer Player am Markt, der auch seinen Reiz versprüht. Aber ganz ehrlich: Wir haben unseren Kader bereits beisammen, wir haben an die 25 Spieler unter Vertrag genommen, ohne uns dabei mit Bozen oder Pustertal in die Quere zu kommen. Das war auch bei Nick Saracino so, unserem ersten Neuzugang. Ich habe mit Dieter Knoll in Bozen und Erich Falkensteiner in Bruneck eine Art Gentlemen’s Agreement geschlossen. Wir haben gesagt, wir werden uns nicht gegenseitig ausspielen. Und ich bin ein Mann, der sein Wort hält.“
„Wir sind keine Eintagsfliege“ Christof Leitner
Wie verlief die Zusammenstellung des Kaders?
„Hier haben wir auf das Standing und das Know-how von Chris McSorley vom Schweizer Zweitligisten HC Sierre gesetzt. Der Kontakt kam über unseren gemeinsamen Investor zustande. Ich bin überzeugt, dass er eine starke Truppe geformt hat. McSorley wird uns als Berater erhalten bleiben, die Funktion des Sportdirektors übernimmt dann Viktor Szelig, der in der Vergangenheit bei Fehervar tätig war.“
Was sind die unmittelbaren Ziele?
„Anfang August werden wir unsere Spieler empfangen, bis dahin wollen wir jeden Tag einen Schritt weit wachsen. Vom Bau der Arena bis hin zur Vereinsstruktur. Giorgio Prando, der aus der hiesigen Eishockeyszene stammt und den Milano Prospects vorsteht, wird sich um den Marketingbereich kümmern. Mit Doris Lintner konnten wir zudem eine erfahrene Eishockeymanagerin aus Südtirol für uns gewinnen. Und wir werden noch zwei, drei Personen im operativen Bereich einstellen.“
Und wohin soll die sportliche Reise führen?
„Wir wollen schon ein gehöriges Wörtchen mitreden. Aber ich muss auch ganz klar unterstreichen: Wir befinden uns hier im ersten Jahr, jetzt gilt es erst mal, die Basis zu legen. Es nutzt nichts, auf Pump nach vorne zu preschen. Entscheidend ist der langfristige Erfolg. Wir sind keine Eintagsfliege, die morgen wieder verschwindet. Wir haben ein fünfjähriges Projekt am Laufen und denken auch schon darüber hinaus. Wir sind gekommen, um zu bleiben.“
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