
Jason Seed spielte in den vergangenen zwei Jahren für Bozen, nun beginnt ein neues Abenteuer. © HCI/PAPA Productions. / Georgios Papaconstantis
Nach Rücktritt: Der Bozen-Crack, der nun Leben retten will
In den vergangenen zwei Jahren stand Jason Seed beim HC Bozen seinen Mann, war im Februar sogar Teil von Italiens Olympia-Auswahl. Doch nun hat der Italo-Kanadier seine Karriere beendet – und will einen völlig neuen Weg einschlagen.
08. Juli 2026

Von:
Thomas Debelyak
Offiziell endet eine Eishockeysaison mit der letzten Schlusssirene. Inoffiziell erst einige Tage später. Wenn der Kater von der üppigen Siegesfeier ausgeschlafen ist, wenn Enttäuschung und Wut nach einem bitteren Aus zumindest grob runtergeschluckt sind, dann geht’s ein letztes Mal zurück in die eigene Arena. Spind ausräumen, Abschied nehmen – und dann ist Schluss.
Als Jason Seed Ende März und unmittelbar nach dem bitterbösen Viertelfinal-Aus seiner Bozner dieses Prozedere abspulte und sich zum letzten Mal seinen Weg in die Sparkasse Arena bahnte, dürfte sich das seltsam angefühlt haben. Nachdem der Italo-Kanadier seine letzten Sachen eingepackt hatte, schloss er nicht nur die Tür seines Spindes – sondern ein ganzes Kapitel seines Lebens. Das „Goodbye“ war dieses Mal wirklich ein „Goodbye“, denn: Die Karriere des Verteidigers war zu Ende.
Jason Seed spielte in den vergangenen zwei Jahren für den HCB.
„Der Gedanke reifte bereits im Laufe der Saison“, erklärt Seed, als ihn SportNews nun, einige Monate später, telefonisch in seiner Heimatstadt Ottawa erreicht. Dort hat der 34-Jährige mittlerweile ein neues Eigenheim bezogen, das er sich mit seiner Frau Jessica noch während der Abschlusssaison gekauft hat. „Meine Ehefrau hat in Ottawa den Job bekommen, den sie schon immer wollte, und deshalb haben wir entschieden, dass wir wieder fix in die Heimat zurückziehen“, so Seed.
Neuer Berufstraum: Feuerwehrmann
Wenn die Karriere eines Sportlers zu Ende geht, wird das nicht selten von einer gewissen Unsicherheit begleitet: Wie geht es nun weiter? Bei Seed ist das nicht der Fall, denn der Nordamerikaner hat eine klare Idee: „Ich möchte jetzt Feuerwehrmann werden!“ Ein Eishockeyspieler als Feuerwehrmann? „Das ist in der Tat nicht mal so ungewöhnlich“, erklärt Seed. „Es ist ein Job, der gut zu einem ehemaligen Hockeyspieler passt: Du musst körperlich fit sein, du musst im Team arbeiten können. Das war schon länger meine Idee.“Jason Seed absolvierte 49 Spiele für Italiens Nationalteam. © Vanna Antonello
Ein weiterer Grund für die Entscheidung: „Viele meiner Kindheitsfreunde sind ebenfalls Feuerwehrmänner. Jedes Mal, wenn ich sie treffe, schwärmen sie von ihrem Job.“ Derzeit absolviert Seed einige essenzielle Kurse und Trainings, die für die Ausbildung vonnöten sind. Danach wird er sich bei der Feuerwehr bewerben und hofft, in dieses neue Berufsfeld einsteigen zu können.
Olympia-Traum und Bozen-Wehmut
Geht es nach Jason Seed, dann wird er in Zukunft also Leben retten. Einen gewissen Rettungsinstinkt hat er ja von Natur aus schon, zumal der Nordamerikaner in den vergangenen Jahren als Eishockey-Defender darum bemüht war, sein eigenes Tor um jeden Preis zu schützen. Seine letzte Saison als Spieler hatte es dabei in sich.„Wir hätten es mit Bozen viel besser machen können.“ Jason Seed
„Bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, da gibt es nichts Schöneres. Die Erfahrung, gegen die großen NHL-Stars zu spielen, werde ich nie vergessen“, so Seed. Eine Sache bedauert er jedoch: „Schade, dass wir mit Bozen keine guten Playoffs gespielt haben. Wir hätten es viel besser machen können.“
Kanada, Frankreich, Polen und Italien
Seed, der seine italienischen Wurzeln in der Nähe von Verona hat, kam 2017 von einer kanadischen Universitätsliga nach Frankreich, später spielte er drei Jahre in Polen, ehe er 2022 erstmals in Italien andockte. Zwei gute Saisonen in Cortina (und ein Serie-A-Titel) brachten Seed in den Fokus des HC Bozen, für den er sich in den vergangenen zwei Jahren die Schlittschuhe schnürte. Nun ist für den stolzen Vater zweier kleiner Mädchen das Kapitel Eishockeyprofi zu Ende. Aber wie sagt man so schön: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.Profil bearbeiten
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