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Christopher Gibson ist Bozens Backup-Goalie mit besonderer Geschichte. © Thomas Debelyak

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Christopher Gibson ist Bozens Backup-Goalie mit besonderer Geschichte. © Thomas Debelyak

NHL-Champion mit Karibik-Flair: Bozens Weltenbummler

Der HCB Südtirol Alperia kehrt bereits am Mittwoch ins Spielgeschehen der ICE zurück. Dann dürfte Backup-Goalie Christopher Gibson im Tor stehen: Der Mann, der unerwartet zum HCB stieß, dafür aber eine hochinteressante Vita in die Landeshauptstadt mitbrachte.

Thomas Debelyak

Von:
Thomas Debelyak

Wer durch den geschichtsträchtigen Kabinentrakt der Sparkasse Arena spaziert und den Cracks des HC Bozen begegnet, der trifft zugleich auf eine bunte Vielfalt an Nationalitäten. Hier tummeln sich waschechte Kanadier, coole US-Boys, Nordamerikaner mit italienischem Touch, lässige Schweden, spaßige Italiener, gut gelaunte Südtiroler – es ist schon eine bemerkenswerte Auswahl. Seit einigen Wochen ist die weißrote Kabine um ein exotisches Detail reicher. Christopher Gibson, den alle nur „Gibbi“ nennen, bringt etwas mit, das es im Locker Room des HCB wohl noch nie gegeben hat: einen karibischen Flair.


Die Wurzeln des Bozner Backup-Goalies, der Mitte Dezember als Ersatz für den verletzten Gianluca Vallini engagiert wurde, liegen nämlich im Urlaubsparadies in den Tropen. Sein Vater Peter stammt aus St. Lucia, einem Inselstaat in der Karibik. „Aber es ist eine Weile her, dass ich letztmals dort war“, sagt Gibson im Interview mit SportNews. Sein Papa lernte seine Mutter Ulla – eine Finnin – einst in England kennen, zusammen gründeten sie in Finnland eine Familie. „Ich bin eine Person, die lieber Sonne als Kälte mag, aber meine Heimat ist definitiv Finnland“, so der 32-Jährige.

Der Papa ist Kickboxer, der Sohn NHL-Champion

Nach Bozen brachte Gibson nicht nur den karibischen Touch, sondern auch eine beachtliche Vita mit, denn seit 17 Jahren bummelt der Goalie nun schon durch die große weite Eishockeywelt. „Mit 15 Jahren bin ich nach Kanada gegangen, um an meinem Eishockeytraum zu arbeiten“, erinnert sich Gibson. Damit war für ihn früh klar, dass er nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten wird: Dieser ist nämlich ein Künstler („er malt alle Arten von Bildern“) und Kickboxer („er war zwar nie Profi, hat aber Finnlands Nationalteam trainiert“).

Christopher Gibson mit der Stanley-Cup-Trophäe. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / BRUCE BENNETT

Christopher Gibson mit der Stanley-Cup-Trophäe. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / BRUCE BENNETT


Sohnemann Christopher schrieb dagegen in Nordamerika sein persönliches Märchen. 2011 wurde der Goalie an 49. Stelle von den Los Angeles Kings gedraftet, vier Jahre später gab er mit den New York Islanders sein Debüt in der NHL. Insgesamt bestritt Gibson mit den Islanders 14 Partien, wobei er im März 2018 in die Schlagzeilen geriet. Beim 5:2-Sieg über die Calgary Flames parierte der talentierte Schlussmann sage und schreibe 50 Schüsse und wurde zum großen Helden. „Ich habe es einfach genossen, in der NHL zu spielen“, blickt Gibson zurück.
„Den Stanley Cup in die Höhe zu stemmen, war ein unglaubliches Gefühl.“ Christopher Gibson

Das absolute Highlight erlebte der finnische Goalie aber nicht in New York, sondern in Florida. In der Saison 2020/21 stand er für Tampa Bay Lightning unter Vertrag – also für jenes Team, das sich den Stanley Cup (also den Meistertitel) holte. „Ich habe in jener Saison zwei Matches für Tampa Bay bestritten. In den Playoffs fieberte ich bei den Spielen auf der Tribüne mit, trainierte aber stets mit der Mannschaft und war Teil des Teams. Nach der Schlusssirene im entscheidenden Finale durfte ich auf dem Eis die Trophäe in die Höhe strecken, das war ein unglaubliches Gefühl“, so Gibson.

Gibson im Tor der New York Islanders. 14 Mal hütete er das Tor dieses NHL-Klubs. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / BRUCE BENNETT

Gibson im Tor der New York Islanders. 14 Mal hütete er das Tor dieses NHL-Klubs. © GETTY IMAGES NORTH AMERICA / BRUCE BENNETT


Zehn Jahre lang war Gibson in Nordamerika als Profi aktiv, verbrachte die meiste Zeit in der American Hockey League (254 Partien) und spielte insgesamt für elf verschiedene Mannschaften: Von Toronto über New York, von Bridgeport bis nach Florida, von Syracuse bis nach Seattle – Gibson sah viel von der Eishockeywelt und kam mit seiner ruhigen, besonnenen Art überall gut an. Trotzdem hat auch er die Schattenseiten des Business in Nordamerika gespürt. „Ich habe mir in jener Zeit meine ganzen Social-Media-Kanäle gelöscht. Ich bekam da alle Arten von Nachrichten, das war irgendwann zu viel“, so Gibson.

Über Finnland, Slowakei und Deutschland nach Bozen

2023 kehrte der 1,88 Meter große Goalie nach Europa zurück und landete über Lukko (erste finnische Liga), Nove Zamky (Slowakei) und Kassel (DEL2) nun in Bozen. Bei den Foxes hat der Ex-NHL-Goalie in seinen beiden Einsätzen gegen Vorarlberg (5:0) und Graz (2:3 n.V.) einen bärenstarken Eindruck hinterlassen und dürfte am Mittwoch im Auswärtsspiel gegen Fehervar (19.15 Uhr) zu seinem dritten HCB-Match kommen. „Ich genieße die Zeit hier, und möchte dem Team so gut wie möglich helfen“, sagt Christopher Gibson zum Abschluss.

ICE Hockey League, Spiele am Mittwoch (19.15 Uhr)

Fehervar AV19 – HC Bozen
Black Wings Linz – FTC-Telekom

SPGUVTVP
1. EC Klagenfurt3625011126:8577
2. Graz99ers3625011119:7775
3. EC Salzburg3724013121:7669
4. HCB Südtirol3521014125:8866
5. Olimpija Ljubljana3823015139:10665
6. HC Pustertal3520015122:9760
7. Fehérvár361701986:11252
8. Ferencvárosi361402298:12747
9. Linz3617019114:11846
10. Vienna Capitals361502189:10846
11. EC Villach3514021108:12044
12. Vorarlberg351102485:14233
13. HC Innsbruck37802989:16522

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