
In der Bozner Arena wurde auch an diesem Abend reihenweise gejubelt. © HCB/Loris Bregolato
Plötzlich ein Held: Bozens kurioser Sprung an die Spitze
Die Foxes haben schon wieder geliefert! Mit einem beeindruckenden Kantersieg hat der HC Bozen die Black Wings Linz vom Liga-Thron gestoßen. Der gefeierte Matchwinner war ein Mann, der nur wenige Minuten vor dem Top-Spiel von seinem Einsatz erfahren hat. Es macht diesen Bozner Moment noch besonderer.
18. Oktober 2026
Aus der Sparkasse Arena in Bozen

Von:
Alexander Foppa
5:0! So lautet der Endstand des Spitzenspiels der ICE Hockey League. Der HCB Südtirol Alperia hat Tabellenführer Linz eine ordentliche Abreibung verpasst und sich Platz eins zurückgeholt. Nach der Partie feierten 3.000 Fans einen Spieler, der den denkwürdigsten Abend seiner Karriere erlebte.
Marco Costantini heißt der Bozner Held. Gebürtiger Kanadier, 24 Jahre alt, gerademal 73 Profispiele auf dem Buckel – seine Eishockey-Vita hielt bislang kaum nennenswerte Erfolgsgeschichten parat. Bis an diesem Abend. Ein Abend, der für ihn eigentlich wie gewohnt begann: als Ersatz für Star-Goalie Louis Domingue. Bis sich dieser gegen Ende des Aufwärmprogramms plötzlich ans Bein fasste und kopfschüttelnd in den Katakomben verschwand. Jetzt sollte Costantinis Stunde schlagen.
Marco Costantini sprang kurzfristig für den angeschlagenen Louis Domingue ein. © HCB/Manfred Mair
Der Backup hatte nur wenige Minuten, um sich mental und körperlich auf seinen Starteinsatz vorzubereiten. Doch gerade im ersten Drittel trieb er die Linzer Offensive – immerhin die zweitbeste der Liga – reihenweise zur Weißglut. Am Ende sollte er alle 29 Schüsse auf sein Gehäuse entschärfen und schließlich als Spieler des Spiels ausgezeichnet werden. Es war Costantinis dritter Liga-Einsatz, dabei der dritte Bozner Sieg und sein erstes Shutout.
Mantenuto glänzt, Frick überzeugt
Der Umstand, dass Costantini eine so zentrale Rolle spielte, zeigt: Der Sieg der Foxes war nicht so souverän, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Trainer Upi Karhula baute seine Linien nach dem ersten punktlosen Spiel in Laibach wieder zurück, zudem musste er neben Domingue (das Ausmaß seiner Verletzung ist noch unklar) auch wieder den angeschlagenen Verteidiger Teppo Kivihalme vorgeben.Für den offensivstarken Kivihalme sprang wieder der deutlich defensiver ausgerichtete Noah Frick ein. Der erst 19 Jahre alte Bozner meisterte sein erstes richtiges Heimspiel mit Bravour, mehr noch: Er zeigte gegen die Linzer Star-Stürmer Brady Shaw, Brian Lebler und Co. keinerlei Berührungsängste, gleichzeitig spielte er auch mutig nach vorne. Dort, im Angriff, trat Daniel Mantenuto mit zwei Toren groß in Szene. Der Nationalspieler befindet sich in absoluter Topform. Er hat nach elf Spielen schon fast so viele Treffer zu Buche stehen (fünf) wie in der gesamten Vorsaison (sieben).
Die Schlüsselszenen
| Dauer-Mauer | Das Startdrittel hat einen Protagonisten: Marco Costantini. Der Bozner Schlussmann gewinnt das Eins-gegen-Eins mit Adam Knott und lässt auch alle weiteren Linzer Angriffe abprallen. Er mauert den Bozner Kasten förmlich zu. Nur beim Pfostentreffer von Gerd Kragl steht ihm Glücksgöttin Fortuna zur Seite. |
| Dosenöffner | Auch nach Isaac Ratcliffes 1:0 (14.) tut sich Bozen lange schwer. Erst Daniel Mantenutos schön herausgespieltes Tor zum 2:0 lässt alle Bozner Dämme brechen (33.). Danach trifft Zac Leslie in zweifacher Überzahl sehenswert zum 3:0 (40.). |
| Doppeltorschütze | Im Schlussdrittel avanciert Mantenuto zum zweiten Helden dieses Abends. Nachdem Brad McClure mit einem cool verwandelten Penalty auf 4:0 gestellt hatte (41.), war es der Italo-Kanadier, der aus kurzer Distanz den 5:0-Endstand bestellte und damit seinen persönlichen Doppelpack schnürte (45.). |
Für den HC Bozen war dies der fünfte Sieg im fünften Heimspiel. Und der nächste Auftritt in der Sparkasse Arena wartet bereits: Am Mittwoch ist der HC Innsbruck zu Gast. Der HC Pustertal tritt zeitgleich zuhause gegen Vorarlberg an. Die Wölfe haben an diesem Sonntag in Villach einen spektakulären Comeback-Sieg eingefahren. Italiens dritter ICE-Vertreter, der HC Mailand, beendete seine Negativserie mit einem 3:0 gegen Fehérvár.
HCB Südtirol Alperia – Steinbach Black Wings Linz 5:0
HCB: Costantini; Leslie-Van de Leest, Buono-Larcher, Hillman-Frick; Schneider-Elson-McClure, Ratcliffe-Bradley-Gazley, DiGiacinto-Mantenuto-Gellon, Frigo-Misley-Remolato, Fuchs.Coach: Karhula
Linz: Reder (Burghard); Wimmer-Würschl, Lindner-Moro, Söllinger-Kragl, Shaw-Knott-Erne, Maier-Topping-Lebler, Neubauer-Bliss-Romig, Grüllenberger-Tschofen-Gaffal, Tialler.
Coach: Lukas
Tore: 1:0 Isaac Ratcliffe (13.30), 2:0 Daniel Mantenuto (32.19), 3:0 Zac Leslie (39.59), 4:0 Brad McClure (Penalty/40.47), 5:0 Daniel Mantenuto (45.00)
Zuschauer: 2.942
Die weiteren Sonntag-Spiele:
Villacher SV – HC Pustertal 2:3 n.V. (hier der Bericht)Tore: 1:0 Metzler (05.03), 2:0 Rauchenwald (50.43), 2:1 Fitzgerald (59.16), 2:2 Farrance (59.37), 2:3 Fitzgerald (62.35)
Zuschauer: 2.725
Milano HC - Fehérvár AV 3:0
Tore: 1:0 Madaschi (24.10), 2:0 Caamano (35.52), 3:0 Saracino (52.50)
Zuschauer: 1.440
HC Innsbruck - Olimpija Ljubljana 2:5
Tore: 1:0 Benker (0.18), 1:1 Lawrence (9.50), 1:2 Douglas (35.22), 1:3 Pance (39.12), 2:3 Kernberger (51.27), 2:4 Lawrence (52.27), 2:5 Halbert (59.02)
Zuschauer: 2.000
Ferencvaros TC - Klagenfurter AC 3:2 n.V.
Tore: 1:0 Heljanko (3.05), 1:1 Waschnig (12.36), 1:2 Petersen (15.30), 2:2 Savoie (45.17), 3:2 Savoie (64.28)
Zuschauer: 1.301
| SP | G | U | V | TV | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. HCB Südtirol | 11 | 8 | 0 | 3 | 44:28 | 24 |
| 2. Linz | 12 | 8 | 0 | 4 | 45:33 | 24 |
| 3. Olimpija Ljubljana | 11 | 8 | 0 | 3 | 52:32 | 23 |
| 4. EC Klagenfurt | 12 | 7 | 0 | 5 | 46:36 | 21 |
| 5. Vienna Capitals | 11 | 7 | 0 | 4 | 34:30 | 20 |
| 6. HC Mailand | 12 | 6 | 0 | 6 | 36:36 | 20 |
| 7. HC Pustertal | 10 | 6 | 0 | 4 | 31:27 | 17 |
| 8. Graz99ers | 11 | 6 | 0 | 5 | 30:31 | 17 |
| 9. Ferencvarosi | 10 | 5 | 0 | 5 | 31:34 | 15 |
| 10. HC Innsbruck | 12 | 6 | 0 | 6 | 30:35 | 15 |
| 11. EC Villacher SV | 11 | 4 | 0 | 7 | 29:35 | 14 |
| 12. EC Salzburg | 11 | 4 | 0 | 7 | 33:42 | 13 |
| 13. Fehervar | 12 | 4 | 0 | 8 | 23:39 | 13 |
| 14. Vorarlberg | 12 | 0 | 0 | 12 | 26:52 | 1 |
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