
Die Graz99ers peilen den ICE-Titel gegen Pustertal an. © Marlene Borkenstein
Vor Pustertal-Duell: Graz spuckt große Töne
Am Mittwochabend beginnt das Playoff-Finale in der ICE Hockey League zwischen den Graz99ers und dem HC Pustertal. Vorab gab es große Töne aus der Steiermark.
14. April 2026
Von: apa/dl
Den österreichischen Eishockey-Meistertitel haben die 99ers bereits nach 48 Jahren wieder in die Steiermark zurückgeholt. Nun wollen die Grazer auch im Duell zweier Final-Debütanten in der ICE-Liga gegen Pustertal die Karl-Nedved-Trophäe stemmen und damit Serienchampion Salzburg nachfolgen. Groß ist die Zuversicht in der steirischen Landeshauptstadt, den großen Traum in der „best of seven“-Endspielserie ab Mittwoch (19.45 Uhr) auch zu verwirklichen.
Im zweiten Jahr der Präsidentschaft von Herbert Jerich winkt den Grazern bereits die Krönung in Form des Ligatitels. Diese hatte der Vorgängerverein EC Graz mit drei Finalniederlagen 1992 bis 1994 verpasst. Machen es die 99ers besser als damals „die Elefanten“, wäre es der erste Titel einer Grazer Eishockeymannschaft seit 1978 (ATSE Graz). Im selben Jahr ist Jerich, der einen großen Umbruch in Graz eingeleitet hatte, auf die Welt gekommen. „Es scheint, als wäre ich geboren, um den Titel wieder nach Graz zu holen“, sagte der Club-Boss dieser Tage der Kleinen Zeitung.
Graz-Präsident siegessicher
Die Euphorie in der Steiermark ist groß, der „Bunker“ war im Play-off zum Bersten gefüllt. Das Selbstvertrauen der Beteiligten ist es auch. „Wir haben jetzt zwölf Spiele in Serie gewonnen, von den letzten 20 Spielen nur drei verloren. Da wäre es schon verwunderlich, wenn wir jetzt im Finale vier Spiele verlieren würden“, sagte Jerich.Beide Teams agierten im Play-off bisher souverän. Die Grazer fegten über Villach (4:0) und Fehervar (4:0) jeweils mit einem „sweep“ hinweg, auch Pustertal gab gegen Salzburg (4:0) und Ljubljana (4:1) erst ein Match ab.
„Es wäre schon verwunderlich, wenn wir jetzt im Finale vier Spiele verlieren würden“. Graz-Präsident Herbert Jerich
An der Mur wurde mit großer finanzieller Anstrengung eine Meistermannschaft gezimmert. Jerich trat 2024/25 das Amt mit großen Versprechungen an, die er nach dem Viertelfinalout in der Vorsaison erneuerte. Der CEO eines Speditionsunternehmens, der als Sponsor bereits 2012 während des NHL-Lockout Thomas Vanek als Attraktion nach Graz geholt hat, greift auch durch, wenn er die Notwendigkeit oder eine Chance sieht. Wie im Herbst des Vorjahres, als Trainer Harry Lange dem erfahrenen Dan Lacroix (57) auf der Trainerbank weichen musste.
Lukas Haudum hat in den Playoffs bereits 14 Scorerpunkte geliefert. © APA/EXPA/JOHANN GRODER / EXPA/JOHANN GRODER
„Harry hat sein Bestes gegeben, ich brauchte aber einen Trainer mit dem Gewinner-Gen“, sagte Jerich. Jene Autorität, die mit dem NHL-erprobten Lacroix nun an der Bande steht, könne man mit Gold nicht aufwiegen. „Wenn er etwas sagt, hat das Gewicht. Es gibt einen Grund, warum Spieler wie Lukas Haudum jetzt noch mehr aufgeblüht sind“, erklärte Jerich.
Der Linzer Haudum drückt dem Play-off als Topscorer (3 Tore, 11 Assists) bisher seinen Stempel auf. Gleichsam ist die Last im Angriff auf breite Schultern verteilt – sieben Spieler haben in der Postseason drei Tore oder mehr erzielt. Im Tor ist der ehemalige NHL-Torhüter Maxime Lagacé ein sicherer Rückhalt, der Kanadier fehlte allerdings zuletzt verletzt.
Der Trainer zollt Pustertal Respekt
Während die Grazer immer zum Favoritenkreis gehörten, hatte Pustertal zu Saisonbeginn niemand auf der Rechnung. Graz-Trainer Lacroix aber sieht gute Gründe für die Finalteilnahme des Teams aus Bruneck. „Ihr Team ist richtig gut ausbalanciert. Vom exzellenten Tormann (Eddie Pasquale blieb im Play-off 279 Minuten ohne Gegentor) über gute, harte Verteidiger bis zu sehr soliden, ausgeglichenen Linien. Dazu kommen sie mit viel Speed, sind sehr heimstark.“ Sein Fazit: „Sie haben jedenfalls einige Dinge, die für sie sprechen können.“„Ich erwarte eine lange, enge Serie.“ Graz-Trainer Dan Lacroix
Pustertal würde dem Südtiroler Rivalen HC Bozen (Meister 2014, 2018) als erst zweiter nicht-österreichischer Titelträger der seit 2006/07 länderübergreifenden Eishockey-Liga nachfolgen. Die Grazer, die drei der vier Saisonduelle gewonnen haben, stellen sich auf viel Widerstand ein. „Ich erwarte eine lange, enge Serie“, sagte Lacroix, in dem Wissen, dass auch Marathon-Matches über mehr als 60 Minuten drohen. „Daher versuchen wir das Team auf jedes mögliche Szenario vorzubereiten. Unser Mindset muss auf jede Eventualität programmiert sein“, meinte Lacroix.
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