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Der HC Orli Znojmo hat in der vergangenen Saison auch dem HC Bozen (hier Alex Trivellato) einige Probleme auf dem Eis bereitet. © Leo Holzknecht / Kamila Chmel / Orli Znojmo

Znjomo-Aus in der ICE: Die wahren Hintergründe aus Sicht der Tschechen

Neben den Dornbirn Bulldogs hat die ICE Hockey League mit dem HC Orli Znojmo einen weiteren Vertreter verloren. Die Tschechen haben sich nach nur einem Jahr entschlossen, die Liga wieder zu verlassen. Offiziell aus finanziellen Gründen – doch das ist offenbar nur die halbe Wahrheit. Präsident Pavel Ohera malt ein anderes Bild von der ICE.

Znojmo habe seit der Corona-Pandemie finanzielle Schwierigkeiten, so der Tenor der ICE nach dem Rückzug der Tschechen. In einem Interview von Klubpräsident Pavel Ohera mit dem Onlineportal hokej.cz hört sich die Geschichte aber anders an.


Die finanziellen Mittel seien nicht der Hauptgrund für den Znojmo-Rückzug in der ICE, so Ohera. Vielmehr gehe es darum, das die Liga keine langfristige Perspektive bieten könne – weder finanziell noch sportlich. „Der Ausstieg der Erste Bank hat die Wettbewerbs-Situation verschlechtert. Wir sind uns nicht sicher, ob die Liga die kommenden Jahre überlebt“, so der Tscheche. Konkret meint er damit, dass die finanzielle Kluft zwischen den Vereinen enorm gestiegen sei, weil es vom neuen Liga-Hauptsponsor nicht mehr so viel Geld für jeden einzelnen Teilnehmer gibt. Seinen eigenen Verein nennt er als Beispiel: „Um mit den Etats von Salzburg, Wien oder Klagenfurt mithalten zu können, fehlen uns 100 Millionen Kronen (ca. 4 Millionen Euro; Anm. d. Red.).“ In der abgelaufenen Saison habe Znojmo ein Budget von 1,6 Millionen Euro gehabt und damit das Playoff erreicht.

Tschechische Liga als Alternative
In der kommenden Saison spielt Znojmo daher wieder in der 3. Liga in Tschechien. Allerdings nur, weil der Klub keine Lizenz für die Chance Liga (2. Liga) oder die Extraliga (1. Liga) ergattern konnte. „Aktuell gibt es keine Lizenzen zu kaufen“, so Ohera. Er will mit Znojmo schon kommende Saison aufsteigen. „Mit 40 Millionen Kronen wären wir in der Chance Liga überdurchschnittlich gut aufgestellt. Wir könnten darüber nachdenken, in die Extraliga aufzusteigen“, so der Klubpräsident.

Im Gegensatz zur ICE gäbe es in der tschechischen Eliteliga pro Klub eine Förderung von rund 600.000 Euro, so Ohera. Innerhalb von drei Jahren will man deshalb versuchen, den Sprung in die Extraliga zu schaffen. In der Zwischenzeit will man übrige Budget in die Modernisierung der Eishalle stecken. Zudem sollen den Fans günstigere Saisonkarten angeboten werden. An eine neuerliche Rückkehr in die ICE Hockey League denkt man in Znojmo offenbar nicht mehr. Es ist aber auch kaum denkbar, dass man die Tschechen nach diesen brisanten Aussagen ihres Präsident noch einmal mit offenen Armen empfangen würde.

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Kommentare (1)

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Martin Senoner [melden]

MIr kommt vor, dass er Recht hat.

09.05.2022 11:14

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