
Jannik Sinner ist der erste Wimbledon-Sieger aus Italien. © APA/afp / HENRY NICHOLLS
„Dann ist Sinner ein Amateur“: Empörung in Italiens Sport
Als wäre Italiens blamables Verpassen der WM nicht schlimm genug, hat der ranghöchste Fußballfunktionär des Landes mit einer Aussage für Empörung in der Sportlandschaft gesorgt.
01. April 2026
Von: det
Das große Fußballland Italien liegt in Trümmern – wieder einmal! Am Dienstag haben die Azzurri im Playoff-Finale gegen Bosnien-Herzegowina zum dritten Mal in Folge die Weltmeisterschaft und somit das wichtigste Fußballturnier des Planeten verpasst. Die Enttäuschung, der Frust, die Scham sind im Stiefelstaat riesig. Und das alles wird nach den jüngsten Aussagen von Gabriele Gravina nicht kleiner.
Der Boss des italienischen Fußballverbandes FIGC hat auf der Pressekonferenz nach dem Spiel groteske Worte gewählt. Auf die Frage, warum Italien in allen anderen Sportarten wächst, nur im Fußball nicht, antwortete der 72-Jährige: „Der Fußball ist ein professioneller Sport, die anderen sind alles Amateursportarten. Wir sollten also Vergleiche auf einer fairen Grundlage machen, da bei Amateursportarten Entscheidungen getroffen werden können, die im Profisport nicht möglich sind. Viele dieser Sportarten sind staatlich gefördert, wie der Wintersport: Abgesehen von Arianna Fontana sind das alles Staatsangestellte.“
Es sind Worte, die nach einem Aprilscherz klingen, es aber nicht sind. Und so dauerte es nicht lange, bis eine Empörungswelle losrollte – und zwar nicht nur von den Fans, sondern auch von den Sportlern und Sportlerinnen direkt. „Wenn der Fußball ein Profisport ist, dann ist Sinner also ein Amateur. Weiter so“, kommentierte Biathlon-Star Tommaso Giacomel mit viel Sarkasmus in einer Instagram-Story.
„Ich trainiere mehr als ein Fußballer und verdiene weniger als ihre Köche und Kindermädchen.“ Boxerin Irma Testa
Klare Worte gibt es auch von Irma Testa, der Frau, die 2021 in Tokio als erste italienische Boxerin eine Olympia-Medaille holen konnte. „Die wahren Profis sind wir, die für unser Land antreten und gewinnen, und dann Millionären zuschauen müssen, die eine erbärmliche Figur abgeben“, schrieb Testa auf Social Media und fügte an: „Ich trainiere mehr als ein Fußballer und verdiene weniger als ihre Köche und Kindermädchen.“
Der Kommentar von Irma Testa. © ANSA / INSTAGRAM/IRMA TESTA
Gregorio Paltrinieri, fünffacher Olympia-Medaillengewinner im Schwimmen, hielt sich ebenfalls nicht zurück: „Verlieren gehört zum Sport dazu, es kann passieren. Wenn ich aber verliere, dann denke ich als Erstes an mich und mache eine Analyse, was ich falsch gemacht habe, und ziehe nicht andere hinein.“ Weitspringer Mattia Furlani findet, dass Gravinas Worte eine „Beleidigung des Fußballs, aber auch aller anderen Sportarten sind. Das killt die Werte des Sports.“
Für die wohl amüsanteste Antwort sorgte Gianmarco Tamberi. Der Hochsprung-Olympiasieger von 2021 stellte eine Fotomontage ins Netz, auf der Italiens Nationalmannschaft zu sehen ist – allerdings mit Gesichtern aus anderen Sportarten. So lachen auf dem Foto Sportgrößen wie Marcell Jacobs (100-Meter-Olympiasieger), Jannik Sinner (vierfacher Grand-Slam-Champion), Kimi Antonelli (Formel-1-Sieger), Tamberi selbst, Federica Brignone (Ski-Königin) oder Marco Bezzecchi (MotoGP-Star). „Amateure ohne Plan“, so Tamberis ironischer Kommentar zu seinem Foto.
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