a Frauenfußball

Siegtorschützin Chloe Kelly riss sich nach ihrem Treffer das Trikot vom Leib. © ANSA / Neil Hall

Englands Fußballerinnen steigen auf Europas Thron

Was für ein Spektakel im Fußball-Tempel Wembley. England und Deutschland liefern sich vor der EM-Rekordkulisse ein großes Duell - mit einem Happy End für die Gastgeberinnen. Das DFB-Team musste dabei ohne die verletzte Kapitänin Alexandra Popp auskommen.

Englands Frauen-Fußball-Nationalteam hat die titellose Zeit am Sonntag endlich beendet. Die Gastgeberinnen behielten im Finale im Londoner Wembley Stadium gegen Rekordchampion Deutschland knapp mit 2:1 nach Verlängerung die Oberhand und krönten sich damit zum ersten Mal zum Europameister. Englands Teamchefin Sarina Wiegman gelang das Kunststück, nach 2017 noch mit dem damaligen Turnier-Ausrichter Niederlande zum zweiten Mal in Folge den EM-Titel als Trainerin zu holen.


Ella Toone (62.) brachte die Engländerinnen voran, Lina Magull (79.) rettete Deutschland in die Verlängerung. Dort avancierte mit Chloe Kelly (110.) eine Wechselspielerin zur Matchwinnerin, sie riss sich beim Torjubel euphorisiert das Trikot vom Leibe. Erfreut war auch ein Großteil der 87.192 Zuschauer, die für eine neue EM-Rekordkulisse sorgten, nachdem die bisherige Bestmarke beim Eröffnungsspiel von England gegen Österreich (1:0) mit 68.871 Fans am 6. Juli im Old Trafford Stadium aufgestellt worden war.

Hier trifft Kelly (in weiß) zum 2:1. © ANSA / Neil Hall


Nach den Finalniederlagen 1984 (noch in zwei Matches gegen Schweden) sowie 2009 gegen Deutschland (2:6) waren für die Engländerinnen aller guten Dinge drei. Sie fixierten den ersten großen Titel für ein englisches Team seit der Männer-WM im eigenen Land 1966. Deutschland ging hingegen nach dem Viertelfinal-Out 2017 neuerlich leer aus, nachdem zuvor gleich sechs der bisher acht Triumphe am Stück eingefahren worden waren.
Deutschland-Schock schon vor dem Spiel
Wiegman setzte auf ihre altbewährte Formation, die auch beim Halbfinal-4:0 gegen Schweden begonnen hatte. Bei den Deutschen gab es einen zusätzlichen bitteren Ausfall. Alexandra Popp, die zuvor in jeder Partie und insgesamt sechsmal getroffen hatte, musste nach dem Aufwärmen wegen muskulärer Probleme passen. Dafür rückte mit Lea Schüller jene Stürmerin in die Startelf, die vor Turnierbeginn eigentlich als vorne gesetzt galt, dann aber wegen einer Coronavirus-Infektion keine Rolle gespielt hatte.

Die Enttäuschung war bei Deutschland groß. © APA/afp / FRANCK FIFE


Die Engländerinnen ließen die Möglichkeit für einen Traumstart aus. Rekordtorschützin Ellen White kam am Fünfer zum Kopfball, konnte Merle Frohms aber nicht bezwingen (3.). Die 33-jährige Manchester-City-Akteurin hätte auch mit dem Fuß vorlegen können, ihr Abschluss aus 13 Metern ging knapp über das Gehäuse (38.). Sonst blieben Topchancen aus, beide Teams waren taktisch sehr gut eingestellt und kämpften vehement um jeden Ball. Der Spielfluss litt darunter.
England trifft, Deutschland antwortet
Nach Wiederbeginn übten die Deutschen sehr viel Druck aus und drängten auf die Führung. Die eingewechselte Tabea Waßmuth schloss zu schwach ab (48.), zudem fehlte bei einem Magull-Schuss nicht viel (50.). Ausgerechnet in der besten Phase der Truppe von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg legten die Gastgeberinnen vor. Das dank einer kurz zuvor erst gekommenen Wechselspielerin. Nach einem Idealzuspiel von Keira Walsh in den Lauf von Toone, überhob diese Frohms sehenswert. Auch Prinz William war da auf der Tribüne das Lächeln ins Gesicht geschrieben.

Rekord-Kulisse im Wembley-Stadion. © APA/afp / LINDSEY PARNABY


Die Deutschen hätten beinahe gleich zurückgeschlagen. Magull hatte bei einem Aluminiumtreffer Pech, der Nachschuss der farblos geblieben Schüller fiel zu schwach aus (66.). Den Ausgleich leiteten mit Sydney Lohmann und Waßmuth zwei „Joker“ ein, Magull verwertete am Fünfer kaltschnäuzig. Der „Lucky Punch“ blieb dann aus, damit waren für beide Teams Überstunden angesagt.

Dort deutete lange vieles auf ein Elfmeterschießen hin, ehe England nach einer Standardsituation traf. Nach einem Hemp-Corner brachte Lucy Bronze den Ball aufs Tor, der konnte von Kathrin-Julia Hendrich nicht geklärt werden und Kelly staubte aus kurzer Distanz ab – der Siegtreffer.

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