Sieg per Münzwurf: Unglaubliche Szenen bei Obermais-Spiel

Die Obermaiser Fußball-Damen spielen eine außergewöhnliche Saison. Nun wurde diese durch ein schier unglaubliches Kapitel reicher.

Eigentlich ist es für Chiara Tulumello reine Routinesache, wenn sie vom Schiedsrichter gefragt wird: „Kopf oder Zahl?“ Die Mittelfeldspielerin ist Kapitänin der Obermaiser Damen und deshalb auch geübt darin, sich für eine Seite der ominösen Münze zu entscheiden. Keine große Sache, immerhin geht es in den meisten Fällen nur um die Platzwahl. Schlimmstenfalls spielt man in der ersten Halbzeit also gegen die flach einfallende Sonne oder den ungünstig wehenden Wind. Lappalien im Vergleich dazu, was am gestrigen Sonntag auf dem Spiel stand, als sich Tulumello neben dem Schiedsrichter postierte und die oben zitierte Frage gestellt bekam. Das Viertelfinale des Italienpokals der Oberliga-Damen musste nämlich mit einem Münzwurf entschieden werden.


Aber der Reihe nach. Die Obermaiser Fußball-Damen haben heuer eine grandiose Saison gespielt. Sie gewannen nicht nur die Meisterschaft, sondern auch den heimischen Italienpokal. Folglich ging es für sie in die nationale Phase. Dort sollte in einem Dreierkreis mit Parma und Villorba der Halbfinalist ermittelt werden. Mit Betonung auf sollte, denn: Die Fußballerinnen von Villorba befinden sich noch im Aufstiegs-Playoff und stellten gleich klar, dass sie im Pokal nicht antreten werden. Also wurden die Spiele gegen die Venetierinnen jeweils mit 3:0 für Obermais und Parma gewertet.

In der Halbzeit fragte der Schiri beim Verband nach
Diese beiden Mannschaften mussten sich somit den Halbfinalisten ausmachen. Nur: Was passiert, wenn das Spiel Remis ausgeht? Immerhin hätten beide Mannschaften dann gleich viele Punkte und gleich viele Tore auf dem Konto. Eine Frage, deren Antwort auch inmitten des Spiels händeringend gesucht wurde. Als es nämlich mit einem 1:1 in die Pause ging, tat sich Schiedsrichter Paccagnella aus Bologna nach Rat um. „Er hat in der Halbzeitpause den Verband angerufen und gefragt, wie bei einem Remis nach 90 Minuten verfahren werden soll. Die Antwort: Ein Münzwurf sollte entscheiden“, weiß Anna-Katharina Peer, Stürmerin von Obermais.

Trotz des unglücklichen Endes posierten beide Mannschaften für ein Foto.


Wie es der Zufall will, endete das Match tatsächlich unentschieden. Die eben erwähnte Peer brachte Obermais zwei Mal in Führung, doch Parma glich stets aus. Und so stand nach 90 Minuten ein 2:2 zu Buche. Was jetzt? Schiri Paccagnella klingelte – auch auf Drängen der beiden Teams – erneut zum Verband durch, der bekräftigte: Die Münze muss entscheiden. Sehr zum Ärger der beiden Mannschaften, die darauf pochten, das Match mit einer Verlängerung und einem eventuellen Elfmeterschießen zu Ende zu spielen.

Eine 15-minütige Diskussion verstrich nach dem Schlusspfiff, bis die Fußballerinnen schließlich einlenken mussten. Die beiden Kapitäninnen wurden also zum Schiedsrichter zitiert, die Vize-Spielführerinnen ebenfalls, denn sie mussten als Zeuginnen dienen. „Kopf oder Zahl“, wird die Obermaiserin Chiara Tulumello vom Unparteiischen gefragt. „Zahl“, sagt sie. Ein Schnipser des Referees, eine Grosche, die durch die Luft taumelt, zu Boden fällt – und tatsächlich „Zahl“ anzeigt. Sieg per Münzwurf.
Tränen sind geflossen
Während Obermais also im Halbfinale steht, flossen bei einigen Parma-Spielerinnen die Tränen. Verständlich, denn wer auf diese Art und Weise aus einem Bewerb fliegt, der darf sich ungerecht behandelt fühlen. Eine unglückliche Figur des Verbandes, der aus dem Dreierkreis, der de facto keiner war, auch ein klassisches Viertelfinale hätte machen können.

So hat der Obermaiser Halbfinaleinzug jedenfalls einen faden Beigeschmack, auch wenn die Blau-Weißen selbst nichts dafür können. In der Vorschlussrunde wartet nun Lumezzane, gespielt wird am kommenden Sonntag auf neutralem Boden. So, wie es auch gegen Parma hätte sein können.

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