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Ein gewohntes Bild in jüngster Vergangenheit: Max Reinthaler mit Krücken

Reinthaler: „Der Profifußball ist ein knüppelhartes Geschäft“

Max Reinthaler ist 22 Jahre alt und Fußballprofi beim FC Augsburg. Seine Karriere verläuft allerdings ganz anders, als die so manch anderer junger Kicker. Er ist viel rumgekommen, lief für Udinese in der Europa League auf, spielte zwischendurch mal für den bayrischen Dorfklub TSV Gersthofen und Rydaholm GOIF in Schwedens fünfter Liga. Im stetigen Auf und Ab seiner Laufbahn gibt es bislang nur eine Konstante: Die Verletzungen. Zurzeit hält ihm ein Kreuzbandriss das Tor zur Bundesliga verschlossen. Wir haben mit Reinthaler während eines Heimatbesuchs in Algund gesprochen.


Max Reinthaler, vor einem Jahr waren Sie auf dem Sprung ins deutsche Fußballoberhaus, seitdem hat sich allerdings vieles geändert. Schildern Sie uns Ihre Situation?

Aufgrund eines Sehnenrisses habe ich das erste Saisondrittel in der Regionalliga verpasst, dann kamen auch noch muskuläre Probleme hinzu. Ausgerechnet, als ich mit Augsburgs zweiter Mannschaft so richtig durchstarten wollte, habe ich mir im ersten Spiel gegen Unterhaching das Kreuzband gerissen. Das war vor einem Monat. Mittlerweile bin ich wieder auf dem Weg zurück, doch die Saison 2016/17 ist eine zum abhaken.“


Sie haben 17 der letzten 24 Monate entweder im Krankenbett, in der Reha oder im Individualtraining verbracht, dabei sollte doch gerade jetzt Ihr Stern so richtig aufgehen. Wie sehr nagt das an einem?

Die Diagnose Kreuzbandriss war für mich wirklich ein Schlag ins Gesicht. Ich war völlig am Boden und brauchte erst einmal ein paar Tage, um mich wieder richtig aufzuraffen. In dem Moment waren mir meine Mannschaftskollegen und meine Familie eine große Hilfe. Sie haben mich auf andere Gedanken gebracht und mir einmal mehr gezeigt, dass es wichtigere Dinge gibt als den Fußballsport. Zugute kam mir auch, dass ich – wohl auch aufgrund meiner Erfahrung mit Leidenszeiten – eine positive Grundeinstellung entwickelt habe, die mich schnell wieder zum Weitermachen motiviert.“


Ist das Kapitel Bundesliga für Sie vorerst geschlossen?

„Nein, das Ziel in einer der besten Ligen der Welt zu spielen, habe ich weiter klar vor Augen. In dieser Situation von Bundesliga zu sprechen, wäre jedoch vermessen. Ich will schnell wieder fit werden und noch besser zurückkommen. Bislang habe ich unmittelbar nach meinen Verletzungspausen stets einen Leistungssprung gemacht. Das will ich auch zur kommenden Saison wieder hinbekommen.“


Allerdings hat sich beim FC Augsburg in der Zwischenzeit vieles gewandelt…

Das stimmt. Früher hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu Coach Markus Weinzierl, dem ich auf diesem Wege weiterhin viel Glück auf Schalke wünsche. Doch auch zum aktuellen Trainer Manuel Baum habe ich einen guten Draht. Er kennt mich aus seiner Zeit als Jugendkoordinator. Ich hoffe, er hält mit dem FCA die Klasse, denn mit ihm steigen auch die Einsatzchancen junger Nachwuchsspieler.“


Sie haben in Augsburg noch Vertrag bis Sommer 2018. Denken Sie bereits an die Zeit danach?

„Ich bin sehr froh, dass ich noch ein Jahr an den FCA gebunden bin. Das gibt mir die Chance, mich behutsam heranzutasten und mich mit guten Leistungen in der Regionalliga für die erste Mannschaft zu empfehlen. Von unserem U23-Trainer Christian Wörns (ehemaliger deutscher Meister mit Dortmund und 66-facher Nationalspieler, Anm.d.R.) kann ich noch sehr viel lernen. Langfristig kann es jedoch nicht mein Ziel sein, in der vierten Liga zu spielen. Ich will ganz nach oben und würde dafür auch einen Umweg über die dritte oder zweite Liga bzw. das Ausland nehmen.“


Apropos Ausland: Ihr Weg führte sie bereits von Italien über Deutschland bis in die schwedische Provinz. Mit Verlaub, eine gezielte Karriereplanung sieht wohl anders aus…

„Da haben Sie recht. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie es zu diesen ganzen Transfers gekommen ist. Wenn ich daran denke, dass ich mit 17 Jahren in der Europa League gegen den FC Liverpool ran durfte und wo ich danach überall die Fußballschuhe geschnürt habe, dann muss ich eingestehen, dass beileibe nicht alles rund lief.“


Wurden Sie schlecht beraten?

„Das mit Sicherheit. Als junger Spieler wird man von Leuten benutzt, die das große Geld riechen und dabei den Menschen, der hinter einem Sportler steckt, völlig vergessen. Ich will jedoch niemanden anschwärzen oder alte Wunden aufreißen.“


Ist die große Fußballbühne also eine Scheinwelt?

„Nein. Der Profifußball ist zwar ein knüppelhartes Geschäft, andererseits ermöglicht er mir aber, meinen ganz großen Traum zu leben: Fußball zu meinem Beruf zu machen und Tag für Tag unbeschreibliche Emotionen auf dem Platz erleben zu dürfen. Ich habe gelernt, mit den Schattenseiten richtig umzugehen und mir immer wieder selbst zu sagen: ´Kopf hoch und weiter…´“



Fragen: Alexander Foppa

Autor: sportnews

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