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Norwegens Sander Sagosen (Bildmitte) reist mit Norwegen zur Handball-WM. © APA/afp / JONATHAN NACKSTRAND

Sigi`s Spitzen: Ein Mammutturnier wider alle Vernunft

Sigi Heinrich gilt in Deutschland als einer der bekanntesten TV-Kommentatoren. Seit mehreren Jahrzehnten ist er die Stimme von Eurosport, wobei er besonders gerne über Biathlon berichtet. Heinrich verbringt viele Wochen im Jahr in Südtirol – und befüllt seit einiger Zeit seine eigene SportNews-Rubrik. Heute geht es um die anstehende Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten, die aufgrund der globalen Corona-Situation kritisch beobachtet wird.

Beschränkungen, Verbote, Warnhinweise, Empfehlungen. Auch Ratschläge gibt es, wie wir uns in diesen Corona-Zeiten verhalten sollen oder müssen. Es ist ein zweifellos dichtes Gewirr an Verordnungen und eine international koordinierte Gemeinsamkeit beim Kampf gegen das Virus scheitert schon in Ansätzen an der europäischen Kleinstaaterei, die hineinreicht bis in die kleinsten Ecken. Nicht mal die verschiedenen Länder von Skandinavien bis Griechenland sind in der Lage zu einheitlichen Maßnahmen. Jeder ist sich gerade selbst der Nächste und der Kampf um den Impfstoff verstärkt die Rivalität untereinander noch. Klar ist: Kontakte sollen tunlichst vermieden oder zumindest beschränkt werden. Doch die Erkenntnis und die Umsetzung driften meilenweit auseinander. Und wir bekommen das täglich auch anschaulich präsentiert. Während Kitas und Schulen schließen, macht der Sport, der Profisport wohlgemerkt, einfach weiter. Immer weiter. Mit dem Verzicht auf Zuschauer und Hygienekonzepte verbunden mit ständigen Tests glaubt man, genug getan zu haben, um Verständnis zu generieren in der Bevölkerung. Es ist ein fatales Zeichen, keines das die Sorgen der Menschen lindern würde und schon gar nicht denen Kraft und Zuversicht gibt, deren berufliche Existenz gerade wegbricht.

Das Virus sitzt im Flieger
Profisportler zu sein ist in diesen Tagen ein sicherer Job, wobei damit Beschäftigungssicherheit gemeint ist. Gegen Corona ist dennoch niemand gefeit, egal in welcher Sportart. Im Mittelpunkt wird in den nächsten Wochen neben dem Wintersport auch die Handball-Weltmeisterschaft stehen. Gerade eben wurden zehn Akteure der tschechischen Mannschaft mit einem positiven Corona-Test konfrontiert. Im Grunde müsste das ganze Team jetzt in Quarantäne gehen und statt 32 Teams wären nur noch 31 Mannschaften in Ägypten am Start. Die Tschechen sind in Gruppe G eingeteilt mit den Gastgebern, Chile und Schweden. Das ist jetzt übrigens kein Tippfehler. Jawohl: 32 Mannschaften reisen in vier Städte in Ägypten, jetzt, wo die ganze Welt ein Corona-Hotspot zu sein scheint. Das deutsche auswärtige Amt hat eine Teilreisewarnung und eine Covid-19-bedingte Reisewarnung ausgegeben. Egal. Das Virus sitzt im Flieger. Nicht angeschnallt und es ist wohl in höchstem Maße naiv zu glauben, dass man mit 32 Teams (falls die Tschechen noch ein paar gesunde Spieler finden) eine Blase bilden kann, die Sicherheit gewährleistet. Wie fahrlässig im Grunde der Veranstalter geplant hatte, geht ja schon aus der Tatsache hervor, dass man erst auf Drängen einiger prominenter Spieler auf Zuschauer verzichtet. Ursprünglich war eine Auslastung in den Hallen von 20 Prozent geplant.

Das zumindest ist jetzt vom Tisch, was vor allem den Präsidenten der Internationalen Handball-Föderation (IHF) ziemlich treffen wird. Hassan Moustafa heißt er und ja, er ist Ägypter und seine autoritäre Amtsführung gleicht jener vieler seiner Kollegen in führenden Ämtern des Sports. Eine Absage dieser aufgeblähten Weltmeisterschaft, die ein Gebot der Stunde wäre, ist schon deshalb ins Reich der Fabel zu verweisen. Immerhin verzichten einige deutsche Nationalspieler, weil sie zurecht sagen, sie müssen in dieser schweren Zeit bei ihren Familien bleiben und können nicht drei Wochen in Ägypten so tun, als wäre alles normal. Viel mehr hätten das tun sollen. Wenn nur die Hälfte der Verbände auf die Teilnahme verzichtet hätte, wäre das schon ein Zeichen internationaler Verantwortung gewesen. So aber lautet das Motto: Weiter so. Der Kelch, prall gefüllt mit vielleicht schon mutierten Viren, wird schon an uns vorübergehen. Dass diese Hoffnung nicht nur trügerisch ist, sondern völlig weltfremd, machen uns die Corona-Zahlen täglich deutlich.

Autor: sigi heinrich

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