S+
Scott Valentine zieht es von Bozen in Richtung Mailand. © Vanna Antonello

h ICEHL

Scott Valentine zieht es von Bozen in Richtung Mailand. © Vanna Antonello

Fischt Mailand in Südtiroler Gewässern?

Es war der große Knall zu Wochenbeginn: Der HC Milano steigt in die ICE Hockey League ein. Jetzt wird in der Modemetropole eifrig am neuen Kader gebastelt – und die heimische Eishockeyszene schaut gebannt zu.

Fakt ist: Mit Mailand hat das italienische Eishockey einen absoluten Traditionsstandort zurück, einen mit glorreicher Vergangenheit und großer Strahlkraft. Ob der schlafende Riese allerdings zum Leben erwacht, muss sich erst in den kommenden Wochen zeigen.


Zum einen ist dem HC Milano der Rückhalt der großen Mailänder Eishockey-Fangemeinde noch nicht sicher. Vertreter der aktiven Fanszene hoffen, die nächsten genaueren Details zum Projekt zu erfahren. Zum anderen ist die Zusammensetzung des Kaders für den Erfolg des Mailand-Comebacks entscheidend. Und hier laufen die Arbeiten auf Hochtouren.

Partnerverein in der Schweiz

Gelenkt werden diese Arbeiten vom Krypto-Investorenunternehmen House of Doge und dem Sterzinger Vereinspräsidenten Christof Leitner. Die Strippenzieher hinter den Kulissen sind aber der frühere Bozen-Trainer und heutige Spielervermittler Pat Curcio, der designierte Sportdirektor Viktor Szelig und Berater Chris McSorley. Letzterer ist Trainer und Manager beim Schweizer Zweitliga-Meister HC Sierre, mit dem die Mailänder künftig eng zusammenarbeiten werden.

Aus der Partnerschaft mit dem Klub aus dem Wallis wird Mailand wohl auch die ersten Transfers ziehen. Die jungen italienischen Nationalspieler Niccolò Mansueto und Pietro Albis Olmo standen vergangene Saison bei Sierre im Einsatz und könnten künftig südlich der Grenze Spielpraxis sammeln. Darüber hinaus sucht Mailand weiter nach italienischen Talenten, die zurzeit in der Schweiz aktiv sind.
„Bislang läuft alles fair ab“ HCP-Sportdirektor Patrick Bona

Und in Südtirol? Dort werden die Mailänder Transferaktivitäten bisweilen mit Argusaugen beobachtet. Denn eines ist klar: Der Teich, aus dem heimische Spieler und Italos gefischt werden, ist klein. „Konkurrenz belebt das Geschäft, so ist das“, sagt Pustertals Sportdirektor Patrick Bona, „Ob die Spielergehälter durch Mailands Liga-Einstieg nach oben gehen werden, muss sich erst noch zeigen.“ Bislang habe Mailand jedenfalls bei keinem Spieler angeklopft, mit dem Pustertal in Verhandlungen steht oder der seine Absicht zum Verbleib in Bruneck angedeutet hat. „Da läuft bislang alles fair“, so Bona.

Der HC Pustertal hat allerdings auch vorgesorgt und noch vor dem offiziellen Einstieg Mailands das Gros seines Kaders zusammengestellt. Einen Teil davon hat die Klubführung bereits offiziell bestätigt, weitere werden die nächsten Tage folgen.

Nationalspieler Matt Bradley hat noch keinen neuen Vertrag. © ANSA / CYRIL ZINGARO

Nationalspieler Matt Bradley hat noch keinen neuen Vertrag. © ANSA / CYRIL ZINGARO


Anders ist die Situation in Bozen. Dort hat man bislang nur die Vertragsverlängerungen mit Brad McClure und Cole Schneider verkündet. Zwar darf man vom festen Verbleib weiterer Spieler ausgehen (Enrico Larcher, Daniel Mantenuto, Bryce Misley), andere dagegen könnten dem Lockruf aus Mailand folgen.

Bei Bozens First-Line-Stürmer Matt Bradley steht eine Entscheidung noch aus, ebenso bei Cristiano DiGiacinto. Pascal Brunner optiert gerade zwischen einem Verbleib und einem Wechsel in die Schweiz. Alles drei Nationalspieler. Bei allen Dreien könnte der HC Milano vorstellig werden. So wie er das bei Scott Valentine gemacht hat. Der Abwehrroutinier ist beim HCB längst nicht mehr unumstritten – was ihn für den neuen Konkurrenten schmackhaft macht. Gespräche laufen.

Erste Deals sind fix

Den Weg von Südtirol in die Lombardei könnte auch Diego Cuglietta einschlagen, der die vergangenen zwei Jahre in der Alps Hockey League ein Punktegarant der Rittner Buam war. Der ehemalige Meraner Nick Rein, Asiago-Stürmer Nicholas Porco und Nationaltorhüter Jake Smith (zuletzt in Frankreich) sollen in Mailand ebenfalls auf dem Zettel stehen. Der frühere Bozner Giordano Finoro (zuletzt in Schottland) und Nationalspieler Gregorio Gios (Asiago) haben bereits unterschrieben.

Übrigens: Auch als Trainer ist ein alter Bekannter im Gespräch, nämlich der letztjährige Bozen-Coach und Curcio-Freund Doug Shedden. Ob er es wird oder ein anderer – die Trainerpersonalie dürfte wohl als Erstes geklärt werden. Bereits die nächsten Tage sollen jedenfalls die ersten neuen Gesichter des HC Milano präsentiert werden. Dann dürfte auch in Südtirol ganz genau hingeschaut werden.

Kommentare (0)

Bestätigen Sie den Aktivierungslink in unserer E-Mail, um Ihr Konto zu verifizieren und Kommentare zu schreiben. Aktivierungslink erneut senden
Vervollständigen sie Ihre Profil-Angaben, um Kommentare zu schreiben.
Profil bearbeiten

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2026 First Avenue GmbH