
Den Finaleinzug vor Augen: Raphael Andergassen und der HCP sind voll fokussiert. © Markus Ranalter
Eine Watschn und ihre Folgen: Das Geheimnis des HC Pustertal
Der HC Pustertal schreibt gerade ein Eishockey-Märchen, wie man es in Südtirol seit langem nicht mehr gesehen hat. Doch was steckt hinter dieser unglaublichen Erfolgsgeschichte? Wir haben in Bruneck nachgefragt.
03. April 2026
Aus Bruneck

Von:
Alexander Foppa
Seit Wochen sorgt der HC Pustertal in der ICE Hockey League für Staunen. Als Sechster qualifizierten sich die Brunecker eher unspektakulär für die Playoffs – doch seitdem ist in der Intercable Arena plötzlich alles anders.
Die Wölfe überzeugen mit unglaublichem Zusammenhalt, kompromissloser Einsatzbereitschaft und einer Mischung aus Disziplin, Kaltschnäuzigkeit und dem nötigen Quäntchen Glück. Die Bilanz ist beeindruckend: vier Siege gegen Meister Salzburg, drei gegen Ljubljana – keine Niederlage, nur sieben Gegentore in sieben Spielen. Das Finale ist zum Greifen nah, der HCP plötzlich ein Titelkandidat.
„Hier lehnt sich niemand zurück. Wir sind hungrig.“ HCP-Kapitän Raphael Andergassen
Doch wie kam es zu dieser Entwicklung? Was hat sich vor den Playoffs verändert? Nach dem dritten 3:0 gegen Olimpija haben wir in der Intercable Arena mit den langjährigen Leistungsträgern Raphael Andergassen und Matthias Mantinger gesprochen. Schnell stellte sich dabei eine andere Frage: War dieser Erfolg wirklich so überraschend?
Mit einem Mantra von Erfolg zu Erfolg
Die beiden Routiniers wirkten jedenfalls alles andere als erstaunt. „Das klingt vielleicht komisch, aber wir waren überzeugt, dass wir Salzburg schlagen würden“, sagt Mantinger. „Aufgrund der Ergebnisse im Grunddurchgang sind wir mit viel Selbstvertrauen ins Duell gegangen. Ähnlich ist es jetzt mit Ljubljana. Aber Achtung: Noch haben wir nichts geschafft!“Dieses „Noch haben wir nichts geschafft“ wird in Bruneck seit dem 10. März, dem Tag des ersten Playoff-Siegs, mantramäßig in jedem Interview wiederholt. Das zeigt auch: Im Pustertal gibt man sich mit dem Erreichten gewiss nicht zufrieden, voller Fokus nach vorne! „Genau so ist es“, sagt Kapitän Andergassen mit scharfem Ton, „wir sind noch lange nicht am Ziel. Der Verein hat viel Geld in dieses Team investiert, wir haben hart gearbeitet. Hier lehnt sich niemand zurück. Wir sind hungrig.“
Jetzt ab ins Finale: Matthias Mantinger gibt die Marschrichtung vor. © HCP
Doch auch wenn der HCP budgetmäßig aufgerüstet hat, die Mannschaft über große Qualität verfügt und die Spieler alles geben – es bleibt die Frage nach dem Grund für die plötzliche Leistungsexplosion. „Vielleicht hat man es in der Regular Season nicht immer gesehen, aber hier ist etwas zusammengewachsen“, erklärt Mantinger. Andergassen ergänzt: „Jeder kämpft für jeden. Dazu kommt wachsendes Selbstvertrauen – und in entscheidenden Momenten auch das Glück des Tüchtigen.“
„Ich habe wochenlang jeden Tag immer wieder dran gedacht.“ Matthias Mantinger über das 2:7 im Derby in Bozen
Einen klaren Wendepunkt habe es eigentlich nicht gegeben, sagen beide zunächst. „Oder doch?“, platzt es nach langer Überlegungszeit aus Mantinger heraus, „Es gibt da schon was: Die Watschn im Derby in Bozen. Das war Anfang Februar, unmittelbar vor der Olympia-Pause. Ich habe danach zwei Wochen lang jeden Tag immer wieder an dieses 2:7 gedacht. Da hat sich Frust aufgestaut – aber auch der Wille, es allen zu zeigen. Und das ging nicht nur mir so. Im Training hat man das gespürt. In diesen Tagen ist dieser unbändige Hunger entstanden.“
Nun also doch, es gibt sie, die Erklärung für diesen besonderen Biss der Wölfe, von dem im Übrigen auch der Rudelsführer, Trainer Jason Jaspers, profitiert. Mit seiner ruhigen Art führt er das Team von Sieg zu Sieg. Der Fokus bleibt dabei ganz auf das nächste Spiel gerichtet – ganz im Sinne des neuen Pustertaler Selbstverständnisses. Einen Beweis dafür liefert Jaspers im nachfolgenden Video-Statement.
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