
Antti Karhula an seinem neuen Arbeitsplatz, der Sparkasse Arena in Bozen. © SN
Tattoos, Balance und ein süßer Name: So tickt Bozens Trainer
Der neue Trainer Antti „Upi“ Karhula ist beim HC Bozen angekommen – und hat viel vor. Im Interview spricht der Finne über seine ersten Wochen in Südtirol, wilde Zeiten bei seinem ersten Italien-Engagement, ein Panzerknacker-Tattoo, und darüber, warum er sich den HCB schon vor Jahren als Trainer gewünscht hat.
05. September 2026

Von:
Alexander Foppa
Herr Karhula, wie haben Sie die ersten Wochen in Südtirol erlebt?
„Es war ein toller Start! Ich kannte die Region ja schon vorher etwas, war dann aber doch erstaunt, wie schön es hier ist, wie zuvorkommend die Leute sind. Meine Lebensgefährtin und ich haben uns super eingelebt. Auch beim HC Bozen wurde ich fantastisch empfangen. Das Arbeiten hier macht richtig Spaß. Die Vorbereitung lief bislang nach Plan, allerdings hat sie auch gezeigt: Es gibt noch viel zu tun.“
Wo wollen Sie jetzt ansetzen?
„Wir haben in den ersten Wochen viel am Teambuilding gearbeitet, Einzelgespräche geführt und taktisch an unserem Angriffsspiel gefeilt. Jetzt ist die Defensive dran. Gemeinsam mit Fabio (Assistenztrainer Armani, Anm. d. Red.) werde ich hier die nächsten Tage weiter ins Detail gehen. Wir brauchen als Team die richtige Balance.“
„Ich liebe offensives Eishockey“ Antti Karhula
Heißt das, Sie sind ein Trainer, der zuallererst ans Toreschießen denkt?
„Ich habe meine ganze Karriere lang im Sturm gespielt, da ist schon was haften geblieben (lacht). Vielleicht bin ich als Trainer in diesen Belangen anders als meine Vorgänger hier in Bozen. Ich liebe jedenfalls offensives Eishockey und möchte das auch den Spielern vermitteln. Allerdings ist das nur eine Komponente, hinzu kommt eine kompakte Defensive – und alles zusammen muss dann greifen, jedes noch so kleine Zahnrädchen ins andere passen. Das umzusetzen, darum geht es. Allerdings dreht sich mein Job nicht nur um Taktik.“
Bitte führen Sie aus.
„Wir wollen vernünftiges Eishockey spielen, das ist richtig. Um erfolgreich zu sein, muss es aber auch abseits der Spielfläche funktionieren. Jeder Spieler hat seine persönliche Geschichte, sein privates Umfeld, seinen Charakter, seine Befindlichkeiten. Als Trainer muss ich diese kennenlernen und verstehen. Das geht nur, wenn ich mich den Spielern öffne, viel mit ihnen rede. Ich weiß, ich unterscheide mich da vielleicht von vielen finnischen Trainern, aber bei mir steht diese menschliche Komponente auf einem Level mit Taktik, Fitness und Matchplänen.“
Antti Karhula mit Goalie-Coach Daniel Goller und Assistenztrainer Fabio Armani in seinem Büro in der Sparkasse Arena. © SN
Apropos Finnland: Sie haben Ihre Heimat früh verlassen, arbeiteten bereits in Estland, Ungarn, der Slowakei, Polen und Deutschland. Hat Sie diese Zeit verändert?
„Ja, ganz sicher. Ich bin immer noch ein Finne und sehr glücklich, wenn ich im Sommer Zeit in meiner Heimat verbringen darf. Gleichzeitig merke ich gerade dann immer wieder, wie sehr ich mich in den vergangenen Jahren verändert habe. Ich habe meinen Horizont erweitert, bin als Mensch offener geworden, habe andere Kulturen kennengelernt und von jeder etwas übernommen – auch von der italienischen.“
Sie meinen Ihr einjähriges Gastspiel in der Saison 2004/05 als Stürmer in Turin?
„Genau, das war eine wilde Zeit. Auf dem Eis ging es damals drunter und drüber, es wurde gehakt, gefoult, schmutzig gespielt – kein schönes Eishockey. Allerdings habe ich eine neue Lebensweise kennengelernt. Aus Finnland war ich strenge Disziplin, Genauigkeit und Pünktlichkeit gewohnt. In Italien tickten die Uhren dann etwas anders. Ich habe mir eine gewisse Gelassenheit angeeignet, die Herzlichkeit der Menschen aufgesaugt.“
„Heute darf mich jeder Upi nennen“ Antti Karhula
Und nun etwas persönlicher über Sie: Was hat es mit dem Spitznamen Upi auf sich?
„Er geht auf eine finnische Kinder-Fernsehsendung zurück, deren Hauptdarsteller ein junger Bub mit langen blonden Haaren war – genauso wie ich damals. Heute darf mich jeder Upi nennen, übrigens auch meine Spieler hier in Bozen.“
Die Spieler dürfen Antti Karhula auch im Training beim Spitznamen nennen.
Sie sind ein Tattoo-Liebhaber, wie man sieht. Steckt hinter jedem Motiv auf Ihrer Haut eine Erklärung?
„Meine ersten Tattoos spiegelten Teile meiner Lebensgeschichte wider. Doch irgendwann bot mein Leben nicht mehr genügend Stoff für neue Tattoos, also habe ich begonnen, Motive frei nach meinem Geschmack auszuwählen. Das letzte habe ich mir übrigens vor drei Jahren stechen lassen, nämlich drei Panzerknacker auf meinem Oberschenkel. Sie symbolisieren meine beiden Brüder und mich.“
HCB-Boss Dieter Knoll hat in einem SportNews-Interview erzählt, Sie hätten sich per WhatsApp bei ihm beworben. Stimmt das?
„Ja, genau (schmunzelt). Allerdings liegt der erste Kontakt schon rund fünf Jahre zurück. Dann kamen Engagements bei anderen Vereinen, doch irgendwie hatte der HC Bozen in all der Zeit stets eine besondere Faszination für mich. Auch als ich als Gegner zu Gast war, habe ich mir immer wieder gedacht: Hier möchte ich mal coachen. Und jetzt sitze ich hier. Mein Wunsch ist aber erst dann erfüllt, wenn ich mit diesem großartigen Klub auch großartiges Eishockey spiele.“
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