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Ein Blick ins Leere: Für die Bozner Spieler ist die Saison vorzeitig beendet. © HCB

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Ein Blick ins Leere: Für die Bozner Spieler ist die Saison vorzeitig beendet. © HCB

Wenn einem die Worte fehlen: Trostlose Stille in Bozen

Die vergangenen zwei Wochen werfen in Bozen viele Fragen auf. Fragen, die in den Stunden nach dem krachenden Scheitern niemand beantworten konnte – oder wollte. Mit dem Playoff-Aus gegen Ljubljana zog am Donnerstagabend eine drückende Stille durch die Bozner Arena. Von Selbstkritik war besonders beim Trainer keine Spur, im Gegenteil.

Alexander Foppa

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Alexander Foppa

Mehr als zwei Stunden lang war die Sparkasse Arena ein Tollhaus. Die Fans, sie pushten ihre Lieblinge – trotz der vielen Rückschläge – unerschüttert nach vorne. Selbst nach dem 1:4 gegen Olimpija und dem Aus im Viertelfinale hallte noch tosender Applaus aus der Fankurve ins weite Rund. Doch kaum waren die Bozner Spieler vom Eis, wurde es gespenstisch.


Die Mannen in Weiß und Rot stampften schnurstracks in die Kabine. Der Trainer verschwand – ohne Verabschiedung vom Gegner – in sein Zimmerchen. Klub-Boss Dieter Knoll ließ sich gar nicht erst blicken. Keine lauten Worte. Keine wilden Gesten. Nur die ein oder andere Träne sei geflossen, so wurde später berichtet. Erst nach rund zwanzig Minuten regte sich plötzlich etwas. Auf Bitten des Bozner Pressesprechers schob Coach Doug Shedden seinen Kopf aus der Tür und ging gemächlich auf die wartenden Journalisten zu.

„Ich habe meine Spielerkarriere vor 33 Jahren beendet, ich kann also nicht reingehen und Tore schießen.“ HCB-Trainer Doug Shedden

Der erfahrene Kanadier steht im Zentrum der Kritik. Zum einen wegen seiner Personalentscheidungen im Lineup, zum anderen aufgrund der Art, wie er das Team coachte. Doch Reporter, die auf reflektierte Selbstkritik gewartet hatten, konnten ihre Stifte stecken lassen. „So ist der Sport“, sagte er lapidar.

Shedden machte die drei Gegentore binnen 38 Sekunden im dritten Duell als Knackpunkt aus, sagte aber auch: „Die Jungs haben alles gegeben, sie haben alles versucht. Es ist einfach frustrierend.“ Auf SportNews-Nachfrage, ob er im Nachhinein etwas anders gemacht hätte, antwortete er trocken: „Nicht wirklich. Ich habe meine Spielerkarriere vor 33 Jahren beendet, ich kann also nicht reingehen und Tore schießen. Wir hatten wunderbare Chancen, haben sie aber nicht genutzt.“

Trainer Doug Shedden wrikte mit seinem Latein am Ende. © Vanna Antonello

Trainer Doug Shedden wrikte mit seinem Latein am Ende. © Vanna Antonello


Shedden war erst Mitte Dezember für den geschassten Kurt Kleinendorst geholt worden. Seine Amtszeit in Bozen dürfte nach nur drei Monaten enden. „Das Leben hier ist fantastisch. Die viele Sonne, die tolle Landschaft. Und dann hatten wir auch noch eine ausgesprochen gute Mannschaft. Ich habe es als Ehre gesehen, mit diesen Jungs arbeiten zu dürfen. Allerdings haben wir die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Das bleibt so stehen“, sagte Shedden und verabschiedete sich.

Feste Umarmungen, wortlose Handschläge

Nachdem der Trainer das Wort ergriffen hatte, wollte in den Katakomben keiner mehr so recht etwas sagen. Einige Spieler kamen kurz aus der Kabine, um sich von Betreuern, Physios und Ärzten zu verabschieden. Hier eine feste Umarmung, dort ein wortloser Handschlag. Das war's dann aber auch.
„Das fühlt sich an wie ein heftiger Schlag ins Gesicht.“ HCB-Kapitän Daniel Frank

Es vergingen wieder Minuten, dann trat Daniel Frank aus der Tür. Immer noch in Schlittschuhen, in Schonern und Spielhose gekleidet. Der Kapitän hielt kurz an, griff zu einer Serviette am Verpflegungstisch, wischte sich eine Träne aus dem Gesicht und stammelte ganz leise: „Was soll ich sagen, wenn mir selbst die Worte fehlen?“

Die HCB-Cracks um Daniel Frank fanden nie zur Playoff-Form. © HCB

Die HCB-Cracks um Daniel Frank fanden nie zur Playoff-Form. © HCB


Frank wirkte so ratlos wie die Journalisten, denen er gegenüberstand. Er sagt, er habe versucht, seine Rolle als Kapitän mit Würde auszufüllen. Er sei die letzten Tage in der Kabine auch mal laut geworden, „aber auf dem Eis haben wir nie den Faden gefunden. Ljubljana hat alles richtig gemacht – Schüsse geblockt, auf Konter gelauert, eiskalt zugeschlagen. Vieles von dem ist uns eben nicht gelungen.“

Der traurige Geburtstag des Kapitäns

Eines ärgert den Meraner besonders: „Drei mal in Folge zuhause vor diesen Fans verlieren, das ist Wahnsinn. Wir haben uns mit unerklärlichen Fehlern selbst ins Bein geschossen.“ Frank, der an diesem Freitag 32 Jahre alt wird, wirkte aufgewühlt, beinahe erschrocken. „Wir waren in den Playoffs immer ebenbürtig, sind dann knapp gescheitert. Dieses Mal fühlt sich das anders an.“ Auf die Frage, wie es denn nun weitergehe, sagte er mit gesenktem Blick: „Ich brauche jetzt ein paar Tage, das sacken zu lassen. Was hier eben passiert ist, fühlt sich an wie ein heftiger Schlag ins Gesicht.“

Als Frank abdrehte und in Richtung Kabine schritt, war der lange Korridor im Bauch der Arena bereits wie leer gefegt. Es machte sich wieder diese gespenstische Ruhe breit, die wohl erst mit Beginn der neuen Saison wieder verfliegen wird. Bis dahin dauert es aber noch. Und das länger, als man es in Bozen gewohnt ist.

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