
Austin Osmanski und dem HC Pustertal war wahrlich nicht zum Lachen zumute. © HCP/Instagram
„Zum Fremdschämen“: Pustertals harte Derby-Abrechnung
Das große Südtiroler Eishockey-Derby hat am Sonntag für einen lauten Knall gesorgt, der in beiden Vereinshäusern noch lange nachhallen wird. Auslöser war eine Bozner Kabinenansprache vor Spielbeginn und eine Pusterer Leistung, die die Klubbosse nach der Partie nicht so auf sich sitzen lassen wollten.
02. Februar 2026
Von: det/fop
Mit einem 7:2 hat der HC Bozen den HC Pustertal am Sonntag düpiert. Es war ein Abend, der große Emotionen geweckt hat: Hier die Bozner im Jubelrausch, dort die völlig geknickten Pusterer Wölfe – und schließlich ein Mann, der mit einem breiten Grinsen aus der Sparkasse Arena schritt: HCB-Boss Dieter Knoll. „Ich werde heute gut schlafen“, mit diesen Aussagen entschwand er der Nacht.
Stunden zuvor hat Knoll offenbar noch selbst einen kleinen Beitrag zum Bozner Derby-Spektakel geliefert. Wie? Mit einem eindringlichen Appell an seine Spieler. „Ja, das stimmt“, gibt der HCB-Chef zu Protokoll, „ich bin in die Kabine und habe gesagt: 'Egal, wie das Spiel ausgeht, ich will, dass jeder alles gibt.' Ich habe mich explizit den Olympia-Teilnehmern zugewandt, ihnen zur Einberufung gratuliert, gleichzeitig aber auch unterstrichen, dass sie beim HC Bozen unter Vertrag stehen und zu hundertprozentigem Einsatz verpflichtet sind. Das haben die Buben dann umgesetzt.“
Knolls Appell an die Olympia-Fahrer
Nach zuletzt bitter enttäuschenden Vorstellungen seiner Foxes ist Knoll nach dem Derbysieg ein großer Stein vom Herzen gefallen – auch, weil das Derby für ihn einen besonderen Wert hat. „Ich will Meister werden, klar. Aber mein zweites Ziel ist es, die Nummer eins in Südtirol, in ganz Italien zu sein. Mit dem dritten Sieg kann uns dies niemand mehr nehmen.“Das sagte Bozens Doppeltorschütze Brad McClure nach dem Derby-Sieg im Audio-Interview:
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Während Knoll und McClure voll des Lobes waren, ging Pustertals Sportdirektor Patrick Bona nach dem Spiel mit seinen Wölfen hart ins Gericht. „Es waren zwei Drittel zum Fremdschämen. Es haben Feuer, Kampfgeist und vor allem Stolz gefehlt. So kann man nicht in ein so wichtiges Spiel gehen. Ich weiß nicht einmal, ob heute überhaupt jeder Spieler geschwitzt hat“, sagte Bona nach der blamablen Vorstellung des HC Pustertal. Und fügte an: „Zum Glück haben wir jetzt eine Pause, aber eine Sache ist sicher: So eine Vorstellung wird der Verein nicht akzeptieren, werden die Trainer nicht akzeptieren.“
„So eine Vorstellung wird der Verein nicht akzeptieren“ HCP-Sportdirektor Patrick Bona
Die Worte des Sportdirektors dürften in Bruneck noch einige Tage nachhallen und – so wünschen es sich wohl die in den Derbys leidgesottenen Pusterer Fans – bei so manch einem Spiel für Ohrensausen sorgen. Einer, der gleich nach der Klatsche in Bonas Worte einstimmte, war Stürmer Matthias Mantinger. Er sagte: „Das war eine skandalöse Vorstellung. Nach dem 1:9 im Oktober ein zweites Mal hier in Bozen so aufs Maul zu bekommen, das darf es nicht geben.“
Mantinger stellt sich vor Rabanser
Mantinger wollte vor dem Verlassen der Arena noch eines loswerden: „Und dass jetzt niemand dem Jakob die Schuld für diese Schlappe gibt!“ Gemeint war Ersatzgoalie Jakob Rabanser, der für den erkrankten Eddie Pasquale einsprang und bei einigen Gegentoren nicht gut aussah. „Erst spielt er kaum, dann kommt er in so einem Spiel zum Zug und soll plötzlich all die vielen Fehler seiner Vorderleute ausbügeln? Das kann’s nicht sein! Die Schuld tragen wir alle. Wir waren heute einfach schlecht – und Bozen hat das gekonnt runtergespielt. Das muss man respektvoll anerkennen.“Auch bei Mantingers Offensivkollegen Cole Bardreau hat die Pusterer Schlappe Spuren hinterlassen. „Puh, das war ein harter Abend!“, seufzte er. Nach einer langen Denkpause bemühte er sich im Gespräch mit SportNews um eine Spielanalyse: „Wir haben nicht eine einzige Sache falsch gemacht, es war eine Handvoll Dinge, die wir heute komplett falsch angegangen sind. Dann wurde das alles zum Schneeballeffekt: Bozen hatte das Momentum, nahm richtig Fahrt auf und wir taten nichts, um sie zu bremsen. Das einzig Gute ist, dass uns das nicht in den Playoffs passiert ist und wir nun noch den Hebel rumreißen können.“
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