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Fabian Tait blickt mit gemischten Gefühlen auf das vergangene Jahr zurück. Seit dem Herbst ist der Salurner sportlich im Höhenflug, doch zwischendurch machte ihm eine Corona-Infektion zu schaffen. © Felice Calabro' / Felice Calabrò

Fabian Tait: „2020? In gewisser Hinsicht dramatisch“

Seit Monaten ist Fabian Tait im Höhenflug. Sportlich in der Form seines Lebens, hat der 27-jährige Fußballprofi aus Salurn auch seine Wurzel und die Kehrseite der Medaille nicht vergessen. Auf das Jahr 2020 blickt der Vizekapitän des FC Südtirol im SportNews-Interview mit gemischten Gefühlen zurück – aus sportlicher und privater Sicht.

Fabian Tait, das Jahr 2020 war für viele Menschen sehr schwierig. Wie fällt dein Fazit aus?


Tait: „Es war ein sehr komisches Jahr. In gewisser Hinsicht dramatisch, weil sich das Leben komplett geändert hat. Sachen die man immer gemacht hat, durfte man auf einmal nicht mehr tun. Sportlich gesehen, ist im Frühling eine ganze Rückrunde ausgefallen. Ich denke, dass wir schon in der abgebrochenen Vorsaison bis zum Schluss vorne mitgespielt hätten. Aber diese Chance haben wir nie bekommen.“


Wie sieht die Bilanz der zweiten Jahreshälfte aus?

Tait: „Die Hinrunde im Herbst war sicherlich die beste meines Lebens. Ich habe schon jetzt meinen persönlichen Torrekord (4 Anm. d. Red.) aufgestellt. Aber man erinnert sich immer an den Schluss eines Jahres und selten an das, was vorher war. Ich war zum Beispiel sehr unzufrieden damit, dass wir im Playoff sofort ausgeschieden sind.“


Zurück zur aktuellen Saison. Du bist ein absoluter Leistungsträger beim FC Südtirol, schießt Tore und gibst Vorlagen. Hast du mit dieser Entwicklung gerechnet?

Tait: „Ich möchte ehrlich sein und sage deshalb, dass ich schon in den letzten Jahren stets meine Leistung gebracht habe. Jetzt kann ich sie mit Ziffern dekorieren und das sorgt für Aufmerksamkeit. Viele Leute sehen nur die Tore, Vorlagen und wo deine Mannschaft steht. Man kann aber schon sagen, dass in der aktuellen Saison bisher alles gepasst hat. Immerhin sind wir ja auch Erster.“

Fabian Tait im September 2014: Das Heimspiel gegen Monza (1:0) war sein drittes Profispiel. © NIKON D3S / Max Pattis


Trainer Stefano Vecchi stellt dich immer im Mittelfeld auf. In deiner Anfangszeit als FCS-Profi hast du Rechtsverteidiger gespielt. Hat der Aufschwung auch damit etwas mit der Rückkehr zur gelernten Position zu tun?

Tait: „Ganz sicher. Die Position macht einen großen Unterschied. Als Rechtsverteidiger hatte ich defensiv immer Probleme. Vor allem gegen kleine, schnelle Außenstürmer, weil ich auf den ersten Metern nicht der Schnellste bin. Da habe ich oft nicht gut ausgehen. Im Spiel nach vorne war ich immer recht gut, deshalb kommt mir die Position im Mittelfeld mehr zugute. Ich kann bei Angriffen immer mitgehen und muss weniger verteidigen.“


In der Mittelfeld-Raute bist du auf halbrechts gesetzt. Ist das deine ideale Rolle?

Tait: „Ich denke schon, denn meiner Stärken und Schwächen war ich mir immer bewusst. Ich sehe mich ein bisschen in der Rolle von Gattuso. Ich muss die Bälle erobern und sie dann an die Besseren weiterleiten. Beccaro, Karic, Gatto und Greco – das sind wirklich sehr gute und technisch hervorragende Mittelfeldspieler. Und ich pendle das mit Kampfkraft aus. Es funktioniert recht gut.“

„Ich war nie das große Techniktalent. Den Weg den ich gemacht habe, kann jeder schaffen.“
Fabian Tait über seinen Profi-Einstieg


Der Weg zum Fußballprofi war anders, als der deiner Teamkollegen. Über die Oberliga und die Serie D bist du zum FC Südtirol gekommen. Wäre mit einer besseren Ausbildung noch mehr drin gewesen?

Tait: „Nein, das glaube ich nicht. Jeder Karriereweg ist anders und es gehört immer Glück dazu. Wenn ich in einem Profiverein groß geworden wäre, hätte ich vielleicht gar nie die Chance bei den Großen bekommen. Ich war nie das große Techniktalent. Wahrscheinlich wären alle anderen vor mir an die Reihe gekommen und ich wäre durchgefallen. Ich hatte das Glück, in der Oberliga und der Serie D entdeckt zu werden und habe es dann gut gemacht. So wie ich, kann es jeder schaffen.“


Vom Amateur zum oftmaligen Kapitän des einzigen Profiklubs des Landes…

Tait: „Das ist wirklich eine große Ehre für mich. Unser Kapitän ist und bleibt aber Hannes Fink. Wenn er nicht mit dabei ist, dann fühle ich mich sehr geehrt die Kapitänschleife zu tragen. Bei jenem Verein, wo ich seit sieben Jahren spiele und so ich daheim bin. Was gibt es Schöneres?“
Die ersten drei, vier Trainings danach war ich komplett fertig.
Fabian Tait über seine Corona-Infektion


Der FC Südtirol geht als Tabellenführer in die Rückrunde. Sorgt das für Druck oder Motivation?

Tait: „Beides. Es ist Druck, aber es soll positiver Druck sein. Vorne mitzuspielen war immer unser Ziel. Jetzt müssen wir dieser Situation mit Freude begegnen. Erster zu sein motiviert uns, wir werden bis zum Schluss alles geben, um mit den großen Mannschaften mitzuhalten.“


Die Welt wird vom Coronavirus bestimmt. Auch du warst mit dem Virus infiziert. Wie war diese Zeit für dich?

Tait: „Bei mir war das so: Ich bin nach einem Ligaspiel nach Hause gekommen und es ging mir überhaupt nicht gut. Ich habe sehr schlecht geschlafen. In der Früh habe ich dann mit ein paar Leuten telefoniert und ihnen gesagt, dass ich krank bin. Ich habe dann zwei Corona-Abstriche gemacht und das Testergebnis war sofort positiv. Der Verein hat alles perfekt organisiert und so habe ich niemand angesteckt. Danach hatte ich ein paar Tage Fieber. Die erste Woche war ich wirklich sehr schwach. In der zweiten Woche ging es mir deutlich besser, aber ich war immer noch positiv. Als ich später negativ war und wieder mittrainieren durfte, hatte ich eine eigene Umkleidekabine. Nach den ersten drei, vier Trainings war ich komplett fertig. Danach ging es besser und ich habe dann auch schnell wieder spielen können. Es ist aber wirklich zu sagen: Ich habe das Coronavirus total gespürt.“


Interview: Christian Staffler

Autor: christian.staffler

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