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Claes Endre reitet mit dem HC Gröden auf der Erfolgswelle. © Johannes Franke

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Claes Endre reitet mit dem HC Gröden auf der Erfolgswelle. © Johannes Franke

Grödens neuer Held: Der Star, der jeden Tag die Kabine putzt

Der HC Gröden schwebt in den Playoffs der Alps Hockey League auf der Erfolgswelle. Einer der Hauptgründe dafür ist im Tor zu finden: Neuzugang Claes Endre avancierte in Windeseile zum besten Goalie der Liga. Vielleicht auch, weil er etwas anders als die meisten Profis tickt.

Thomas Debelyak

Von:
Thomas Debelyak

Mitte Jänner war es um den HC Gröden nicht allzu rosig bestellt. Nach einem spektakulären Saisonstart hatte sich Ernüchterung breitgemacht, und die Furie waren auf Rang neun zurückgepurzelt. Dann zauberte Sportchef Joel Brugnoli aber noch einmal einen Transfer aus dem Hut und verpflichtete den vereinslosen schwedischen Goalie Claes Endre. Was zu jenem Zeitpunkt noch keiner ahnen konnte: Der 30-jährige Skandinavier sollte binnen weniger Wochen zum besten Schlussmann der Liga avancieren – und seine Grödner ganz groß träumen lassen.


Wenn der HCG im Viertelfinale den Grunddurchgangssieger Salzburg ausgeschaltet hat und nun mit Titelfavorit Zell am See auf Augenhöhe mitspielt, dann ist das auch ein großer Verdienst von Endre, der nach 19 Spielen bei vier Shutouts und einer sagenhaften Fangquote von 94,4 Prozent hält. „Wir haben derzeit echt einen guten Lauf, spielen mit viel Selbstvertrauen und haben einen Weg gefunden, die wichtigen Spiele zu gewinnen“, sagt Endre im Telefongespräch mit SportNews.

Er putzt, saugt und wäscht

Der Goalie selbst hat sich in Gröden von der ersten Sekunde an wohlgefühlt – und genießt bei seinen Teamkollegen ein hohes Ansehen. Vielleicht auch, weil er etwas anders als die meisten Gastarbeiter tickt. Star-Allüren, diesen Begriff kennt Endre nicht. Im Gegenteil: Er ist ein Muster an Bodenständigkeit. Jeden Morgen fährt der Goalie ins Pranives, ins Grödner Hockey-Stadion, und bringt dort die Kabine auf Vordermann. Er putzt, saugt und macht mitunter für seine Teamkollegen auch die Wäsche.
„Es hat mich beeindruckt, wie viele Leute hier um und für das Team auf freiwilliger Basis arbeiten.“ Claes Endre

„Mir ist sofort aufgefallen, wie viele Leute hier für und um das Team arbeiten – und das auf freiwilliger Basis. Das hat mich beeindruckt. Deshalb will ich auch meinen Teil dazu beitragen. Ich bin es von den letzten Jahren gewohnt, immer schon am Morgen im Stadion zu sein. Das behalte ich hier bei, auch wenn wir erst abends trainieren. Ich nutze die Zeit also, um die Kabine zu putzen, um die Wäsche zu machen, um alles für das Training am Abend vorzubereiten“, erklärt Endre.

Erster Profivertrag mit 25 Jahren

Der Star der Mannschaft, der sich auch für solche Aufgaben nicht zu schade ist – das ist wahrhaftig eine Seltenheit. Diese Arbeitermentalität kommt aber nicht von ungefähr. „Ich war in meinen jungen Jahren nie ein herausragender Eishockey-Crack, spielte nie in den Jugend-Nationalteams oder bei großen Klubs. Im Gegenteil: Meinen ersten Profivertrag habe ich erst mit 25 Jahren unterschrieben“, erzählt der zweifache Familienvater. Im Teenageralter verbrachte Endre zwar zwei Jahre in einer US-Nachwuchsliga, kehrte dann jedoch in die schwedische Heimat zurück, wo er zwischen dritter und vierter Liga pendelte.

Ein Hexer im Tor: Claes Endre spielt in Gröden groß auf. © matthaeus kostner

Ein Hexer im Tor: Claes Endre spielt in Gröden groß auf. © matthaeus kostner


„Ich habe in jener Zeit nebenher immer gearbeitet. Wir haben zu Hause einen Familienbetrieb und kümmern uns um Kühlanlagen. Außerdem arbeitete ich ein Jahr lang in einer Schule“, erklärt Endre. Dann kam aber die Saison 2019/20. „Ich hatte ein sehr gutes Jahr in der dritten Liga und unterschrieb anschließend bei AIK, einem Zweitligisten, meinen ersten Profivertrag. Seitdem habe ich immer in der Allsvenskan gespielt“, so Endre.

Ein guter Freund von Tomas Sholl

2023 kam es dort auch zu einer besonderen Begegnung: Bei Södertälje bildete Endre mit einem gewissen Tomas Sholl das Torhüterduo. Sholl hatte sich in den zwei Jahren zuvor beim HC Pustertal ins europäische Rampenlicht gespielt und wagte dann den Sprung nach Schweden. „Ich habe selten einen so netten Menschen wie ihn kennengelernt. Wir wurden dicke Freunde, haben außerhalb des Eises viel unternommen. Sholly lud unsere Familie ein, mit ihm Thanksgiving zu feiern, und ab und zu holte er meine Tochter vom Kindergarten ab. Er hat echt ein riesiges Herz“, schwärmt Endre.
„Hier entsteht etwas sehr Gutes.“ Claes Endre

Nun ist also auch der Schwede in Südtirol gelandet. „Ich hatte heuer kein einfaches Jahr, da der Spielermarkt sehr hart war. Ich war bis zum Jänner vereinslos. Dann hat sich die Chance mit Gröden ergeben, und darüber bin ich sehr froh“, so der Goalie, der mit seinen Furie noch einiges vorhat. Bereits am Dienstag steht Halbfinale Nummer 3 in Zell am See an, in der Best-of-Seven-Serie hat jedes Team bislang einen Sieg errungen. „Hier entsteht etwas sehr Gutes“, fiebert Endre den weiteren Halbfinalspielen entgegen.

Alps Hockey League, Halbfinale – Game 3 (Best-of-Seven)

Dienstag, 31. März um 19.30 Uhr
EK Zeller Eisbären – HC Gherdeina
Stand in der Serie: 1:1

Mittwoch, 1. April um 20 Uhr
HC Meran – KHL Sisak
Stand in der Serie: 1:1

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