
Dieter Knoll, Boss des HC Bozen, hat sich nun zu Wort gemeldet. © det
Rüffel für den Trainer: Jetzt spricht der Bozen-Boss
Der Stachel sitzt beim HC Bozen nach dem bitteren Viertelfinal-Aus in der ICE Hockey League enorm tief. Am Freitagnachmittag hat sich Klub-Chef Dieter Knoll erstmals zu Wort gemeldet – und dabei Klartext gesprochen.
20. März 2026
Von: det
Nach heroischen Siegen schließt Bozens Klubchef Dieter Knoll seine Interviews gerne mit folgenden Worten ab: „Heute werde ich gut schlafen.“ Nun, dieses Mal dürfte hinter dem Bozner Macher und Schaffer eine alles andere als ruhige Nacht liegen. Sein HCB ist am Donnerstag im Viertelfinale krachend gescheitert und musste eine der schmerzhaftesten Pleiten seiner bisherigen ICE-Geschichte einstecken. Olimpija Ljubljana gewann die Serie mit 4:1 und beförderte den HCB, der vor Saisonbeginn zu den engsten Titelfavoriten zählte, in den Urlaub.
Im Kabinentrakt sind nach der 1:4-Niederlage am Donnerstag Tränen der Enttäuschung geflossen, Kapitän Daniel Frank rang in der Mixed Zone nach Worten. Sein Boss Knoll ließ sich dort erst gar nicht blicken, dafür meldete er sich am Freitagnachmittag – einige Stunden nach dem bitteren Aus – mit einem offenen Brief an die HCB-Gemeinschaft.
Steht in der Kritik: Bozen-Coach Doug Shedden.
Bei den Worten wird klar, dass der Stachel bei Knoll sehr tief sitzt. Doch es ist nicht nur das Sportliche, das dem Bozen-Chef sauer aufstößt. Auch eine Aktion von Trainer Doug Shedden ist für Knoll nicht akzeptabel. Als nach der Schlusssirene das Bozner Aus besiegelt war, verließ der Coach schnurstracks das Eis – und verweigerte somit dem Gegner den Handshake. Dieser Handshake ist im Eishockey nach jeder Playoff-Serie ein ungeschriebenes Gesetz und gehört zum Sportsgeist dazu. Shedden setzte sich darüber hinweg.
„Für den HCB haben Fairness und Respekt gegenüber dem Gegner oberste Priorität.“ Dieter Knoll
„Wir möchten klarstellen, dass wir – auch wenn wir die Enttäuschung nach dem Spiel verstehen – die Entscheidung von Coach Doug Shedden, nicht am traditionellen Handshake teilzunehmen, nicht teilen. Als HCB haben Fairness und Respekt gegenüber dem Gegner immer oberste Priorität, und diese Werte dürfen niemals fehlen“, so Knoll.
Klartext und ein Blick nach vorne
Auch ansonsten wählte der Klub-Boss für sein Team deutliche Worte. „In diesen Playoffs hatten wir uns deutlich mehr erwartet und können mit dem Ausscheiden – insbesondere mit der Art und Weise, wie es zustande gekommen ist – keinesfalls zufrieden sein“, so Knoll, der von einer eigenartigen und intensiven Saison spricht. Knoll erklärt, „dass wir unsere ersten Ziele erreicht haben: direkte Qualifikation für die Playoffs, Top Six und auch einen Platz unter den ersten vier.“Gleichzeitig betont er: „Auf der anderen Seite müssen wir jedoch alles berücksichtigen: die Leistungseinbrüche in den Playoffs und auch in anderen wichtigen Spielen dieser Saison sind uns teuer zu stehen gekommen.“ Nun will Knoll ganz genau analysieren, was falsch gelaufen ist. Gleichzeitig verspricht er: „Bereits in den kommenden Wochen werden die ersten wichtigen Entscheidungen getroffen.“
Der Brief von Dieter Knoll im Wortlaut
Liebe Fans, liebe Anhänger, liebe Unterstützer des HCB, wir sind alle natürlich sehr enttäuscht über dieses Saisonende. In diesen Playoffs hatten wir uns deutlich mehr erwartet und können mit dem Ausscheiden – insbesondere mit der Art und Weise, wie es zustande gekommen ist – keinesfalls zufrieden sein.Es war eine eigenartige Saison. Der Spielplan war so intensiv wie noch nie zuvor. Vom Trainingslager Mitte August über die Champions Hockey League mit drei Auswärtsreisen nach Skandinavien bis hin zu den zahlreichen Einsätzen vieler Spieler bei der italienischen Nationalmannschaft, die an jedem Trainingslager teilgenommen und sogar olympische Erfahrungen gemacht haben – faktisch ohne Unterbrechung in den letzten sieben Monaten. Die Mannschaft hat mehrfach gezeigt, dass sie über hohe Qualität verfügt, was auch durch eine sehr gute CHL-Kampagne unterstrichen wurde, es mangelte jedoch an Konstanz in der Meisterschaft.
Wenn wir die Enttäuschung für einen Moment beiseitelassen, können wir dennoch sagen, dass wir unsere ersten Ziele erreicht haben: die direkte Qualifikation für die Playoffs, die Top Six und auch einen Platz unter den ersten vier. Aus dieser Sicht ist die Bilanz sicherlich positiv. Auf der anderen Seite müssen wir jedoch alles berücksichtigen: die Leistungseinbrüche in den Playoffs und auch in anderen wichtigen Spielen dieser Saison sind uns teuer zu stehen gekommen. Auch der Verein wird analysieren müssen, wo die Hauptprobleme bzw. Fehler auf allen Ebenen lagen.
Wir möchten dennoch Olimpija Ljubljana zu dieser Leistung gratulieren. Das Team hat im Laufe der Saison gezeigt, dass es auf sehr hohem Niveau spielt, und wir wussten, dass es zu den schwierigsten Gegnern in den Playoffs zählen würde. Zudem möchten wir klarstellen, dass wir – auch wenn wir die Enttäuschung nach dem Spiel verstehen – die Entscheidung von Coach Doug Shedden, nicht am traditionellen Handshake teilzunehmen, nicht teilen. Als HCB haben Fairness und Respekt gegenüber dem Gegner immer oberste Priorität, und diese Werte dürfen niemals fehlen.
Mit Blick auf die Zukunft haben wir bereits gemeinsam mit all unseren Mitarbeitern einen Weg eingeschlagen, der uns besser vorbereitet und bewusster in die nächste Saison führen soll – auch dank der Erkenntnisse aus den letzten Monaten und ganz allgemein aus den vergangenen Spielzeiten. Bereits in den kommenden Wochen werden die ersten wichtigen Entscheidungen getroffen.
Profil bearbeiten
Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.


Kommentare (0)