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Willy Amofah (hier noch bei Terlan) geht heuer für Schlern auf Torejagd. © Dorigoni

Eine Amateurfußball-Legende unterm Schlern

Auch heuer nehmen wir in unserer Mittwochsrubrik eine Mannschaft aus der 1. Amateurliga genauer unter die Lupe. Zum Start ist die SG Schlern an der Reihe, die sich im Sommer einen prominenten Spieler geangelt hat.

Es fühlte sich bitter an für die SG Schlern im 1. Meisterschaftsspiel vor heimischem Publikum, als sie die knappe 1:0-Führung nicht über die Zeit retten konnten. Auf der anderen Seite war mit Riffian Kuens ein Landesliga-Absteiger zu Gast, der in dieser Saison vom Papier her stärker einzuschätzen ist, als in der abgelaufenen Saison. In Führung brachte die Mannschaft vom Hochplateau ein überaus bekanntes Gesicht, nämlich Willy Amofah. Der gebürtige Ghanaer erzählt im SportNews-Gespräch, welche Ziele der Verein hat, was er dazu beitragen kann und warum er nicht der klassische Goalgetter ist.



SportNews: Willy, unzählige Vereine pflastern deinen Weg zur SG Schlern. Was hat dich bewogen in die 1. Amateurliga zu gehen?

Willy Amofah: „Als man mich kontaktierte, erklärte man mir die Absichten des Vereins. Man will über kurz oder lang wieder zurück in die Landesliga. Grundsätzlich je früher umso besser. Auf der anderen Seite kommen auch eine ganze Reihe von guten Nachwuchsspielern nach, die aber ein paar alte Hasen an ihrer Seite brauchen, um ihr Potential abrufen zu können.“


Am 1. Spieltag hast du gleich getroffen. Ein Einstand nach Maß oder?

„Auf jeden Fall. Das ist für mich etwas, was in meine persönliche Fußballgeschichte eingehen wird. Ich bin ja bei der SG Schlern um zu helfen und dazu gehört auch dazu, dass ich Tore schieße, wenngleich ich nicht der klassische Stürmer bin, der seit jeher durch eine große Anzahl von Toren aufgefallen ist.“

Willy Amofah im Schlern-Trikot.


Warum das?

„Ich bin eine andere Art von Spieler. Ich laufe viel, suche oft das 1-gegen-1 und versuche mit Geschwindigkeit in die Tiefe zu gehen und versuche dadurch für Verwirrung in der gegnerischen Abwehr zu sorgen. Dadurch bekommen meine Mitspieler ein wenig mehr Platz und Freiräume, die sie dann in Tore ummünzen können.“


In der Nachspielzeit musstest du und deine Mannschaft noch den Ausgleich hinnehmen. Bitter am Ende?

„Eigentlich schon. Aber wie gesagt. Der Verein will laufend junge Spieler einbauen, damit diese Erfahrung sammeln. Dann muss man auch Rückschläge in dieser Hinsicht akzeptieren. Wenn die jungen nicht Fehler machen, dann lernen sie nichts dazu. Beim nächsten Mal bin ich mir sicher kommt es in einer solchen Situation nicht mehr zu einem Elfmeter. Auf der anderen Seite muss ich aber auch sagen, dass Riffian Kuens sehr gut gespielt hat. Ich habe mit Terlan im letzten Jahr gegen sie gespielt. Ich würde behaupten, dass sie heuer stärker sind als letzte Saison. Von dem her würde ich sagen, dass das Remis auch in Ordnung ist. Neben uns und ein paar anderen Teams, will sicherlich auch Riffian Kuens wieder zurück in die Landesliga.“

„Stolz macht mich, dass ich in allen Ligen, also von der Serie D und jetzt auch in der 1. Amateurliga zumindest immer ein Tor erzielt habe.“ Willy Amofah


Gespielt hast du von Serie D und jetzt bis zur 1. Amateurliga. Geht es noch weiter runter?

„Das hoffe ich nicht. Jetzt bin ich fast 34 Jahre alt und denke, dass ich noch ein paar Jahre in der 1. Amateurliga spielen kann. Sollte es für diese Liga nicht mehr reichen, dann denke ich ist es besser aufzuhören. Stolz macht mich aber, dass ich in allen Ligen, also von der Serie D und jetzt auch in der 1. Amateurliga zumindest immer ein Tor erzielt habe.“

Schlern will in der 1. Amateurliga wieder voll angreifen.


Es werden aber noch einige dazukommen oder?

„Ich hoffe. In der letzten Saison bei Terlan habe ich 5 – 6 Tore erzielt. Genau weiß ich das nicht mehr. Dafür haben aber meine Stürmerkollegen beide zweistellig angeschrieben. Ich denke, dass das, wegen meines Spielstils, auch ein wenig mein Verdienst ist.“


Du bist mit 9 Jahren aus Ghana direkt nach Südtirol gekommen...

„Ja, das stimmt. Zuerst ist mein Vater nach Italien gekommen, genauer gesagt nach Palermo. Von dort ist er nach Bozen gezogen. Sobald er stabile Verhältnisse in Bozen hatte, sind ich und meine Mutter nachgezogen. Meine Schwester Daniela ist schon in Italien geboren und hat gleich die italienische Staatsbürgerschaft bekommen.“


Die hast du mittlerweile auch oder?

„Ja, ich glaube seit 5 oder 6 Jahren. Es war aber ein schwieriger und langer Weg diese zu bekommen.“

Willy Amofah als Familienvater.


Du hast bei unzähligen Vereinen Fußball gespielt. Bist du jemals Opfer von rassistischen Beleidigungen wegen deiner Hautfarbe geworden?

„Nein, das habe ich nie vernommen. Logisch kann es auf dem Feld Diskussionen oder Zwistigkeiten geben. Die Ursache dafür, war aber der Fußball an sich und nicht meine Hautfarbe. Ich denke, dass ich mich immer innerhalb der Vereine, aber auch gegenüber meinen Gegenspieler fair verhalten habe. Deshalb gab es auch keinen Grund mich rassistisch oder überhaupt zu beleidigen.“

„Ich bin bis jetzt nur einmal, seit ich in Bozen bin, nach Ghana zurückgekehrt.“ Willy Amofah


Als Volksschüler bist du von deiner Geburtsstadt Kumasi nach Bozen gekommen. Wie oft bist du nach Ghana zurückgekehrt?

„Also, meine Eltern fahren jedes Jahr nach Ghana. Ich bin bis jetzt nur einmal, seit ich in Bozen bin dort zurückgekehrt. Meine Absicht und mein Wille sind aber, dass ich sobald es die familiären Umstände zulassen, meiner Familie mein Ursprungsland zeige.“


Wie gut ist dein Deutsch?

„Ein wenig kann ich schon Deutsch. In der Kabine spreche ich mit meinen Mitspielern Deutsch und Italienisch. Wenn es ein wenig geht, versuche ich aber immer Deutsch zu sprechen, vor allem bei den ländlichen Vereinen.“

Zur Person

  • Willy Amofah wird am 31. Dezember 34 Jahre alt. Das Fußballspielen in Italien hat er bei Bozner Boden begonnen. Danach folgten Stationen beim FC Südtirol, Bozen 96, Alta Vallagrina, St. Georgen, Salurn, Obermais, Virtus Bozen, Weinstraße Süd, Eppan und Terlan. Beim FC Südtirol kann der Stürmer auch einen Einsatz im Pokal bei den Profis vorweisen.
  • Seit kurzem arbeitet Amofah als Ausfahrer bei der Rittner Firma Schlappi-Trans. Verheiratet ist der 33-Jährige mit Anna, die einige Monate älter ist als er. Zudem ist er stolzer Vater eines 18-monatigen Sohnes, der auf den Namen Anton hört.



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