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Michael Bacher läuft heuer für den FC Gröden in der 1. Amateurliga auf. © Andreas Senoner Photography

Michael Bacher in Gröden: „Manches habe ich zuvor nie gesehen“

Auch heuer nehmen wir in unserer Mittwochsrubrik eine Mannschaft aus der 1. Amateurliga genauer unter die Lupe. Heute geht es um den FC Gröden, für den jetzt Ex-Profi Michael Bacher seine Schuhe schnürt.

Es war eine wahre Transferbombe, als Aufsteiger FC Gröden diesen Sommer die Verpflichtung von Michael Bacher bekannt gab. 19 Saisonen lang tingelte der aus Mauls stammende Mittelfeldspieler auf den Fußballfeldern Italiens zwischen der Serie C und der Serie D. In der letzten Saison feierte er noch mit Virtus Bozen den Aufstieg von der Oberliga in die Serie D. Auch wenn es ihn noch „gegluschtet“ hätte, weiter in der fünfthöchsten Liga zu spielen, wechselte er in die 1. Amateurliga.


Was sich dadurch in seinem Fußballleben, aber auch im familiären Umfeld geändert hat, was er zum 1. Mal im Fußball erlebt hat und was seine Ziele mit seinem neuem Heimatverein FC Gröden sind, erzählt der 34-Jährige im SportNews-Interview.


SportNews: Michael Bacher, haben Sie es schon bereut, in der 1. Amateurliga zu spielen?

Michael Bacher: „Nein absolut nicht, und das aus mehreren Gründen. Es war eine Entscheidung zugunsten meiner Familie. Ich habe mich mit meiner Frau in St. Ulrich niedergelassen und bin vor kurzem Vater eines Sohnes geworden. Unser Haus ist eine Minute vom Sportplatz entfernt, also näher geht fast nicht. Wenn man will, kann man es auch schaffen, in der 1. Amateurliga ansehnlichen Fußball zu spielen. Nur hohen Bällen nachzulaufen ist nicht mein Verständnis von Fußball.“


Nach Jahren im Fußball, auch im Profibereich: Wie verhält sich der Spieler Bacher gegenüber seinen Kollegen und seinem Trainer?

„Grundsätzlich so wie ich das immer gemacht habe in den letzten Jahren. Ich versuche meinen Mitspielern fußballerisch überall zu helfen, sowohl beim Training, als auch während der Spiele. Zum Glück habe ich mit Salvatore Virzi einen Trainer, der meine Auffassung von Fußball komplett teilt. Ich bin sozusagen, wie auch schon in den letzten Jahren bei Virtus Bozen, der verlängerte Arm auf dem Feld. Zudem, ebenfalls wie bereits in den letzten Jahren, nehme ich mir aufgrund meiner Erfahrung im Spiel auch die Freiheit heraus, die Mitspieler anzusprechen, wenn etwas nicht funktioniert oder anders gemacht werden muss. Der Austausch mit dem Trainer funktioniert auch hervorragend.“

„Der FC Gröden will auf jeden Fall in die Landesliga.“ Michael Bacher


Welche Ziele verfolgt der FC Gröden?

„Der Verein will auf jeden Fall in die Landesliga. Sie machen auch keinen Hehl daraus, den erneuten Aufstieg auch heuer anzupeilen. Das Potential haben wir, aber um eine Meisterschaft gewinnen zu können, muss einfach alles zusammenpassen. Zudem gehen wir vom Weg nicht ab, dieses Ziel mit technisch ansprechendem Fußball zu erreichen. Es könnte natürlich sein, dass man mit anderen Methoden das Ziel schneller erreicht, aber das kann und darf nicht unser Anspruch sein.“

Der FC Gröden hat ein ambitioniertes Team.


Wie schwierig ist es, das Niveau einer 1. Amateurliga zu akzeptieren, wenn man von der Oberliga kommt und vorher zwischen Serie C und D gespielt hat?

„Überhaupt nicht schwierig. Ich war mir dessen voll bewusst, wenngleich ich einige Sachen im Fußball erst jetzt gesehen habe, die ich vorher nicht kannte. Ich wollte meinen fußballerischen Aufwand auch zurückschrauben. Aus Arbeitsgründen und dadurch, dass ich jetzt erstmals Vater geworden bin, wäre eine Serie-D-Saison für mich sehr schwierig geworden. Der Einsatz und die Leidenschaft bei meinen jetzigen Mitspielern ist gewaltig und das ist in diesem Bereich das beste Fundament. Alles, was dazu kommt wie Technik, Spielverständnis usw. bringt eine Mannschaft langsam aber sicher auch weiter nach oben. Daran kann man auch arbeiten. Am vergangenem Spieltag spielten wir gegen Gsies. Ich bin überzeugt, dass dort Spieler am Werke waren, die das Talent hätten, auch in der Oberliga zu bestehen. Zudem muss ich sagen, dass ich mittlerweile 34 Jahre alt bin und körperlich nicht mehr mit einem 20-Jährigen mithalten kann. Viel kann man mit Erfahrung und Spielintelligenz ausgleichen, aber ab einer bestimmten Liga ist das nicht mehr möglich. Wenn man aber weiter dem Ball nachjagen will, so wie ich das fast mein ganzes Leben gemacht habe, dann muss man in untere Kategorien wechseln und dort seinen Beitrag leisten.“

„Ich habe in dieser Saison mehr Kisten Bier gesehen, als wie vorher in meiner ganzen restlichen Spielzeit.“ Michael Bacher


Sie haben erwähnt, Sachen gesehen zu haben, die Sie so vorher im Fußball nicht kannten?

„Ja, das stimmt (lacht). Es ist für mich beispielsweise ungewöhnlich, dass sich Spieler mit einer Verletzung oder Wehwehchen abmelden und man diese Spieler dann eine Woche nicht mehr sieht. Eine andere Sache ist die Kiste Bier. Ich habe in dieser Saison schon mehr Kisten Bier gesehen, als wie vorher in meiner ganzen restlichen Spielzeit. Ich glaube aber, dass beides irgendwie dazugehört, sei es das Verhalten bei einer Verletzung bzw. das Bier nach dem Spiel. Wenn das nicht so wäre, dann wäre man vermutlich in einer viel höheren Liga. In einer 1. Amateurliga passt das auch.“

Michael Bacher dirigiert das Grödner Spiel. © Andreas Senoner Photography


Sie haben über 13 Jahren entweder in der Serie C oder Serie D gespielt. Insgesamt sahen Sie nur 4 Mal die Rote Karte.

„Ja, das stimmt. Es waren 2 gelb-rote Karten und 2 rote Karten. Ich kann aber behaupten, dass alle 4 Ausschlüsse in meinen Augen ungerechtfertigt oder überzogen waren. Ich war und bin nie ein grober Spieler gewesen. Gegenspieler und Schiedsrichter habe ich immer mit Respekt behandelt. Die Ausschlüsse waren auch immer Fouls taktischer Natur, die ein Schiedsrichter auch zu meinen Gunsten hätte lösen können.“

Michael Bacher mit seiner Frau Tamara.



Am 9. Mai 2010 feierten Sie mit dem FC Südtirol den Aufstieg von der Serie C2 in die Serie C1. Damals waren sehr viele Südtiroler im Team. Haben Sie noch Kontakt zu diesen Spielern?

„Ich habe noch zu sehr vielen ehemaligen Mitspielern Kontakt. Michael Cia, der beim Aufstieg schon weg war vom FC Südtirol, ist mein bester Freund geblieben. Mit den Fischnaller-Brüdern oder mit Hannes Fink habe ich immer noch regelmäßigen Kontakt. Mit Max Dalpiaz vielleicht weniger und auch mit Manuel Scavone, der in Bari spielt und deswegen auch sehr weit weg ist.“

Zur Person:

  • Michael Bacher ist in Brixen am 19. Februar geboren und wuchs in Mauls in der Gemeinde Freienfeld auf.
  • Die Jugend verbrachte er fußballerisch unter anderem auch beim FC Südtirol. Dort spielte er auch als Profi.
  • Danach ging es noch zu einer Reihe von weiteren Vereinen in der Serie C und D wie z.B. dem AC Trient, Alto Vicentino, Viareggio, Real Vicenza, Cremonese, Pordenone, Correggese und Virtus Bozen.
  • Der 34-Jährige wohnt zusammen mit seiner Familie in St. Ulrich.
  • Verheiratet ist er mit Tamara seit dem 19. September 2020.
  • Am 19. August dieses Jahres kam Sohn Stan auf die Welt.
  • Bacher ist als Verkaufsleiter für die Zone Trentino/Südtirol für die Firma Menz & Gasser tätig.





Schlagwörter: Fussball Amateurfußball

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