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Peter Unterregelsbacher (hier noch bei Gitschberg Jochtal) hat bei Gsies besonders Probleme in der Offensive zu lösen.

Gsies und das Problem mit dem Toreschießen: „Frage der Zeit“

Nach 7 Spieltagen liegt die SPG Gsies in der 1. Amateurliga Gruppe B mit 4 Punkten auf dem vorletzten Platz. Im ersten Moment scheint die Situation im Kampf gegen den Abstieg nicht aussichtslos.

Bei genauerem Hinschauen erkennt man sofort wo der Schuh drückt: Im Angriff oder besser gesagt beim Toreschießen. Nur einen Treffer konnten die Gsieser bisher erzielen. Der interne Torschützenkönig ist Kapitän Fabian Lahner, der gegen Schabs vom Elfmeterpunkt traf.


Gsies-Trainer Peter Unteregelsbacher verliert trotzdem nicht den Mut und erkennt seit dem Saisonstart Verbesserungen. Welcher Zusammenhang zwischen dem Toreschießen und Pilzen besteht und warum ihm die mangelnde Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor besonders weh tut, erklärte er im SportNews-Interview.


Erst einen Treffer erzielt, aber immerhin 4 Punkte. Trotzdem kann ein Trainer nicht zufrieden sein oder?

Peter Unteregelsbacher: „In Gsies ist seit einiger Zeit im Bereich Fußball ein Umbruch zu erkennen. Es sind im Verein mittlerweile eine ganze Reihe von ehemaligen Spielern im Ausschuss, die den Fußball im Tal wieder auf Vordermann bringen wollen. Das soll aber nicht heißen, dass vorher alles falsch war, was gemacht wurde. Ich denke aber, dass die derzeitige Führungstruppe die aktuelle Problematik bei einem Dorfverein besser erkennt und vielleicht auch mittelfristig Akzente setzen kann, dass es wieder aufwärts geht.“


Warum treffen aber ihre Spieler nicht?

„Ich würde sagen, dass meine Spieler vor dem gegnerischen Tor einfach noch nicht den 100%igen Willen haben, dort hinzugehen wo es weh tut. Dort, wo man vom gegnerischen Verteidiger auch einmal ein paar in die Schienbeine bekommen kann. Ich habe auch eine relativ junge Truppe unter meinen Fittichen, muss aber auch sagen, dass wir uns diesbezüglich schon sehr verbessert haben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir über mehr Tore jubeln können.“


Was sind denn die Gründe, dass die Spieler vor den gegnerischen Verteidigern so viel Respekt zeigen?


„Ich denke nicht, dass es zu großer Respekt ist. Man war es einfach nicht mehr gewohnt, die gegnerischen Verteidiger körperlich unter Druck zu setzen. Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass der Fußball heute in Gsies ein ganz anderer ist, als noch vor Jahren. Zu meiner Zeit – ich war schon vor etlichen Jahren als Spielertrainer in Gsies – bestand die Mannschaft entweder aus Handwerkern oder Bauern. Die waren gewohnt hart zu arbeiten und waren auch physisch ganz anders gebaut. Heute gehen die meisten in meiner Mannschaft Arbeiten nach, die eine körperliche Anstrengung kaum verlangt. Wir haben zwar einen Kunstrasenplatz, der ist aber auch schon in die Jahre gekommen. Dadurch sind die Spieler auch verletzungsanfälliger geworden. Ein alter Kunstrasenplatz ist auch nicht gerade ein Anziehungspunkt für Stürmer, die eventuell von auswärts in Frage kommen würden.“

„Wir sind gerade dabei ein Fundament zu schaffen, auf das man in den nächsten Jahren aufbauen kann.“ Peter Unterregelsbacher

Am letzten Spieltag gegen Plose war der Ball anscheinend schon hinter der Torlinie. Der Schiedsrichter gab den Treffer aber nicht. Mangelndes Glück oder einfach nur Pech?


„Von der Trainerbank aus, konnte ich nicht 100%ig sehen, ob der Ball komplett über der Linie war oder nicht. Auf jeden Fall hat es Plose-Torhüter Pradi sehr geschickt gemacht, als er den Ball aus dem Tor geschlagen hatte, auch wenn er die Linie bereits überschritten haben soll. Meine Spieler wollen den Ball über der Linie gesehen haben und regten sich anfangs auch über die Schiedsrichterentscheidung auf. Ich bin der Meinung und sagte das meinen Spielern auch, dass der Schiedsrichter jener auf dem Feld ist, der am wenigsten Fehler macht. Zudem bin ich überzeugt, dass sich bis zum Ende der Saison Glück und Pech ausgleichen.“


Nach einer mehr als einem Jahr langen Pause, sind Sie wieder ins Trainergeschäft eingestiegen. War es nicht vorhersehbar, dass der Klassenerhalt mit Gsies schwierig werden würde?

„Ja, das war mir schon klar. Dafür hat schon gereicht zu schauen, wie viel Punkte die Mannschaft in den letzten wegen Corona abgebrochenen Saisonen holte. Trotzdem sagte ich zu, weil einige meiner ehemaligen Spielkameraden jetzt im Vereinsausschuss sitzen und auch weil die Planung für die Zukunft mittelfristig ausgelegt ist. Wir sind gerade dabei ein Fundament zu schaffen, auf das man dann in den nächsten Jahren aufbauen kann.“


Gerd Müller ist eines Ihrer fußballerischen Vorbilder. Schmerzt es dann nicht besonders, wenn die Stürmer nicht treffen?

„Ja logisch. Müller war einer der aus einer halben oder sogar keiner Chance ein Tor erzielt hat. Einen solchen könnte ich natürlich gut gebrauchen, aber dann wäre er nicht mehr Spieler im Gsiesertal, sondern höherklassig, wie eben auch einige gute Fußballer aus Gsies die im Pustertal bei anderen Vereinen spielen. Das soll aber kein Vorwurf sein, denn wenn jemand die Möglichkeit hat eine oder zwei Ligen höher zu spielen, dann muss man ihm diese Chance lassen.“


Ähnlich wie Gsieser Treffer, war es heuer mit den Pilzen bestellt?

„Ja, das kann man so sagen. Ich sammle aus Leidenschaft Pilze, denn das gibt mir auch die Möglichkeit abzuschalten. Heuer funktionierte das aber überhaupt nicht, da einfach keine oder nur sehr wenige Pilze zu finden waren. Sogar rund um mein Haus, dort wo immer welche zu finden sind, gab es heuer fast keine. Aus diesem Grund konnte ich auch nicht entsprechend abschalten (lacht).“

Zur Person

  • Peter Unteregelsbacher spielte und trainierte bei einigen Vereinen im Pustertal. Aufsehen erregte der 61-jährige Gaiser, der in Fußballkreisen als „Schmittla“ bekannt ist, im Juni 2018, als er in Latzfons mit seiner Mannschaft Gitschberg Jochtal im Pokalfinale gegen Terlan stand. In der 120. Minute beim Stand von 2:2, wechselte der Trainer Unteregelsbacher den Spieler Unteregelsbacher für das bevorstehende Elfmeterschießen ein. Der damals 58-Jährige traf vom Punkt. Geholfen hat es wenig, denn am Ende holte sich Terlan den Pokal. Seine letzte richtige Fußballsaison absolvierte Unteregelsbacher 2009/2010 und im Alter von 50 Jahren bei Reischach in der 1. Amateurliga, als er immerhin noch 15 Partien spielte.



Interview: Christian Morandell

Schlagwörter: Fussball

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