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Schiedsrichter D'Andria (in gelb), hier im Einsatz im Spiel zwischen Kaltern (in rot, Benjamin Carli beim Elfmeter) und Nals (Keeper Ivan Taibon im orange). © M. Dorn

RÜCKPASS | Ein Tanz auf zwei Hochzeiten

Für ein Fußballspiel unerlässlich sind 22 Spieler, zwei Mannschaften – und ein Schiedsrichter. Ausgerechnet von letztgenannter Sorte herrschte zuletzt jedoch immer wieder ein Mangel vor. Deshalb musste ein Herr ein besonders intensives Programm abspulen.

TATORT 1. Amateurliga: 180 Minuten Vollgas
Schiedsrichter in den unteren Spielklassen haben es nicht einfach. Komplett auf sich alleine gestellt und ohne der Mithilfe eines Assistenten müssen sie oft aus unmöglichen Winkeln Abseitsstellungen erkennen, knifflige Entscheidungen treffen, ja eine Rasselbande von 22 Spielern und zwei aufgeheizten Trainern bändigen – und am Ende des Tages sind sie trotzdem für Akteure und Zuschauer nicht selten die Hauptschuldigen einer Niederlage.


Verständlich, dass es sich hier ein junger Bursche gut überlegt, ob er denn in die Rolle des Unparteiischen schlüpfen will. Was auf der anderen Seite bedeutet, dass es immer wieder zu Engpässen kommen kann. Im Laufe dieser Saison mussten im Jugendbereich, aber auch im Amateurbereich schon einige Spiele abgesagt beziehungsweise verschoben werden, weil es einen akuten Personalmangel gab.

Vormittag und Nachmittag im Einsatz
Deshalb gilt es Typen wie Giuseppe D'Andria besonders Respekt zu zollen. Der Schiedsrichter der Sektion Bozen hat am Sonntag nämlich ein wahres Marathon-Programm abgespult. Am Vormittag leitete er das 1.-Amateurliga-Spiel zwischen Frangart und Schlern, um am Nachmittag wenige Kilometer weiter südlich das Top-Spiel zwischen Kaltern und Nals zu pfeifen.

180 Minuten volle Konzentration, 180 Minuten auf Ballhöhe, 180 Minuten die eigene Linie durchziehen – und 180 Minuten, in denen D'Andria eigentlich nie richtig aufgefallen ist. Für einen Stürmer würde eine solche Beschreibung ein Armutszeugnis darstellen, für einen Schiedsrichter ist das indes das komplette Gegenteil: Nämlich das prächtigste Kompliment, das man erhalten kann.

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Kommentare (1)

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Werner Braun [melden]

Toller Artikel. Auf jeden Fall verdienen sich die Schiedsrichter viel mehr Lob. Ich selbst war langjähriger Fußballspieler und seit geraumer Zeit bin ich als Trainer tätig. Zugegebenermaßen war ich als Spieler und als Trainer selber oft mit Schiedsrichterentscheidungen nicht einverstanden und habe mich auch aufgeregt. Was natürlich auch damit zusammenhängt, dass man voll Adrenalin ist während so einem Spiel. Wer selber einmal ein Spiel gepfiffen hat (auch nur ein Trainingsspiel), der weiß, dass es gar nicht so einfach ist. Der einen oder anderen Mannschaft macht man es eh nie recht. Fehler machen auf dem Spielfeld alle, Spieler, Trainer und halt auch ein Schiedsrichter. Dem Schiedsrichter aber im Nachhinein die Schuld zu geben ist immer einfach und halt auch ganz oft ein Ablenken von den eigenen Fehlern oder von einer schwachen Leistung der Spieler. Auf jeden Fall von meiner Seite ein Riesen-Kompliment und ein Danke an alle Schiedsrichter, die Woche für Woche die Spiele leiten.

18.10.2021 10:13

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