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Matthias Bacher (links) in Aktion: Auf solche Bilder muss Naturns aktuell verzichten. © www.runggaldier.it / Dieter Runggaldier

Er kann, darf aber nicht: Das Dilemma des Matthias Bacher

Der SSV Naturns befindet sich in der Landesliga in einer Krise. Einer, der aktuell immens fehlt, ist Torjäger Matthias Bacher. Was den Stürmer und den Verein besonders wurmt: Er könnte eigentlich spielen, darf aber nicht.

Der Fußball ist oft ein seltsames Spiel. Das wird man sich dieser Tage in Naturns immer wieder mal denken. Der Landesliga-Topklub hatte am vergangenen Sonntag gegen Gitschberg Jochtal Chancen, die ausreichen würden, um drei Spiele zu gewinnen. Am Ende gab es aber eine 0:2-Niederlage. „Ich kann meiner Mannschaft aktuell nichts vorwerfen – außer, dass wir die Dinger vorne nicht reinmachen“, analysiert Trainer Christian Pixner. Ein Blick auf die Statistiken beweist: Im gesamten November hat Naturns kein einziges Mal getroffen, in den drei Spielen gab es jeweils Zu-Null-Niederlagen. Die als große Titelfavoriten gestarteten Untervinschger sind mittlerweile auf Platz 5 abgedriftet.


Gerade jetzt würde man einen Knipser mehr denn je benötigen. Und mit Matthias Bacher hätte man einen Stürmer im Kader, der wie geschaffen ist, um dieses Problem zu lösen. Nur: Der 29-Jährige, der zu den besten Angreifern Südtirols zählt, darf aktuell nicht Fußball spielen. Nicht aber, weil er verletzt oder gesperrt ist, sondern weil ihm die ärztliche Bewilligung fehlt. „Das ist einfach nur ärgerlich“, bedauert Bacher im Gespräch mit SportNews.

Vier Tore in fünf Spielen, doch dann...

Kurzer Rückblick: Bacher ist im Sommer zu seinem Stammverein Naturns zurückgekehrt. Die Heimholung des verlorenen Sohns löste im fußballverrückten Dorf große Euphorie aus, denn endlich war das letzte Puzzleteil gefunden, endlich hat man wieder einen Knipser, der dem ohnehin schlagkräftigen Team den letzten Qualitätsschub verleihen kann und soll. Und genau das machte Bacher zu Beginn der Saison auch: Mit vier Toren aus fünf Spielen unterstrich er eindrucksvoll, aus welchem Holz er geschnitzt war.
„Ich wurde als nicht sporttauglich erklärt.“ Matthias Bacher

Dann aber begann der Albtraum: „Nach einer Coronaerkrankung habe ich vorschriftsmäßig eine sportärztliche Untersuchung gemacht. Beim Step-Test bemerkte die zuständige Ärztin eine kleine Unregelmäßigkeit am Herzen. Ich habe gleich anschließend noch einen Radtest gemacht, da war aber alles normal“, so Bacher. Da war es aber schon zu spät. „Die Ärztin erklärte mich als nicht tauglich, folglich bekam ich kein sportärztliches Zeugnis.“ Kein sportärztliches Zeugnis, das bedeutet kein Wettkampfsport – und somit kein Fußball.

Jetzt muss er Rekurs einreichen

Für Bacher begann nun ein bürokratischer Hürdenlauf. „Ich bin auf eigene Faust zu den verschiedensten Ärzten und Herzspezialisten gegangen, habe allerhand Tests durchführen lassen, und alle sagten mir: 'Da ist alles zu 100 Prozent in Ordnung, da fehlt gar nichts.' Allerdings zählt das nicht, denn ich bin im Register des Sanitätsbetriebs als nicht tauglich eingetragen. Ich muss deshalb vor einer Ärztekommission einen Rekurs einreichen“, so Bacher. Nur: Diese Ärztekommission tagt aktuell in sehr unregelmäßigen Abständen. „Es kann also bis zum 20. Jänner dauern, bis sie zusammenkommen und meinen Rekurs behandeln. Dann darf ich hoffentlich wieder Fußball spielen.“

Bacher (links) fehlt im Naturnser Angriff an allen Ecken und Enden. © www.runggaldier.it / Dieter Runggaldier


Dass der wohl beste Stürmer der Landesliga in der Hinrunde noch ein Spiel bestreitet, ist also äußerst unwahrscheinlich. „Es ist ärgerlich, denn ich fühle mich so fit wie noch nie in meinem Leben“, bedauert Bacher, der verbittert anfügt: „Wir sind so gut in die Saison gestartet, und nun darf ich seit Anfang Oktober nicht mehr spielen. Dass mir so etwas einen Strich durch die Rechnung macht, hätte ich nie gedacht.“

Die Statistiken sind jedenfalls eindeutig: In den fünf Spielen, in denen Bacher auf dem Feld stand, gewann Naturns vier Mal und spielte ein Mal Unentschieden. Ohne ihn gab es in acht Spielen lediglich zwei Siege. Allein diese Zahlen belegen, wie sehr der Knipser dem SSV aktuell fehlt.

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