
Schenna verfolgt eine eigene Philosophie. © Andrea Giacomelli
Keine bezahlten Spieler: Schenna sorgt für Aufsehen
Bevor die Rückrunde der Landesliga startet, sorgte der FC Schenna mit einem Statement für großes Aufsehen in der Südtiroler Fußballwelt.
04. Februar 2026
Von: det
An diesem Wochenende beginnt die Rückrunde in der Landesliga. Schenna steht dabei vor einer Herkulesaufgabe. Mit nur sieben Punkten zieren die Burggräfler das Tabellenende, und wenn im Frühjahr kein Wunder passiert, werden die Schenner Fußballer wohl in die 1. Amateurliga absteigen.
Doch das wäre für den Dorfverein kein Beinbruch. Die Schenner verfolgen nämlich eine Philosophie, die im Südtiroler Fußball immer mehr zur Rarität wird. „Wir beteiligen uns nicht an den finanziellen Wettläufen im Amateurfußball und bezahlen keinen Spieler“, so lautet die Kernaussage des Schenner Statements, das auf Facebook und Instagram in den letzten Tagen hohe Wellen geschlagen hat.
Die Schenner sprechen damit ein Thema an, das im hiesigen Fußball immer wieder für große Diskussionen und auch für Stirnrunzeln sorgt. Immer häufiger verdienen sich nämlich Spieler alleine durch ihr Hobby eine hübsche Geldsumme dazu. Das ist mittlerweile nicht mehr nur in der Oberliga der Fall, sondern auch in den niedersten Spielklassen.
Von Social-Media-Plattformen befeuert
Schenna stellt sich entschieden dagegen. „Wir sprechen ein Problem an, das den Südtiroler Amateurfußball zunehmend prägt. Spieler erhalten Geldbeträge, um in Dorfvereinen Punkte zu sammeln – ohne Perspektiven auf professionelle Karrieren, ohne mediale Reichweite, ohne wirtschaftlichen Mehrwert für Vereine oder Region. Und trotzdem spielen viele Vereine dieses Spiel mit.“„Der Fußball wird zum Markt – nicht zur Gemeinschaft.“ FC Schenna
In den letzten Jahren sei diese Entwicklung zusätzlich befeuert worden, und zwar „durch Social-Media-Plattformen und Communitys, die Transfers, Summen und Wechsel öffentlich diskutieren und bewerten. Der Fußball wird so zum Markt – nicht zur Gemeinschaft“, heißt es vonseiten des Landesligaklubs.
Alex Mair, Aushängeschild von Schenna.
Schenna stellt klar: „Wir verstehen jeden Spieler, der sich für ein finanzielles Angebot entscheidet. Das ist menschlich. Doch gleichzeitig geht dabei etwas verloren, worüber kaum gesprochen wird: der Kern einer Dorfmannschaft. Wo früher nach dem Spiel gemeinsam zusammengesessen, diskutiert, gelacht und gefeiert wurde, fährt heute ein Teil der Mannschaft direkt nach Hause. Gespräche zwischen Spielern und Fans werden weniger. Nähe geht verloren. Identifikation auch.“
Deshalb geht Schenna einen anderen Weg. „Wir haben uns als Vorstand bewusst und klar entschieden, keine Spieler zu bezahlen. Selbstverständlich gibt es bei uns Spesenvergütungen für jene, die für ihr Team längere Wege auf sich nehmen. Aber es gibt keine Gehälter, keine Prämien, keine versteckten Zahlungen.“
Unter dem Posting gab es aus allen Landesteilen großen Zuspruch für Schenna, außerdem wurde der Beitrag zigfach geteilt und sammelte mehr als 1.000 Likes. Zum Denken hat Schenna mit diesen Worten auf jeden Fall angeregt.
Hier das Statement von Schenna im Wortlaut
Quo vadis, Südtiroler Amateurfußball?Bei unserer letzten Vorstandssitzung ging es neben dem Start der Rückrunde, der Planung verschiedener Veranstaltungen und weiteren Vereinsthemen vor allem um einen zentralen Punkt: unsere 1. Mannschaft.
Es ist kein Geheimnis, dass wir uns vor dieser Saison schwergetan haben, Spieler zu finden, die bereit sind, mit uns den Weg – inklusive Kampf um den Ligaerhalt – zu gehen.
Was bedeutet in diesem Zusammenhang „schwergetan“?
Nicht etwa, dass wir uns nicht bemüht hätten. Wir haben Gespräche geführt, Interesse bekundet, bei Vereinen nachgefragt und Kontakt zu Spielern aufgenommen.
Die ehrliche Antwort ist eine andere:
Wir waren – und sind – nicht bereit, uns auf einem sogenannten „Mercato“ an finanziellen Wettläufen zu beteiligen und Spieler für den Amateurfußball zu bezahlen.
Damit sprechen wir ein Problem an, das den Südtiroler Amateurfußball zunehmend prägt.
Spieler erhalten Geldbeträge, um in Dorfvereinen Punkte zu sammeln – ohne Perspektiven auf professionelle Karrieren, ohne mediale Reichweite, ohne wirtschaftlichen Mehrwert für Vereine oder Region. Und trotzdem spielen viele Vereine dieses Spiel mit.
In den letzten Jahren wurde diese Entwicklung zusätzlich durch Social-Media-Plattformen und Communitys weiter angeheizt, die Transfers, Summen und Wechsel öffentlich diskutieren und bewerten. Der Fußball wird so zum Markt – nicht zur Gemeinschaft.
Wir verstehen jeden Spieler, der sich für ein finanzielles Angebot entscheidet. Das ist menschlich.
Doch gleichzeitig geht dabei etwas verloren, worüber kaum gesprochen wird: der Kern einer Dorfmannschaft.
Wo früher nach dem Spiel gemeinsam zusammengesessen, diskutiert, gelacht und gefeiert wurde, fährt heute ein Teil der Mannschaft direkt nach Hause. Gespräche zwischen Spielern und Fans werden weniger. Nähe geht verloren. Identifikation auch.
Wir als FC Schenna gehen diesen Weg nicht.
Wir haben uns als Vorstand bewusst und klar entschieden, keine Spieler zu bezahlen.
Selbstverständlich gibt es bei uns Spesenvergütungen für jene, die für ihr Team längere Wege auf sich nehmen. Aber es gibt keine Gehälter, keine Prämien, keine versteckten Zahlungen.
Wir wollen Spieler, die für unseren Verein stehen – und für das, was er verkörpert.
Wir wollen Vorbilder für unsere Jugend. Auf dem Platz. Und daneben.
Bei uns wird gefeiert – und bei uns wird gearbeitet. Ehrenamt lebt davon.
Fußball soll Freude machen, Gemeinschaft schaffen und verbinden – nicht zur Einnahmequelle werden, um private Verpflichtungen zu finanzieren.
Wer bei uns spielt, hilft auch mit: bei Veranstaltungen, hinter der Bar, beim Aufräumen.
Dafür gewinnt man etwas, das unbezahlbar ist: eine Gemeinschaft, die oft weit über die aktive Fußballzeit hinaus Bestand hat.
Wir wollen niemanden überreden, überreden müssen oder gar „erkaufen“.
Fußballbegeisterung sollte geteilt werden dürfen – nicht erzeugt werden müssen.
Für uns ist Fußball mehr als ein Ergebnis am Sonntag.
Das, was auf dem Platz entsteht – und vor allem das, was daneben wächst – ist für uns wichtiger als jede Tabelle.
Wer ein Team sucht, in dem Gemeinschaft, Freude am Spiel und Zusammenhalt im Vordergrund stehen – und nicht das eigene Konto – ist bei uns willkommen.
Auf dem Platz. In der Kabine. Und gern auch auf ein Glasl danach. Oder zwei. Oder drei.
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