a Amateurligen

Der Jubel kannte bei Taisten Welsberg keine Grenzen mehr. © David Laner

RÜCKPASS | Das etwas andere Tinder-Date

Endlich, endlich, endlich rollt der Ball wieder. An diesem Wochenende geht der bereits zweite Spieltag in den Amateurligen über die Bühne. Wir wollen als Appetitanreger noch einmal auf den Auftakt zurückblicken – denn am vergangenen Sonntag wurde wieder getreten, gejubelt, vielleicht sogar irgendwo auch geheult. Von alldem ein bisschen gab es im Waldstadion von Taisten Welsberg Prags, wo sich ein denkwürdiges Match abgespielt hat.

TATORT 2. Amateurliga: Der nette Postbote aus Welsberg

Ruuuums… Nein, das war gerade eben kein Schrank, der umfällt. Kein Flieger, der am Bozner Flughafen unsanft aufsetzt. Kein Lkw, der mit unverschämt hoher Geschwindigkeit an der Bushaltestelle vorbeirauscht. Nein, das war der Amateurfußball, der sich mit Vollkaracho zurückgemeldet hat. Zumindest in Taisten, wo der eine oder andere Fan noch heute Muskelkater an beiden Armen verspüren dürfte. So extrem, wie man sich dort am Sonntag 90 Minuten lang die Augen gerieben hat. Was sich im örtlichen Waldstadion abspielte, das war nämlich eines: Calcio spettacolo in seiner pursten Form.


Zunächst zur Ausgangslage: Taisten traf auf Steinhaus und es war ein Spiel, das an ein Tinder-Date erinnert. Man kennt sich zwar irgendwie, doch so ganz weiß man nicht, was man vom jeweils anderen erwarten darf. Taisten ist seit jeher eine Wundertüte, die gegen jeden gewinnen, aber auch verlieren kann. Und Steinhaus machte im Sommer einen ordentlichen Wandel durch. Kurzum: Es hätte ein taktisch geprägtes, verhaltenes und abwartendes Spiel werden können. Oder aber ein totales Feuerwerk. Letzteres ist zugetroffen, denn am Ende setzten sich die Hausherren vom Welsberg mit 5:4 durch. Die Art und Weise, wie der Sieg zustandegekommen ist, ließ die Kinnläden der Zaungäste reihenweise runterklappen.

Oliver Burger (rechts) knipst für Taisten Welsberg. © David Laner


Denn Taisten präsentierte sich im gesamten Spiel wie ein fleißiger Postbote: Steckte zuerst ein und teilte dann aus. Steinhaus ging mit Christian Weger, Florian Gartner (2) und Jakob Hainz vier Mal in Führung. Doch nach jedem Treffer der Ahrntaler machte es Taisten so wie ein Kandidat, der bei der Millionenshow auf dem besten Weg zum großen Coup ist: Hatte immer die richtige Antwort parat. Oliver Burger per Doppelpack, Manuel Ploner und Fabian Amhof sorgten für das 1:1, 2:2, 3:3 und 4:4. Schon alleine das wäre denkwürdig genug gewesen, um sich einen Platz in dieser SportNews-Rubrik zu sichern. Aber Taisten mimte dann auch noch einen Eisverkäufer nach, der einen sehr spendablen Tag hat: Setzte zur Überraschung aller noch einen drauf.

Ein unglaubliches Finish

Als nämlich alles nach einer Punkteteilung aussah, brach Olly Burger in den letzten Momenten des Spiels bei einem Angriff noch einmal durch und konnte nur mehr mit einer Notbremse gestoppt werden. Es gab Freistoß, dem sich der Taistner Florian Oberarzbacher annahm. Er atmete kurz durch, fokussierte sich, ja betete wahrscheinlich sogar. Dann folgten ein paar kräftige Schritte Anlauf, ein satter Schuss, ein gegnerischer Verteidiger, der die Kugel leicht abfälscht – und schließlich ein ohrenbetäubender Jubel, als der Ball tatsächlich im Tor einschlug. 5:4 für Taisten Welsberg und das Waldstadion war komplett aus dem Häuschen.

Der Ball schlägt im Tor ein – und Taisten gewinnt mit dem unglaublichen Ergebnis von 5:4. © David Laner


Klar ist: Dieses Spiel wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. Was außerdem noch bemerkenswert ist: Taisten Welsberg erzielte vier seiner fünf Tore nach ruhenden Bällen. Uns würde also nicht wundern, wenn in den nächsten Tagen der eine oder andere Welsberger Spieler von ein paar schick gekleidete Herren des Deutschen Institut für Normungen, kurz DIN, Besuch bekommen würde. So stark, wie die bei Standards sind…

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In der Rückpass-Rubrik arbeitet die SportNews-Redaktion regelmäßig besondere und kuriose Ereignisse im Südtiroler Amateurfußball mit etwas Witz und Heiterkeit auf.

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