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Dennis Fanani war einer der Protagonisten der unglaublichen Albeinser Aufholjagd. © A. Giacomelli

RÜCKPASS | Das unglaublichste Spiel des Jahres

Der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten: Eine Phrase, die ähnlich ausgelutscht ist wie das Nachmittagsprogramm auf RTL. Wirft die Glotze trotzdem an und staunt nicht schlecht, was er da geboten bekommt: Der SportNews-Rückpass.

TATORT Landesliga: Mit Elon Musk beim Discounter
Wenn sich auf dem Albeinser Fußballplatz eine Nebelwand aus rotem Bengalo-Rauch unverschämt breit macht. Wenn auf dem schmalen Balkon der Sportbar bis spät in die Nacht hinein gefeiert, gejohlt, gesungen wird. Wenn auch am Tag danach im Dorf und darüber hinaus noch über diesen 90-minütigen Wahnsinn gesprochen wird. Ja dann muss wirklich etwas Außergewöhnliches passiert sein. Etwas Berauschendes. Man ist sogar verleitet zu sagen: Etwas Historisches.


Aber zuvor eine Funfrage, die vielleicht gar nicht so funny ist. Was hat die Saison von Landesligist Albeins bisher mit einem gut geschulten Rückenmasseur gemeinsam? Beide spielen hauptsächlich hinten rum – der eine lieber, der andere weniger gern. Anders ausgedrückt: Die Eisacktaler stecken seit Saisonbeginn im Abstiegssumpf fest und kämpfen mit aller Macht um den Klassenerhalt.

Albeins (in weiß) lieferte sich mit St. Martin Moos ein denkwürdiges Spiel.


Auch gegen St. Martin Moos hatte sich die Truppe von Manuel Sullmann einiges vorgenommen. Zwei Siege aus den jüngsten zwei Spielen haben die zarte Albeinser Brust auf einen Schlag beachtenswert anschwellen lassen. Gegen die Gäste aus dem Passeiertal sollte unter Flutlicht und vor großer Fankulisse der nächste Sieg, die nächsten überlebenswichtigen drei Punkte her. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. In Zahlen ausgedrückt: Nach 55 Minuten rannte Albeins einem 1:4-Rückstand hinterher, die drei Punkte waren weiter entfernt als Elon Musk von einem Discounterladen.
Geht da wirklich noch was?
Sinnbildlich für die Situation stand das 2:4 der Albeinser in der 58. Minute. Als Tiziano Weiss das Leder per Direktschuss aus 25 Metern ins Kreuzeck zimmerte (ein Eurogoal, by the way, siehe Video unten), erinnerte sein Torjubel an einen ungeliebten Verwandtenbesuch: Lästiges Pflichtprogramm eben. Ein Ehrentreffer, mehr nicht. Sollte sich St. Martin Moos, das zu den Top-Teams der Liga zählt, die Butter nun doch noch vom Brot nehmen lassen? Eigentlich unvorstellbar. Oder doch nicht?

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Jedenfalls waren die letzten 12 Spielminuten schon angebrochen, da behauptete sich Peter Plaickner im St.-Martin-Strafraum im Stile eines Bulldogs und stocherte den Ball weniger mit dem Fuß, sondern vielmehr mit seinem puren Willen über die Linie. 3:4. Und plötzlich war Albeins wieder im Spiel. Geht da wirklich noch etwas? Ja, und wie! Spätestens nach dem 4:4 von Jakob Mutschlechner nur vier Minuten später war die Albeinser Arena wieder ein Tollhaus. Aber das war noch längst nicht alles, denn die Krönung sollte noch folgen.
Von 1:4 auf 5:4
87. Minute. Ein Foul vor dem „Mortiner“ Kasten, ein Freistoß aus guter Position, 20 Meter vom Tor entfernt. Eigentlich perfekt, um diesen einen Kindheitstraum wahrzumachen: Unglaubliche Aufholjagd, letzte Chance, Tor zum Sieg. Mal ehrlich: Wer hat bei diesem Gedanken noch nie leicht zu sabbern begonnen? Albeins-Stürmer Dennis Fanani macht es jedenfalls wie eine Shopping-Dame in der Handtaschenabteilung und schnappt sich wild entschlossen das verzierte Leder. Er positioniert es auf einem dichtbewachsenen Mini-Hügelchen am Albeinser Sportplatz und stellt sich ein paar Meter dahinter mit schulterbreitem Stand auf.

Die Spannung ist zum Greifen, auf einen Schlag ist es im Tollhaus mucksmäuschenstill geworden, alles blickt auf Fanani. Noch mehr, als der Schiri pfeift. Ein paar kräftige Schritte Anlauf. Eine perfekte Schussbewegung. Ein sattes Schmatzen des Balles. Eine Flugbahn, die ähnlich kurvenreich verläuft wie Mario Baslers Nachhauseweg nach einer durchzechten Nacht. Und schließlich ein Netz, das nach dem harten Einschlag wie elektrisiert zappelt. Tor. Jubel. Ekstase auf den Rängen. Von 1:4 auf 5:4 – und das in weniger als 30 Minuten. Ein unvergessliches Spiel. Ein Abend für die Ewigkeit. Und eine Albeinser Mannschaft, die nach einem solchen Match mehr denn je auf den Ligaverbleib hoffen darf. RTL hin oder her: Solche Geschichten schreibt einfach nur der Fußball.

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In der Rückpass-Rubrik arbeitet die SportNews-Redaktion regelmäßig besondere und kuriose Ereignisse im Südtiroler Amateurfußball mit etwas Witz und Heiterkeit auf.

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