a Amateurligen

Ein denkwürdiges Tattoo.

RÜCKPASS | Sie haben 90 Minuten Zeit, dieses Tattoo zu stechen

Überschwänglicher Jubel, Tränen, Dramen: Der letzte Spieltag in den hiesigen Amateurligen hatte auch heuer wieder mehr Leckerbissen zu bieten als das biovitale Frühstücksbüffet im Meraner Palace Hotel. Die verrückteste Story schrieb dabei ausgerechnet ein Spieler, der gar nicht auf dem Platz stand. Hat sich derweil mit Toni Kroos unterhalten: Der letzte SportNews-Rückpass der Saison.

Kennen Sie das? Dieses ungute Gefühl, wenn man nicht weiß, ob nun ein süffisantes Lachen angebracht ist – oder ob man einfach nur den Kopf schütteln soll. Diese zwiespältige Situation erleben wir immer dann, wenn wir wieder einmal hören, dass ein Bekannter des Cousins eines guten Freundes seine allerliebste Herzensdame gerne hat. Also richtig gerne hat. So gerne, dass er sich sogar ihre Initialen (oder schlimmer, den ganzen Namen) in die Haut pigmentieren lässt. Bis die Liebe seines Lebens dann, nach vier Monaten, plötzlich mit einem anderen durchbrennt. Und der besagte Bekannte des Cousins eines guten Freundes plötzlich verdutzter aus der Wäsche guckt als der mittlerweile wohl berühmteste ZDF-Fieldreporter nach der wenig charmanten Toni-Kroos-Abfuhr.


Wer sich ein solches Tattoo sticht, der muss einerseits schwer verliebt sein. Und andererseits auch sehr mutig. Zumindest letzteres trifft auf Ilyan Kruselburger zu. Er ist schon seit Jahren Torhüter, und zwar beim ASV Wiesen, der in der 3. Amateurliga spielt. Dieser ASV Wiesen hatte am Sonntag die große Chance, endlich wieder den Klassensprung zu machen und in die 2. Amateurliga zurückzukehren. Vor dem letzten Spieltag lagen die Wipptaler im Klassement in Führung und benötigten im abschließenden Match gegen Uttenheim einen Punkt, um den kaltgestellten Sekt (oder die kaltgestellten Bier) aus den Flaschen zurück an die Erdoberfläche sprudeln zu lassen.

Meister-Tattoo drei Tage vor dem entscheidenden Spiel
Während der ein oder andere Wiesen-Spieler im Vorfeld also die eine oder andere unruhige Nacht verbracht haben dürfte, war für Ilyan Kruselburger eigentlich schon am Donnerstag, sprich drei Tage vor dem Match, klar: Wir holen uns das Ding. An jenem Tag hatte er nämlich einen Termin im Tattoo-Studio, wo er eine Hautverzierung am Unterarm fertigstellen lassen wollte. Plötzlich kam ihm aber eine Idee: „Ich graviere mir einfach schon jetzt das Datum vom Sonntag ein, an dem wir Meister werden – dann ist es frisch getan.“ Wie bitte? „Ich weiß, ein bisschen frech war das schon“, muss der Torhüter im Nachhinein schmunzeln.

Ilyan Kruselburger (in schwarz) ist der Torhüter des ASV Wiesen.


Ein bisschen frech, vor allem aber ein bisschen riskant. Sich ein Tattoo mit dem Meisterdatum verewigen zu lassen, bevor der Meistertitel überhaupt unter Dach und Fach ist – Puh! Mehr Mut musste man in den letzten Tagen nur beim ZDF aufbringen, wenn der Gesprächspartner gerade Toni Kroos hieß. Klammer auf: Nur, damit auch wir diesem Thema genügend Platz eingeräumt haben. Klammer zu.
Kurzes Schwitzen, aber dann...
Sei es drum: Am rechten Schienbeinkopf von Ilyan Kruselburger waren ab sofort also zwei Daten verewigt. Der 27. Mai 2018, an dem der ASV Wiesen letztmals in die 2. Amateurliga aufgestiegen war. Und der 29. Mai 2022, an dem der zweite Streich folgen sollte. Kruselburger selbst wirkte im Spiel der Spiele nicht mit, er nahm als Reservegoalie auf der Bank Platz. Und dürfte kurz nach der Pause einige Schweißperlen auf der Stirn gespürt haben, als Gegner Uttenheim per Elfmeter mit 1:0 in Führung gegangen ist und Wiesen – zumindest in der virtuellen Rangliste – nicht mehr auf Meisterkurs war.

Der Jubel bei Wiesen war groß.


Dann aber erzielte Manuel Tschöll per Elfmeter den 1:1-Ausgleich, bei dem es bis zum Ende bleiben sollte. Den Fußballern von Wiesen war der Pott nicht mehr zu nehmen – und Kruselburgers Rechnung am Schienbein aufgegangen. Bleibt nur die Frage, was er gemacht hätte, wenn es mit dem Meistertitel effektiv nichts geworden wäre? „Dann hätte ich mir darunter das Datum des Entscheidungsspiels tätowiert, das wir dann hoffentlich gewonnen hätten“, lacht der 26-Jährige.
Nicht die erste verrückte Aktion
Übrigens: Es ist dies nicht das erste exzentrische Tattoo, das den Körper des Wiesen-Torhüters dekoriert. „Die ganze Kripp ist voll“, sagt er und erzählt gerne einige Anekdoten. Beispielsweise über einen Bierkrug, der während einer Amsterdam-Reise den Weg auf eine Po-Backe gefunden hat. Oder ein Kamel, das in Anlehnung an den Namen der Kollegengruppe („Kameltreiber“) am linken Fuß eingraviert ist. Nun also das Datum des Meistertitels, das am Schienbein ragt. Oder um es in den Worten des Toni Kroos auszudrücken: „Sie hatten 90 Minuten Zeit, um ein vernünftiges Tattoo zu stechen.“ Zum Glück wurde es am Ende kein „Scheiß“-Tattoo, sondern eine wirklich gelungene Meister-Erinnerung.

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In der Rückpass-Rubrik arbeitet die SportNews-Redaktion regelmäßig besondere und kuriose Ereignisse im Südtiroler Amateurfußball mit etwas Witz und Heiterkeit auf.

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