S+
Ein Match in der 2. Amateurliga lässt die Wogen hochgehen.

a Amateurligen

Ein Match in der 2. Amateurliga lässt die Wogen hochgehen.

2. Amateurliga: Ein Urteil, das für Kopfschütteln sorgt

„Die Verrohung auf den Fußballplätzen nimmt immer weiter zu“ und „Wir haben nach wie vor große Probleme, Schiedsrichter zu finden“. Das sind zwei Sätze, die in den vergangenen Jahren im Südtiroler Fußball immer und immer wieder zu hören waren. Umso irritierender wirkt deshalb das, was am Donnerstag im Verbandsrundschreiben zu lesen war.

Thomas Debelyak

Von:
Thomas Debelyak

Konkret geht es um das 2.-Amateurliga-Match zwischen Raas und Napoli Club Bozen. Dieses brach Schiedsrichter Christian Bartolone am vergangenen Samstag Mitte der zweiten Halbzeit ab – weil er sich ganz offenbar bedroht fühlte. In der 70. Minute wurde der Schiedsrichter vom Vereins-Linienrichter des Napoli Club verbal attackiert, unter anderem mit Sätzen wie „Sobald ich dich draußen erwische, werde ich dir zeigen, was passiert.“


Daraufhin, so steht es im Verbandsrundschreiben, gab es weitere Drohungen und Beleidigungen durch den Linienrichter sowie durch andere, teilweise nicht identifizierte Personen. Das hat dazu geführt, dass sich der Schiri nicht mehr in der Lage sah, das Match fortzusetzen – zumal die Situation schon zuvor hitzig war, wie eine Rote Karte gegen Napoli Club unmittelbar vor dem Eklat beweist.

Strafen für Napoli Club, aber...

Das Sportgericht sprach gegen die Beteiligten des Napoli Club Bozen einige Strafen aus: Ein Spieler wurde für drei Partien gesperrt (aufgrund eines Faustschlages in den Bauch eines Gegenspielers, zwei Minuten vor dem Abbruch der Partie), ein anderer für vier Wochen (weil er dem Schiri nach dem Abbruch unter anderem sagte: „Ich habe richtig Lust, dich zu schlagen“), der Vereins-Linienrichter für drei Monate und der Trainer für ein Match. Doch liest man sich das fast dreiseitige Urteil durch, dann beschleicht einen das Gefühl: Die eigentliche Rüge bekommt hier der Schiedsrichter ab.

Napoli Club Bozen geriet negativ in den Fokus.

Napoli Club Bozen geriet negativ in den Fokus.


In mehr als anderthalb Seiten erklärte das Sportgericht, warum es nicht gerechtfertigt war, das Match abzubrechen. Denn: Erforderlich für einen Spielabbruch sei, dass zum Zeitpunkt der Entscheidung eine „gegenwärtige, konkrete und objektiv feststellbare Gefahr für seine eigene oder die Unversehrtheit anderer Personen besteht oder eine Situation vorliegt, welche die ordnungsgemäße Fortsetzung des Spiels konkret unmöglich macht“, heißt es im Urteil. Klingt ein bisschen so: Bis der Schiedsrichter nicht körperlich angegriffen wird, darf er das Match nicht abbrechen.

Ein Freifahrtschein für die Zukunft?

Außerdem sind in der Urteilsbegründung zum Teil sonderbare Sätze zu lesen. Wie in etwa: „Die Äußerungen (des Linienrichters, Anm. d. Red.) sind zweifellos schwerwiegend und disziplinarisch relevant. Ihr Wortlaut selbst verlagert die angedrohte aggressive Handlung jedoch auf einen zukünftigen Zeitpunkt nach dem Spiel.“ Oder: Ein Napoli-Spieler hat dem Schiedsrichter Prügel angedroht – aber ja erst, nachdem das Match abgebrochen worden war.

Ob dieses Urteil in Zeiten der prekären Schiri-Situation und der zunehmenden Verrohung auf den Fußballplätzen das richtige Signal ist, darf zumindest angezweifelt werden. Immerhin ist es in gewisser Weise ein Freifahrtschein dafür, den Schiedsrichter künftig einzuschüchtern, zu beleidigen, ja zu bedrohen. Wäre der Abbruch vom Sportgericht als gerechtfertigt eingestuft worden, wäre die Partie mit 3:0 für Raas gewertet worden. Nun muss sie wiederholt werden.

Kommentare (0)

Bestätigen Sie den Aktivierungslink in unserer E-Mail, um Ihr Konto zu verifizieren und Kommentare zu schreiben. Aktivierungslink erneut senden
Vervollständigen sie Ihre Profil-Angaben, um Kommentare zu schreiben.
Profil bearbeiten

Sie müssen sich anmelden, um die Kommentarfunktion zu nutzen.

© 2026 First Avenue GmbH